Jahresbilanz des Staatskonzerns Bahnchef Lutz verteidigt Millionen-Abfindung für seinen Vorgänger

Nach einem Jahr als Bahnchef legt Richard Lutz eine gemischte Bilanz vor: Gewinn und Umsatz steigen, bei der Pünktlichkeit geht es abwärts.
Update: 22.03.2018 - 13:05 Uhr 7 Kommentare
Bahn-Chef Richard Lutz verteidigt Abfindung für Rüdiger Grube Quelle: dpa
Richard Lutz

Die Bilanz des Bahnchefs ist nach einem Jahr an der Spitze gemischt.

(Foto: dpa)

BerlinDie Deutsche Bahn will sich wegen unangemessener Abfindungen für ehemalige Manager offensichtlich keinem erneuten Sturm der Entrüstung aussetzen. Werner Gatzer, ehemaliger Staatssekretär im Finanzministerium, ist nach wenigen Monaten als Vorstand der Bahn-Tochter Station & Service auf seinen alten Ministeriumsposten zurückgekehrt. Und erhält „keine Abfindung“, wie Bahnvorstand Ronald Pofalla auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Berlin versichert. Gatzer scheide zum 31. März aus den Diensten der Bahn „auf eigenen Wunsch“ aus, sagte Bahnchef Richard Lutz.

Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass der langjährige Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube zum Abschied insgesamt gut 2,3 Millionen Euro bekam. Dazu kommen weitere 870.000 Euro Zuweisungen zu Grubes Pensionsvorsorge durch den Bahnkonzern.

Damit war Grube bestbezahlter Bahn-Manager im vergangenen Geschäftsjahr, obwohl er selbst nach einem Streit um seine Vertragsverlängerung Ende Januar gekündigt hatte. Zum Vergleich: Grubes Nachfolger Richard Lutz kassiert für 2017 nur 1,9 Millionen Euro. Lutz verteidigte das üppige Abschiedsgeld Grubes aber auf Nachfrage mit „vertraglichen Verpflichtungen“.

Lutz legte für das erste Jahr als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn eine gemischte Bilanz vor. Trotz den weiter bestehenden Problemen mit der Pünktlichkeit sind im vorigen Jahr so viele Menschen wie nie zuvor mit Fernzügen der Bahn gefahren. Der bundeseigene Konzern zählte rund 142 Millionen Fahrgäste, 2,3 Prozent mehr als 2016.

Die Bahn erzielte einen Rekordumsatz von 42,7 Milliarden Euro (plus 5,2 Prozent) und legte auch beim Gewinn auf 2,1 Milliarden Euro (plus elf Prozent) zu. „2017 war wirtschaftlich ein gutes Jahr für die Bahn“, sagte Lutz.

Treiber des Geschäfts waren neben dem Fernverkehr die Auslandssparten DB Arriva und DB Schenker, die mittlerweile fast die Hälfte des Umsatzes machen. Lutz hält auch die Internationalisierungsstrategie der Bahn weiterhin für richtig.

Bei der Pünktlichkeit im Fernverkehr verfehlte Bahn ihr Ziel erneut und erreichte nur 78,5 Prozent. „Das ärgert uns“, sagte Lutz, denn Ziel sei „ein Sprung nach oben“ gewesen. In diesem Jahr hat sich der Bahnvorstand erneut die Zielmarke von 82 Prozent vorgelegt.

Die ersten beiden Monate deuten aber darauf hin, dass es wieder einmal nichts werden könnte. Denn die verspätungsintensiven Sommermonate, in denen besonders viel gebaut wird an den Strecken, stehen noch bevor.

Großbaustelle für Lutz bleibt auch weiterhin die Güterbahn DB Cargo. Die machte entgegen den Planungen von 180 Millionen Euro Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr 90 Millionen Euro Verlust. Dazu trug nach Unternehmensangaben auch die Havarie auf der Rheintalstrecke in Rastatt bei.

Lutz peilt für dieses Jahr eine „schwarze Null an“. Der 2016 mit den Betriebsräten vereinbarte Sanierungsplan war erst einmal gestoppt worden. Statt Stellenstreichungen sind nur Einstellungen geplant. Erschwert wird die Sanierung allerdings durch den permanenten Wechsel an der Spitze von DB Cargo. Drei Vorstandschefs gaben sich in wenigen Jahren die Klinke in die Hand.

