Jahresbilanz
Deutsche setzen immer mehr auf Drogeriemärkte

Preiskampf und Kundenschwund hinterlassen ihre Spuren: Trotz Krise und knapper Kassen haben ausgerechnet Billiganbieter wie Aldi und Lidl in diesem Jahr Umsatz und Kunden verloren. Laut der Marktforschungsgesellschaft GfK liegen die Umsätze der Discounter in den ersten zehn Monaten des Jahres um rund ein Prozent unter denen des Vorjahres.
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HB DÜSSELDORF. Ursache für den Schwund sind demnach nicht allein die drastischen Preissenkungen der vergangenen Monate, sondern auch „Einbußen in der Kundenfrequenz“. Vor allem die Angebote außerhalb des Lebensmittelbereichs lockten immer weniger Konsumenten an. Beide Discounter haben sich den Preiskampf in diesem Jahr zudem einiges kosten lassen. Zumindest bei Aldi scheint der Spielraum da. Denn die ersten veröffentlichten Bilanzen der Regionalgesellschaften für 2008 wiesen hervorragende Renditen auf.

Gewinner sind in diesem Jahr erneut die Drogeriemärkte. Ihr Umsatz stieg von Januar bis Oktober laut GfK um mehr als zwei Prozent. So wird beispielsweise Rossmann – bereits von Platz 31 auf 27 in diesem Jahr geklettert – im Krisenjahr erneut zulegen und voraussichtlich die vier Mrd. Euro Umsatzmarke knacken. „Wir sind positiv überrascht“, sagte Dirk Roßmann, Chef und Inhaber der Drogeriemarktkette der „Lebensmittelzeitung“. „Das Geschäftsjahr 2009 wird unser bestes überhaupt werden.“ Das Wachstum in Deutschland sei bis Dezember knapp zweistellig ausgefallen. Dazu beigetragen haben auch 120 neue und 25 erweiterte Märkte, insbesondere durch die Übernahme des norddeutschen Konkurrenten Kloppenburg. Aber auch um diese neuen Flächen bereinigt stieg der Umsatz deutlich an.

Rossmann betreibt 2 220 Filialen, davon 700 im Ausland. „Unsere Gewinne wachsen ebenfalls“, sagte Roßmann, ohne aber Details zu nennen. Die Eigenkapitalquote wird mit 32,6 Prozent angegeben. Der Hongkonger Geschäftsmann Li Ka-shing ist nach dem Einstieg seiner Unternehmensgruppe Hutchison Whampoa über die Einzelhandels-Tochtergesellschaft A.S. Watson mit 40 Prozent beteiligt.

Schlecker ist mit rund 10 000 deutschen Filialen Marktführer unter den Drogerieketten, gefolgt von DM Drogerie Markt und Rossmann. Doch die häufig engen, zugestellten Verkaufsflächen haben viele Kunden von Schlecker zu den Konkurrenten getrieben. Familienunternehmer Anton Schlecker setzt daher neuerdings auf „XL-Märkte“ und macht die kleinen Läden dicht. Gegen den rüden Umgang mit den betroffenen Mitarbeitern, denen erst gekündigt und dann ein neuer Vertrag über eine Zeitarbeitsfirma angeboten wird, läuft die Gewerkschaft Verdi Sturm.

Zu den ärgsten Verfolgern des Trios gehört der Ulmer Drogeriemarktunternehmer Erwin Müller. Er baut gerade seine Beteiligung an der Parfümeriekette Douglas aus. „Douglas ist mein zweites Standbein“, sagte der Milliardär kürzlich. Müller will im laufenden Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von sechs bis acht Prozent auf dann 2,8 Mrd. Euro erreichen. DM hat aufgrund des gebrochenen Geschäftsjahres (30.9.) erst im Herbst Zahlen vorgelegt, ist aber mit einem Umsatzplus um über zehn Prozent auch auf Wachstumskurs.

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