Jette Joop bei Aldi
Designermode zwischen Apfelschorle und Klopapier

Ein Laufsteg zwischen Supermarktregalen: Jette Joop zeigt bei einer Modenschau in einer Düsseldorfer Filiale ihre Kollektion für Aldi Süd. Mit dabei: Ausgewählte Kunden – und eine Topmodel-Kandidatin.

DüsseldorfDie dunkelblonde Mitvierzigerin ist begeistert. „Ich bin schon ewig Aldi-Kundin“, schwärmt Monika Voßkämper. „Ich habe mich riesig gefreut, dass ich zwei Eintrittskarten gewonnen habe und zum ersten mal eine Modenschau live erleben kann“, sagt Voßkämper.

Die Mönchengladbacherin gehört zu den 250 Gästen, die zu einem besonderen Ereignis eingeladen wurden: zur ersten Modenschau von Aldi Süd. Sie fand am Dienstagabend nicht in irgendeinem Saal oder Industrieloft statt, sondern in einer normalen Filiale an der kleinen Königsallee. Das ist die kurze, weniger glamouröse Verlängerung der berühmten Einkaufsstraße, auf der sich die Luxuslabels in Düsseldorf tummeln.

Zehn Models laufen über den mit einer weißen Kunststoffbahn abgeklebten orangenfarbenen Aldi-Fliesenboden und zeigen die von Jette Joop speziell für den Discounter entworfene Kollektion: 27 schlichte Hosen, Kleider, Jumpsuits und Tops in Pastelltönen sowie schwarz und weiß. Statt Stöckelschuhen tragen die Models sportliche weiße oder schwarze Sneaker – oder luftige Sandalen.

Jette Joop kommt nach der knapp der 30-minütigen Show auf den Laufsteg und ist sichtlich erleichtert. Sie gibt offen zu, dass sie vorher Angst gehabt habe, ob alles klappt und wie die Kollektion bei den Premierengästen ankommt. Um so glücklicher ist sie über den Applaus und ein paar Jubelrufe am Schluss.

Die Arbeit für Aldi sei einer der härtesten Jobs in ihrer Karriere gewesen, die Anforderungen enorm hoch, bekennt Joop. „Bei den unfassbaren Stückzahlen in denen so eine Kollektion produziert wird, hast du eine riesige Verantwortung“, gibt sie zu bedenken. Denn wenn ein Teil bei den Kundinnen nicht ankommt, bleiben gleich tausende Stücke liegen.

Und der Discounter ist ein sehr anspruchsvoller Kunde. Aldi Süd gehört zu den zehn größten Textilhändlern Deutschlands und versucht sich mit eigenen Marken wie der Wäschemarke Skin to Skin, der Übergrößenlinie Giada oder der modischeren Blue Motion zu profilieren.

Mode ist derzeit in Deutschland ein schwieriges Geschäft. Schließlich haben zwei milde Winter viele Jacken zu Ladenhütern gemacht und so eine lange und heftige Rabattschlacht im Einzelhandel ausgelöst. Viele Modefirmen von Gerry Weber bis zu Hugo Boss kämpfen mit schwächeren Margen.

Jette Joop kennt das Risiko. „Das ist Neuland für mich“, sagt die Frau, die an diesem Abend selbstverständlich in schwarzer Hose, Top und Jacke aus ihrer eigenen Kollektion auftritt. Nicht nur Neuland für Joop, auch für das Aldi-Management, das die Kooperation mit der Designerin ein Jahr lang vorbereitet hat. Kim Aline Suckow, Stellvertreterin der Geschäftsführung Einkauf von Aldi Süd, hofft so auch „Kundinnen zu erreichen, die bisher noch nicht bei uns kaufen“.

Fachleute sind skeptisch, ob die Joop-Aktion funktioniert.

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Designermode zwischen Apfelschorle und Klopapier

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Topmodel-Kandidatin von Heidi Klum – und Aldi-Azubi

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