Johann Rösch
„Die Finanzmittel reichen nicht aus“

Knapp zwei Jahre nach dem Verkauf von Karstadt wehrt sich der Verdi-Handelsexperte gegen den Vorwurf, dem Finanzinvestor Berggruen die Warenhauskette leichtfertig ausgeliefert zu haben.
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Herr Rösch, vor zwei Jahren sorgte Verdi dafür, dass Nicolas Berggruen als Bieter den Zuschlag für Karstadt erhielt. Bereuen Sie das?

Johann Rösch: Diese Darstellung ist falsch: Verdi als überbetriebliche Interessenvertretung der rund 25.000 Karstadt-Beschäftigten hat sich im elfköpfigen Gläubigerausschuss für Berggruen ausgesprochen - und zwar nach eingehender Prüfung der bis zum Ablauf der Bieterfrist Ende Mai 2010 vorliegenden Angebote. Verdi hatte dort eine Stimme. Und es gibt keinen Anlass, das damalige Abstimmungsverhalten infrage zu stellen.

Der unterlegene Bieter Maurizio Borletti aus Mailand wirft Ihnen vor, Verdi habe sein höheres Angebot abgelehnt, weil er längere und flexiblere Arbeitszeiten forderte. Was ist dran?
Das ist Teil des Mailänder Märchens. Ohnehin hatten die Karstadt-Beschäftigten vor der Insolvenz äußerst flexible Arbeitszeiten, die in der Insolvenz nochmals angepasst wurden. Die geforderte Verlängerung der Arbeitszeiten hätte noch einmal einen Verzicht von jährlich 25 Millionen Euro bedeutet. Weil längere Arbeitszeiten bei den Teilzeitbeschäftigten geringere Einkommen nach sich ziehen. Neben dem Verzicht von Urlaubs- und Weihnachtsgeld hätte jede Beschäftigte im Jahr zusätzlich 1300 Euro weniger verdient. Eine Jobgarantie dafür gab es nicht.
Deshalb also Berggruen?

Borletti hat erst am 5. August 2010 sein Angebot eingereicht - zu einem Zeitpunkt, als die Beurkundung des Kaufvertrages mit Herrn Berggruen bereits stattgefunden hatte. Borletti ist nicht an der Gewerkschaft gescheitert, sondern an seinem verspäteten Angebot, das nicht unterschriftsreif war - was im Übrigen auch der Insolvenzverwalter öffentlich klargestellt hat.

Doch Berggruens Kaufzusage war so lückenhaft, dass der Vertrag zu platzen drohte. Mit den Vermietern verhandelte er sogar noch, als die Übernahme schon verkündet war. Was machte Berggruen für Verdi attraktiver als Borletti?

Verdi hat sich nicht gegen Borletti ausgesprochen. Denn dessen verspätetes und nicht unterschriftsreifes Angebot stand nicht zur Abstimmung, als im Gläubigerausschuss darüber entschieden wurde, wer den Zuschlag erhält. Der Kaufvertrag von Berggruen beinhaltete aufschiebende Bedingungen wie etwa niedrigere Mieten und die Übertragung des Sanierungstarifvertrages auf alle drei Unternehmen.

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