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7 Kommentare zu "Jahresbilanz des Staatskonzerns: Bahnchef Lutz verteidigt Millionen-Abfindung für seinen Vorgänger"

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  • Könnte Herr Lutz die Millionenabfindung seines Vorgängers vielleicht nur deshalb verteidigen, um damit auch seine (spätere) Millionenabfindung zu rechtfertigen?

    Bezüglich Pünktlichkeit sollte sich die Deutsche Banh einmal an Japan ein Vorbild nehmen. Kommt da ein Zug auch nur eine Minute zu spät, was äußerst selten ist, hagelt es gleich massenweise Entschuldigungen bei den wartenden Passagieren!

  • Anstatt in überbezahlte "AbKassierer" zu investieren sollte die Bahn mehr in die Infrastruktur und in das Schienennetz investieren bzw die Netz AG.
    Die Bahn könnte wesentlich mehr Verkehre auf die Schiene verlagern wenn die verantwortlichen Politiker endlich mehr investieren, vor allem die rollende Landstarsse würde Autobahnen entlasten und Emissionen redutzieren
    Weder rot grün noch die Groko waren dazu bisher ernsthaft mal in der Lage- Länder wie die Schweiz Österreich und Norwegen leben es heute schon vor

  • Seit etwa acht Jahren habe ich, nach einschlägigen Erfahrungen, keinen Zug mehr betreten.
    Ich kenne noch die Bundesbahn, für die das Wetter überhaupt kein Grund für Unpünktlichkeit war, geschweige denn für Zugausfälle.
    Aus Ländern wie der Schweiz oder Japan hört man nur das Allerbeste über den dortigen Schienenverkehr. Aber das sind auch schließlich keine Länder die sich, wie Deutschland, in der Selbstauflösung befinden.

    Zurück zur Bundesbahn, wäre die Lösung für den gescheiterten "Börsenkandidaten" Deutsche Bahn.

  • Herr Kurt Siegel
    22.03.2018, 13:28 Uhr
    Für eine ordentliche Bezahlung hat die Bahn angeblich kein Geld, daher permanente Personalknappheit, aber die Oberen machen sich die Taschen voll; pfui Teufel.

    ........................

    Warum Pfui Teufel ?

    Der Teufel will sich vielleicht bei der Bahn noch bewerben weil er als Teufel nicht so viel verdient wie nach eine eventuelle Abfindung der Bahn dann !

  • JAHRESBILANZ DES STAATSKONZERNS
    Bahnchef Lutz verteidigt Millionen-Abfindung für seinen Vorgänger

    ..........................

    Leuchtet uns alle deutlich ein :

    WER AN SEINE VORGÄNGER DIE ABFINDUNG ALS ZU HOCH EINSTUFT, wird später selbst mit eine kleinere Abfindung abgefunden werden !

    Warum dann am Ast absägen auf dem man noch selber sitzt ?????


  • Für eine ordentliche Bezahlung hat die Bahn angeblich kein Geld, daher permanente Personalknappheit, aber die Oberen machen sich die Taschen voll; pfui Teufel.

  • Die Bahnangestellten tun mir wirklich leid; sie müssen den Frust der Kunden austragen, der letztlich daher rührt, daß nicht in das System Schiene investiert wird. "Die Regierung fährt das Land auf Verschleiss" so hat es Nikolaus Stihl vor Jahren im Handelsblatt formuliert.

    Der Kundenservice der Bahn ist weiterhin unter alle Kanone: Mein IC fällt aus, ich darf den überfüllten RE nehmen, komme verspätet an, ohne irgendeine Kompensation. Hier sollte die DB sofort die 1.Klasse im RE anbieten. Noch schlimmer der Fall eines komplett stecken gebliebenen ICs, dessen Weiterfahrt vollkommen unsicher war: Die Bahn hat nicht einen Euro vom teuren Taxi übernommen, um am Flughafen noch auf den letzten Drücker ankommen zu können.

    Wenn ein bisschen Frost (wie letzte Woche) das System Schiene lahm legt, dann ist dieses System Unsinn. Fahren Sie lieber Flixbus, extrem komfortabel, vor allem extrem preiswert allerdings ein bisschen langsam, aber der Preis kompensiert alles. Bahn=teuer, unzuverlässig, unkomfortabel. Ich wünsche der DB die sofortige Pleite, danach kommt vielleicht etwas Vernünftigeres.



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