Italienische Industrielle mögliche Käufer
Rom will Alitalia komplett verkaufen

Der italienische Staat will sich ganz von der angeschlagenen Fluggesellschaft Alitalia trennen. Wie das Finanzministerium am Dienstag mitteilte, sucht der Staat nach Investoren, die mindestens 30,1 Prozent der Aktien kaufen.

MAILAND/PARIS. Damit wäre der Käufer nach italienischem Recht automatisch gezwungen, auch für die restlichen Aktien ein Übernahmeangebot vorzulegen. Als mögliche Käufer gelten außer der Fluggesellschaft Air France auch eine italienische Investorengruppe aus mehreren Industriellen, die von der Banca Intesa finanziell unterstützt würde.

Die Entscheidung, sich ganz von der ehemaligen Staats-Airline zu trennen, kommt überraschend. Am Freitag hatte die Regierung unter Romano Prodi zwar bereits mitgeteilt, einen Teil ihrer insgesamt 49,9 Prozent der Aktien zu verkaufen. Doch sprachen verschiedene Minister vom Verkauf einer Beteiligung von weniger als 30 Prozent. Mit der gestern bekannt gewordenen Entscheidung bekommt der Verkauf ganz neue Dimensionen.

„Diese Nachricht ist auf jeden Fall positiv“, sagte ein Analyst einer internationalen Investmentbank. „Es handelt sich um eine eindeutige Wende“, sagte er. Die Aktie von Alitalia war gestern vorübergehend vom Markt ausgesetzt und legte gestern nach Bekannt werden der Regierungspläne um mehr als fünf Prozent auf mehr als einen Euro zu. Damit war Alitalia an der Börse gestern rund 1,4 Mrd. Euro wert.

Italiens Regierung knüpft den Verkauf an verschiedene Bedingungen. Unter anderem fordert sie “eine angemessene Abdeckung des Territoriums“, gewisse Absicherungen zur Beschäftigung, Beibehaltung der nationalen Identität, der Marke und des Logos.

Air France-KLM, die bereits eine geringe Überkreuzbeteiligung an Alitalia hält, wollte sich auf Anfrage zu einem möglichen Gebot für Alitalia nicht äußern. Finanzmarkt-Akteure halten jedoch ein Gebot für äußerst unwahrscheinlich. Die Aktie von Air France-KLM rührte sich kaum vom Fleck. „Es dürfte eine italienische Lösung zur Übernahme der Alitalia geben“, meint Nicholas van den Brul, Analyst beim Broker Exane BNP Paribas. „Für Air France macht eine Offerte angesichts des Risikos nur dann Sinn, wenn das Unternehmen Alitalia mit einem hohen Preisabschlag bekäme. Das wird aber die italienische Regierung aber niemals akzeptieren.“ Bei der Vorstellung der Halbjahres-Zahlen hatte Air France-KLM-Chef Jean-Cyril Spinetta noch erklärt, erste prüfende Gespräche mit Alitalia über ein Zusammen gehen führen zu wollen. Für ein Fusionsprojekt stellte er indes unter anderem die Bedingung, dass sich eine finanzielle Gesundung bei Alitalia abzeichne. Davon scheint Alitalia indes weit entfernt.

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