Handel + Konsumgüter
Italiens Modehäuser suchen nach Strategien für China

Während Mittelständler die Konkurrenz fürchten, machen die Großen glänzende Geschäfte.

MAILAND. Italiens Leder- und Bekleidungshersteller sind führend in Europa, viele von ihnen zittern aber vor der zunehmenden Konkurrenz aus China. Die meist mittelständischen Unternehmer der volkswirtschaftlich für Italien sehr bedeutenden Branche fühlen sich machtlos gegenüber den Wettbewerbern aus dem Reich der Mitte. „Schauen Sie, diese Lederschuhe kosten mich in der Herstellung 30 Euro“, ereifert sich Claudio Ratifo, einer der vielen kleinen Produzenten aus Mittelitalien auf der Fachmesse Micam in Mailand. „Die Chinesen machen dasselbe für 5 Dollar. Da bin ich nicht mehr wettbewerbsfähig.“

Im vergangenen Jahr ist der kumulierte Umsatz der Branche um über 4 % auf 68 Mrd. Euro zurückgegangen; der Export sank um 7 % auf 38 Mrd. Euro. Zwar ist auch der starke Euro für diese Entwicklung verantwortlich, die Konkurrenz aus dem fernen Osten dürfte aber laut Mario Boselli, Präsident der nationalen Modekammer, die größere Gefahr darstellen.

Viele der größeren Hersteller sehen China dagegen eher als Chance. So sagt der Textilunternehmer Luciano Benetton: „China ist kein Monstrum, sondern eine unternehmerische Herausforderung, der wir uns stellen müssen.“ Die großen Häuser wie Gucci, Armani und Prada haben sich Gedanken gemacht über die Möglichkeiten, Fuß zu fassen auf einem der wachstumsstärksten und größten Märkte der Welt. Giorgio Armani hat gerade einen 1 500 Quadratmeter großen Laden an Schanghais Einkaufsmeile „Bund“ eröffnet.

Den größten Weitblick hat der edle Herrenschneider Ermenegildo Zegna bewiesen, der bereits 1991 in Peking den ersten Markenshop aufmachte. „Wir waren früher dran als alle anderen,“ sagt Vorstandschef Gildo Zegna, der in dritter Generation gemeinsam mit seinem Cousin Paolo das Unternehmen leitet, im Gespräch mit dem Handelsblatt, „In den ersten Jahren haben wir wegen der Zölle und der Bürokratie noch Verluste gemacht. Das Engagement hat sich aber bezahlt gemacht.“ Heute betreibt das Luxus-Unternehmen aus der norditalienischen Provinz Biella bereits 50 Geschäfte im Reich der Mitte; im Herbst kommen zwei große Stores in den besten Lagen von Schanghai und Peking hinzu.

Die Zegnas haben zudem mit einer einheimischen Familie ein Joint Venture auf die Beine gestellt, das unter dem Markennamen „Shar Moon“ ausschließlich den chinesischen Markt mit hochwertigen Konfektionen zu beliefern. „So können wir als Ausländer den riesigen Inlandsmarkt besser anzapfen.“ Zegna sagt, der technische Standard sei hoch bei Arbeitskosten, die nur 5 % der italienischen betrage. Er plant, Anzüge von Shar Moon zum halben Preis derer aus der Zegna-Kollektion zu verkaufen.

Mit seiner Strategie steht das nicht an der Börse notierte Familienunternehmen, das im vergangenen Jahr weltweit 600 Mill. Euro umgesetzt hat, allein da. In der Regel herrschen gerade bei den Luxusgüterherstellern Bedenken vor, die Chinesen könnten bei industriellen Partnerschaften massiv beginnen zu kopieren. Dem hält Zegna entgegen, dass die Chinesen bei den Produktionsprozessen noch Nachholbedarf hätten, um die Standards eines italienischen Unternehmens zu erreichen. „Außerdem muss man sich rechtlich vor Fälschungen und Kopien schützen. Wir haben eine Abteilung, die sich ausschließlich um diese Problematik kümmert.“

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