Jamie Oliver und Hello Fresh
Ein Koch-Star soll Samwers Sorgenkind aufpäppeln

Starkoch Jamie Oliver und Hello Fresh machen gemeinsame Sache. Künftig liegen den Kochboxen des Start-ups auch Rezepte des Goldjungen bei. Das Unternehmen aus der Rocket-Schmiede kann gute Nachrichten gebrauchen.

LondonDie Küche im ersten Stock des Londoner Westland Place, direkt über seinem Restaurant Fifteen, ist so etwas wie das heimliche Versuchslabor von Jamie Oliver. Hier experimentiert der britische Starkoch an neuen Speisenfolgen und brütet neue Rezepte aus. Doch an diesem Abend geht es dem Hausherrn, der wie immer Jeans und Baumwollhemd trägt, nicht um das Herumtüfteln an einem neuen Menü. Es geht um deutlich mehr: Jamie experimentiert mit einer neuen Partnerschaft.

So steht neben dem 40-Jährigen Fernsehkoch der Deutsche Dominik Richter, Gründer und Co-Chef des Berliner Startups Hello Fresh, der seinen Stolz kaum verbergen kann. Denn der Kochbox-Anbieter aus der Berliner Start-up-Fabrik von Rocket Internet ist etwas gelungen, was viele andere Lebensmitteldienste vergeblich versucht haben: Er hat sich Oliver als neuen Partner geangelt. Ab diesem Jahr findet sich jede Woche eines von Jamies Rezepten in der Hello Fresh Kochbox und kann mithilfe der mitgelieferten Zutaten nachgekocht werden.

Für Richter, der an diesem Abend eines der Essen aus der Hello-Fresh-Box zusammen mit Oliver nachkocht, ist das ein wichtiger Prestigeerfolg. Denn Jamie Oliver ist nicht irgendein Koch. Der Sohn eines Pub-Betreibers aus der englischen Grafschaft Essex ist der derzeit wohl der erfolgreichste Koch-Popstar der Welt und ein internationales Medienphänomen.

Im Pub seiner Eltern stand er schon mit acht Jahren in der Küche, dann zog es ihn als Teenager nach London zur Ausbildung zum Koch. Mit Anfang 20 wird er bei einer Dokumentation über eine Restaurantküche, in der er arbeitete, entdeckt. Der Beginn einer Weltkarriere: Seine BBC-Show „The Naked Chef“, die ab 1999 lief, feierte schnell internationalen Erfolg und traf einen Nerv. Kochen war bis dato kaum ein Thema, das ein breites Publikum vor die Bildschirme lockte. Der junge Jamie Oliver änderte das und läutete damit einen Trend ein, der bis heute anhält.

Richter kann gute Nachrichten durchaus gebrauchen. Denn das Berliner Start-up war in den vergangenen Wochen unfreiwillig durchaus in Turbulenzen geraten. Eigentlich hatte Rocket-Boss Oliver Samwer gehofft, mit einem Börsengang von Hello Fresh die große Kehrtwende zu starten. Der Kochboxen-Versender ist aktuell die vielversprechendste Mehrheitsbeteiligung.

Doch Samwer wollte zu viel für das Unternehmen – und musste den Börsengang Ende des vergangenen Jahres auf Eis legen. Zu groß war offenbar die Gefahr, dass Investoren ob der üppigen milliardenschweren Bewertung für Hello Fresh abwinken und den Börsengang in ein Desaster verwandeln. Es ist ein unangenehmes Thema, das Richter lieber ausklammen möchte.

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Der Markt birgt noch viel Potenzial

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