Jagd auf Businesskunden
Ryanair lädt zum Gratis-Kaffee

Ryanair-Chef Michael O’Leary gefiel sich lange als Rüpel der Luftfahrtbranche. Nun will der Ire das Image seines Billigfliegers umkrempeln – und auch mehr Geschäftskunden für sich gewinnen.
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LondonAn Bord der Ryanair-Maschinen gibt es nichts geschenkt. Ryanair-Chef Michael O'Leary dachte sogar darüber nach, Geld für die Benutzung der Flugzeugtoilette zu verlangen. Als er vor einigen Monaten im Interview mit dem Handelsblatt gefragt wurde, ob es irgendwann einmal Gratis-Kaffee an Bord der Ryanair-Flieger geben könnte, war seine Antwort eindeutig: „Warum sollte es irgendwas umsonst geben?“

Die Antwort: Weil Ryanair dringend neue Passagiere braucht. Um den angepeilten Wachstumskurs fortzusetzen, hat es Ryanair nun verstärkt auf die Geschäftskunden abgesehen. Schon heute ist jeder vierte Ryanair-Kunde geschäftlich mit dem Billigflieger unterwegs. Bald sollen schnelleres Boarding, reservierbare Sitzplätze, mehr Beinfreiheit und ein Gratis-Kaffee im Paket buchbar sein. Damit sollen Kunden angelockt werden, die Ryanair derzeit noch meiden. Auch die Buchung mit American Express soll künftig gebührenfrei sein.

Neue Geschäftskunden hat Ryanair nötig, denn die Billigairline ist derzeit auf massives Wachstum gepolt. Allein vom Flughafen London-Stansted, der Ryanair-Zentrale, sollen bald 20 Millionen Passagiere abfliegen. Ansonsten droht den Iren der Verlust ihrer Rabatte auf Start- und Landegebühren. Bis 2018 will Ryanair die Flotte mit 175 neuen Boeing 737 Maschinen aufrüsten. Plätze, die gefüllt werden müssen.

Zusätzlich muss Ryanair sich gegen starke Konkurrenz behaupten: Konkurrent Easyjet will eine neue Basis in Hamburg errichten. Und auch die Flotte der Germanwings ist durch die Integration des Europageschäfts der Lufthansa massiv gewachsen.

Der Flirt mit den Geschäftskunden ist der nächste Schritt in einer Charmeoffensive, die Ryanair-Boss O’Leary auf der letzten Aktionärsversammlung ausgerufen hatte: „Wir sollten versuchen, Dinge zu unterlassen, die Kunden unnötig verärgern.“ Die Gesellschaft werde künftig mehr Nachsicht bei Extragebühren für Übergepäck walten lassen und die Kommunikationsstrategie mit den Kunden überarbeiten.

Bisher kam es eher selten vor, einen Ryanair-Manager in einem selbstkritischen Moment zu erwischen. Die Billig-Airline war dafür bekannt, jede Kritik mit einem bissigen Kommentar vom Tisch zu wischen. Aufmüpfigen Piloten empfahl Ryanair-Chef O’Leary zuletzt, sie mögen „zur Hölle fahren“, und als Ryanair beim Kundenzufriedenheitsranking eines britischen Verbrauchermagazins auf dem letzten Platz landete, vermutete das Unternehmen, dass auch „Hamster, Rennmäuse und Goldfische“ abgestimmt hätten.

Umso defensiver fällt der Auftritt von Ryanair-Finanzchef Howard Miller bei der Vorstellung der neuen Geschäftskundenstrategie aus. Miller reagiert betroffen, als er auf den Fall eines Mannes angesprochen wird, dem 160 Pfund berechnet wurden, weil er einen Flug umbuchen wollte, nachdem seine Frau und sein Kind ums Leben gekommen waren. „Wir haben’s verbockt“, sagt er. Die Gebühr habe man dem Mann selbstverständlich erlassen.

Die irische Charmeoffensive hat ihren Grund: Die Iren mussten zuletzt ihre Gewinnprognose kassieren. Im ersten Geschäftsquartal (bis Ende Juni) war der Gewinn von Ryanair bereits um 21 Prozent auf 78 Millionen Euro zurückgegangen. Um weiter zu wachsen, setzt Ryanair auch auf eine neue Online-Strategie. Der Internetauftritt soll Ende November überarbeitet werden. Auch die mobile App von Ryanair, die bisher drei Euro kostete, soll künftig kostenlos sein. Seit dem 17. September twittert die Airline auch. Der erste Tweet weist mit einem Augenzwinkern darauf hin, dass für Follower keine Gebühren anfallen.

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  • Air Berlin ist alles andere als preiswert, die sind im Vergleich zu Ryanair teilweise 3x so teuer bei Flügen z.B. nach Teneriffa, selbst überprüft bei der letzten Buchung.

  • Air Berlin als "Low Cost" - Airline zuu bezeichnen, ist falsch. Aus meiner Sicht ist das Ding eher die Fliegende Apotheke, was die Preise angeht.

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