Jacques Saadé
Wie ein Reeder die Banken ausmanövrierte

Ein Jahr lang drängten die Gläubiger Jacques Saadé, bei CMA CGM einen Investor ins Haus zu holen. Nun erwirbt der türkische Mischkonzern Yildirim für 500 Millionen Euro 20 Prozent an der drittgrößten Reederei der Welt, Chef bleibt aber weiterhin Saadé.
  • 0

DÜSSELDORF. Jacques Saadé konnte es nicht ertragen. Ein Fremder, der in seinem Unternehmen das Sagen hat? Undenkbar.

Ein Jahr lang drängten die Gläubiger den Chef der drittgrößten Reederei der Welt, CMA CGM, einen Investor ins Haus zu holen. Ein Jahr lang sträubte sich Saadé - nun erwirbt der türkische Mischkonzern Yildirim für 500 Millionen Euro 20 Prozent an CMA CGM. Doch der neue Geldgeber stellte sogleich klar, wer künftig das Sagen hat: Jacques Saadé. Der Selfmade-Milliardär ist es eben gewohnt, allein zu bestimmen.

Der heute 72-Jährige stammt aus dem Libanon, 1978 flüchtet er vor dem Bürgerkrieg nach Marseille. Dort gründet er die Reederei CMA (Compagnie Maritime d?Affrèttement), die anfangs nur aus einem Schiff besteht. Heute sind es 390 - vor allem riesige Containerfrachter. In den ersten neun Monaten 2010 machte CMA CGM 10,5 Milliarden Euro Umsatz. Nur noch die dänische Maersk und MCS aus der Schweiz liegen vor ihm, Hapag-Lloyd hat er bereits überholt.

Saadé hat den richtigen Riecher, er wittert schon in den 80er-Jahren den Aufstieg Chinas. 1996 übernimmt er zudem die staatliche Gesellschaft CGM. Das Unternehmen wächst - bis zum Herbst 2008. Nach der Lehman-Pleite bremst der Welthandel abrupt, doch Saadé erkennt die Dimension der Krise nicht. Er ordert weiter Schiffe, obwohl der Umsatz 2008 um ein Drittel einbricht. Die Überschuldung droht.

Die Banken wollen ihn zwingen, Macht abzugeben. Aber der Patriarch spielt auf Zeit - und der anziehende Welthandel stärkt CMA CGM. Fremdes Geld braucht er zwar immer noch. Mit dem Undenkbaren muss er sich aber nicht arrangieren.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

Kommentare zu " Jacques Saadé: Wie ein Reeder die Banken ausmanövrierte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%