„Je Suis Charlie“
US-Firma beansprucht Slogan für sich

Das Unternehmen hat beim US-Patentamt einen Antrag gestellt, um sich den Slogan „Je Suis Charlie“ als Marke schützen lassen. Es ist nicht der erste Versuch, mit der Solidaritätsbekundung Geld zu verdienen.
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Aventura/Paris/New YorkEine US-Firma will vom Slogan „Je Suis Charlie“ profitieren. Die Latin American Trading Group mit Sitz in Florida stellte einen Antrag beim US-Patentamt, um sich den nach den Terroranschlägen von Paris bekanntgewordenen Satz markenrechtlich schützen zu lassen, wie die Nachrichtenagentur AP am Freitag erfuhr. Der Slogan soll demnach auf einer Reihe verschiedener Produkte verwendet werden.

Markenrechtsanwalt David Friedland gab dem bereits am 16. Januar gestellten Antrag allerdings wenig Chancen auf Erfolg. Dafür müsse man nachweisen können, dass man der Urheber eines Spruches sei, sagte er der AP. Der Direktor des Unternehmens war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Latin American Trading Group ist nicht das erste Unternehmen, das versucht, aus dem Terroranschlag und der anschließenden weltweiten Solidaritätswelle Kapital zu schlagen. Schon kurz nach den ersten Protestmärschen gab es bei Amazon und dem T-Shirt-Hersteller Spreadshirt T-Shirts mit dem Slogan zu kaufen. Andere Online-Shops verkauften Anstecker oder Armbänder mit dem Spruch.

Radikale Islamisten hatten die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ am 7. Januar angegriffen und zwölf Menschen getötet. Der Satz „Je Suis Charlie“ wurde bereits in den Stunden darauf in Online-Netzwerken zur Parole des Widerstandes und der Solidarität mit den Opfern.

700.000 Exemplare fürs Ausland bestimmt

Die nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ veröffentlichte Ausgabe der französischen Satirezeitung wird eine Auflage von mehr als sieben Millionen Exemplaren erreichen. Dies gab am Freitagabend der Vertrieb MLP in Paris bekannt. Rund 6,3 Millionen Zeitschriften seien innerhalb Frankreichs ausgeliefert worden, 700.000 weitere seien für das Ausland bestimmt. In Deutschland sollten seit Freitag laut einer Sprecherin des Deutschen Pressevertriebs (DPV) bei Gruner + Jahr sollten weitere 50.000 Exemplare zu kaufen sein.

Der Druck der Zeitschrift werde weiter fortgesetzt, erklärte MLP. Das siebenmillionste Exemplar werde am Samstagabend ausgeliefert. Wie hoch letztlich die Gesamtauflage sein wird, werde erst in einigen Wochen feststehen. Vor dem islamistischen Anschlag auf „Charlie Hebdo“ mit zwölf Toten hatte die Auflage des Satireblattes in der Regel bei 60.000 Exemplaren gelegen.

Die Überlebenden der Redaktion hatten die neue Ausgabe trotz des blutigen Anschlags erarbeitet. Auf der Titelseite ist eine Mohammed-Karikatur abgedruckt, was neue heftige Proteste in der muslimischen Welt auslöste. Auch am Freitag gingen in verschiedenen Ländern zehntausende Menschen auf die Straße, unter anderem im Iran, in Afghanistan, Pakistan und Indien. Bilder des Propheten Mohammed werden von vielen Muslimen als Blasphemie verurteilt.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Michael Stahl berichtet für Handelsblatt Live und Online aus New York.
Michael Stahl
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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