Jim Beam und der Streik
Die Whisky-Rebellion von Kentucky

Kentucky ist die Heimat von fast allen Bourbon-Produzenten in der Welt. Bei der Herstellung des über Jahre gelagerten Whiskys geht es sonst recht unspektakulär zu. Doch von jetzt auf gleich herrscht Ausnahmezustand.

ClermontEs geht nicht ums Geld, sondern um „Mangel an Respekt“ und „Work-Life-Balance“: Für sechs Tage herrschte in zwei Bourbon-Destillerien des Whisky-Herstellers Jim Beam im US-Bundesstaat Kentucky Arbeitskampf. Rund 250 Angestellte waren in Streik getreten, nachdem monatelange Vertragsverhandlungen zwischen dem Unternehmen und der lokalen Gewerkschaft gescheitert waren. Am Freitag wurde der Streit endlich beigelegt - die Mitarbeiter akzeptierten ein verbessertes Angebot. Doch der Streit wirft ein Schlaglicht auf die Konflikte, die der Firmenwandel mit sich bringt.

Jim Beam, nach Branchenführer Jack Daniels aus Tennessee eine der meistverkauften Whisky-Marken weltweit, gibt sich gerne als gemütliches Traditionsunternehmen. „Die Beam-Familie hat eine lange Geschichte, die Dinge auf ihre eigene Art zu machen“, heißt es in der folkloristischen TV-Werbung mit Hollywood-Star Mila Kunis. Es wird der Eindruck vermittelt, als gehe es bei der Bourbon-Produktion noch genauso gemächlich zu, wie vor über zwei Jahrhunderten.

Zu dieser beschaulichen Selbstdarstellung wollte der Streik überhaupt nicht passen. Die Belegschaft in den Destillerien in Clermont und Boston klagte über Überarbeitung und fühlt sich im Stich gelassen. „Vor allem fordern wir eine bessere Work-Life-Balance und eine Rückkehr zu den familiären Werten und dem Erbe, auf dem die Marke Jim Beam basiert“, sagte Jannelle Mudd, Mitarbeiterin und Präsidentin der örtlichen Gewerkschaftsvertretung, dem „Wall Street Journal“.

Seit Beginn der Firmengeschichte im Jahr 1795 ist viel passiert. Damals begann Johannes Jakob Böhm, ein Sohn deutscher Einwanderer, der sich später in Jacob Beam umbenannte, in Clermont mit der Bourbon-Herstellung. Generationen von Beams machten das Getränk weltberühmt. 2014 wurde das Unternehmen für 13,6 Milliarden Dollar vom japanischen Whisky-Riesen Suntory geschluckt. Der Deal sorgte bei patriotischen US-Kunden für viel Empörung. Auch auf die Firmenkultur wirkte sich die Übernahme aus, etwa durch einheitliche Arbeitskleidung - in Japan normal, in Kentucky nicht.

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