ITB
Der Tourismus von morgen

Was wird den Touristen im Jahr 2006 an Neuerungen geboten? Welche Trends lassen sich für das Reisejahr 2006 erkennen? Zwölf Studierende von der Universität Regensburg haben sich auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) vom 8. bis 12. März in Berlin auf die Suche nach Innovationen und Trends in der Branche gemacht – und sind fünfig geworden.

HB DÜSSELDORF. In dem gemeinsam von Prof. Dr. Jürgen Schmude von der Universität Regensburg und Dr. Wolfgang Isenberg von der Thomas-Morus-Akademie angeleiteten Workshop analysierten die Studierenden die vielfältigen Dokumente der Aussteller, führten Expertengespräche mit Reiseveranstaltern und Vertretern der touristischen Destinationen, besuchten Pressekonferenzen und Events und interviewten zahlreiche Aussteller der Messe.

Touristische Produkte, die als Basis-Innovationen anzusehen sind und auf völlig neuen Konzepten beruhen, sind dieses Jahr auf der ITB nicht zu finden. Die aktuellen Entwicklungen lassen sich unter fünf Aspekten zusammenfassen:

  • Die Thematisierung touristischer Produkte gewinnt weiter an Bedeutung: Bereits in der jüngeren Vergangenheit sich abzeichnende Entwicklungen erfahren eine neue Dynamik. Die Methode der Thematisierung wird verstärkt genutzt. Zum einen erhält „Bewegung“ verschiedene Themen: Ob Autofahrer, Wanderer, Radfahrer, Reiter oder Motorradfahrer – das Themenspektrum reicht vom Sagenweg über Klosterrouten bis hin zum Sirona-Weg auf keltisch-römischen Spuren. Dabei ist eine zunehmende thematische Differenzierung zu beobachten: Rundgänge beziehen sich zum Beispiel allein auf die „Spuren Kaspar Hausers“ (Ansbach), Architekturreisen beispielsweise exklusiv auf Henry van de Velde (Thüringen und Sachsen). Zum anderen werden touristische Produkte thematisch aufgeladen: Der Ferienaufenthalt für Kinder in Bodenmais wird zum Camp der wilden Kerle, die Sommerferien in der Lüneburger Heide werden zum Mickey-Maus-Camp im Fort Entenhausen.
  • Die Technisierung des Tourismus nimmt weiter zu: Neben der Thematisierung findet eine Technisierung Eingang in viele touristische Produkte. Einen zusätzlichen Komfort beim Wandern und Radfahren sollen die Führung durch GPS und die Tourenplanung im Internet bieten; Stadtführungen werden zukünftig verstärkt mit iGuides angeboten (heute bereits in Erfurt, Leipzig, Köln oder Weimar). Auch die Kopplung touristischer Kernleistungen mit anderen Aktivitäten ist zu beobachten: Billigflüge und Party (z.B. „Party Time Berlin Tallinn“) oder Kulinarik und Kultur (Belle et Fou in Berlin oder Merlins Wunderland in Dresden) sind Ausdruck dieser neuen Kombinationstendenz.
  • Der touristischer Grundnutzen wird oft mit einem Zusatznutzen gekoppelt: Auch im Marketing spiegeln sich die Tendenzen zur Kombination wider: Werbliche Kommunikation verbindet Reisen mit Shopping. Nahezu alle europäischen Metropolen werden speziell von den Low Cost Carriern als Shopping-Destinationen präsentiert. Im Rahmen spezieller Aktionen werden auch Ziele wie Dubai (Dubai Shopping Festival) oder New York (Christmas Shopping) durch Fluglinien zum Einkaufen angesteuert.
  • Das Angebot von Edutainment-Welten und Brandlands wird weiter ausgebaut: Einrichtungen mit einem Edutainment-Angebot und die als Brandlands angelegten Erlebniswelten sind eindrucksvolle Beispiele für den Ausbau und die Filialisierung bereits etablierter Trends im Freizeit- und Tourismusangebot. So werden die norddeutschen Sturmfluten im „Blanken Hans“ in Büsum inszeniert, im Phaeno in Wolfsburg werden naturwissenschaftliche Phänomene anschaulich gemacht und im Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven erlebt der Besucher die Migration nach Nordamerika zwischen 1830 und 1974. Die „Welt von Steiff“ wird in Giengen/Brenz in einem Museum mit Erlebnischarakter und Schaufertigung für die ganze Familie erschaffen. Bekanntester Vertreter für die Filialisierung von Erlebniswelten in Deutschland ist der „Botschafter der Meere“ Sea Life mit Standorten am Timmendorfer Strand, in Dresden, Speyer, Königswinter oder ab April 2006 in München.
  • Religion und Spiritualität sind Reisemotive mit steigender Bedeutung: Im Gegensatz zur Verstärkung bereits seit längerer Zeit bestehender Angebote sind „neue“ touristische Produkte vor allem in Nischenbereichen zu finden. Sie wenden sich u.a. Inhalten wie der sakralen Architektur zu (zum Beispiel Zisterzienserbaukunst in Polen oder Backsteingotik), greifen spirituelle Aspekte auf (etwa Wege des Glaubens auf Kreta) und setzen sich mit Fragen des Lebenssinns und Glaubens auseinander (beispielsweise spirituelle Reisen in die judäische Wüste oder der Kapellenweg im Rothauser Land/Schwarzwald).
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