Jet Airways übernimmt Sahara Airlines: In Indien entsteht ein neuer Luftfahrtriese

Jet Airways übernimmt Sahara Airlines
In Indien entsteht ein neuer Luftfahrtriese

Auf Indiens stark wachsendem Luftverkehrsmarkt hat die Konsolidierung begonnen: Gestern übernahm Marktführer Jet Airways die Nummer drei der Branche, Sahara Airlines, für 500 Mill. Dollar. Damit entsteht ein neuer Luftfahrtriese in dem Land: Jet kann den Marktanteil von 37 Prozent auf über die Hälfte steigern. Zudem erhält die Fluggesellschaft neue Auslandsrouten.

HB NEU DELHI. Außer den staatlichen Anbietern Air India und Indian Airlines haben nur Jet und Sahara das Recht, international zu fliegen. Jet hatte seine Routen nach Europa und Südostasien 2005 stark ausgebaut und wurde zum Wettbewerber der Lufthansa, dem derzeit größten europäischen Anbieter von Flügen nach Indien.

Auf ihrem Binnenmarkt geraten Premium-Anbieter wie Jet aber zunehmend unter Druck durch die rasant zunehmende Zahl von Billigfluglinien. Analysten sehen die Übernahme Saharas als Versuch, der Preiserosion zu begegnen. Allein 2005 gingen fünf Anbieter an den Start: Spicejet, Kingfisher Airlines, Paramount, Go Air und Air India Express. Dieses Jahr kommen Indi Go, Magic Air, Air One, Indus Air und Premier dazu, und ein halbes Dutzend weiterer Billigflieger wartet auf Genehmigungen.

Die Neulinge haben das Gros der 400 Flugzeuge bestellt, mit denen Indien über Nacht zum Großkunden von Airbus und Boeing wurde. „Das ist eine unglaubliche Zahl wenn man bedenkt, dass das Land zur Zeit erst 200 über Maschinen verfügt“, sagt Kapil Kaul vom Center for Asia Pacific Aviation (Capa). Airbus hat sein Verkaufsziel für den indischen Markt inzwischen von 40 Mrd. Dollar bis zum Jahr 2023 auf 80 Mrd. Dollar verdoppelt. 2005 expandierte Indiens Flugmarkt um 24 Prozent. Kaul zufolge soll dieses Tempo bis 2010 anhalten. Billiganbieter sollen dann jeden zweiten Fluggast transportieren. Sie werben zunehmend Passagiere von Indiens rückständigem Eisenbahnnetz ab.

Das durch Deregulierung angefachte Wachstum überfordert auch die Infrastruktur des Landes. Lange Verspätungen sind die Norm, und an den maroden Flugsteigen in Bombay und Delhi drängen sich Menschenmassen wie in einem Busbahnhof. Fluglinien leiden unter einem eklatanten Mangel an Landeslots, Parkbuchten und Technikern und stellen aus der Not ausländische Piloten an. Der Zugang zu Fachpersonal und Nutzungsrechten wie Landeslots gilt als wichtiger Grund für die Übernahme von Sahara durch Jet.

Dem Verlust von Marktanteilen begegnen die staatlichen Airlines mit der Modernisierung ihrer Flotten: Air India kauft 68 Großraum-Boeings für Auslandsrouten, Indian Airlines 43 kleinere Airbus-Jets für den Binnenmarkt. Zur Finanzierung sollen beide in den kommenden Monaten an die Börse gebracht werden, ebenso wie Air Deccan, Marktführer unter den Billigfliegern, und Kingfisher. Die Fluglinie des Brauerei-Magnaten Vijay Mallya will ihre Flotte bis 2010 von sieben auf 84 Flieger vergrößern.

Trotz der chaotischen Situation an Indiens Flughäfen hängt die Privatisierung der beiden wichtigsten Airports in der Schwebe. In einem Konsortium mit dem lokalen Partner GMR hat Fraport gerade den technischen Teil des Bieterverfahrens für die Flughäfen in Delhi und Bombay gewonnen. Nachdem ein Prüfkommittee dem Zweitplatzierten Reliance Unregelmäßigkeiten nachgewiesen hat, erfüllt aber kein anderer mehr die technischen Voraussetzungen für ein Gebot. Aus Wettbewerbsgründen erwägt die Regierung nun eine komplett neue Ausschreibung. Das würde den seit sieben Jahren aufgeschobenen Ausbau der Flughäfen weiter verzögern.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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