Juweliere
Deutsche Schmuckkäufer bleiben in Kauflaune

Der hohe Goldpreis und die Finanzkrise prallen am Geschäft der deutschen Juweliere bisher wirkungslos ab. Hochpreisige Uhren und Schmuck sind weiterhin gefragt. Weltweit sieht der Trend anders aus. Die großen Schmuckhersteller vermelden erhebliche Gewinneinbrüche.
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DÜSSELDORF. Es ist doch alles Gold, was glänzt. Dies gilt zumindest für die Geschäfte des deutschen Uhren- und Schmuckeinzelhandels. Trotz des rekordverdächtigen Preises geht die Branche daher voller Zuversicht in das wichtige Weihnachtsgeschäft.

„Die Krise hat bislang einen Bogen um die Branche gemacht“, sagt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BJV): „Wir verzeichnen steigende Umsätze.“ Doch die Kunden seien sehr kritisch und wählerisch. Gekauft würden vor allem hochpreisige und qualitativ hochwertige Markenartikel, dies gelte sowohl für Uhren als auch für Schmuck. Der Umsatzanstieg beruhe daher auf dem hohen Preis der gekauften Einzelstücke.

Gefragt sei aber nicht nur Goldschmuck, sondern die gesamte Palette der Klassiker: „Gold, Platin und Diamanten liegen hoch im Kurs“, sagt der Schmuckexperte. Verschiebungen zwischen den verschiedenen Edelmetallen seien in der Regel modisch bedingt und nicht durch die Entwicklung an den Rohstoffmärkten. Dass der Goldpreis seit einigen Tagen von einem Rekordhoch zum nächsten springt, lässt zumindest die inländischen Käufer kalt.

Die deutsche Uhren- und Schmuckbranche stemmt sich damit ebenso wie ihre Kollegen in Österreich erneut gegen die weltweiten Trends; diese Krisenfestigkeit hatte sich bereits im Frühjahr abgezeichnet. Allerdings ist der Einfluss der deutschen Branche im internationalen Vergleich begrenzt. In wichtigeren Ländern ist das Geschäft mit den Pretiosen eingebrochen. Das gilt für Spanien oder Großbritannien ebenso wie für Länder in Asien und die USA.

Die Kaufzurückhaltung der Konsumenten hat zum Beispiel Richemont zugesetzt. Der Gewinn des Schweizer Herstellers von Cartier-Schmuck, IWC-Uhren und Montblanc-Füllern hat sich im ersten Halbjahr 2009/10 mit 344 Mio. Euro mehr als halbiert.

Gründe für die rückläufige Nachfrage sind die internationale Finanzkrise und die daraus resultierende Rezession, aber auch die immer neuen Rekordpreise für das Edelmetall. Laut World Gold Council (WGC), einer Lobbygruppe der Goldindustrie, ist die Goldnachfrage für Schmuck im zweiten Quartal gegenüber der Vorjahresvergleichszeit weltweit um 22 Prozent gefallen. Besonders stark sei die Goldnachfrage in der Türkei weggebrochen: Sie habe sich mehr als halbiert. Übel sah es auch in Indien aus, wo 31 Prozent weniger Gold gekauft wurde; das Land ist weltweit der größte Abnehmer des Edelmetalls für Schmuck. „Die Hauptgründe für die schwache Nachfrage waren der hohe Goldpreis und die anhaltende Rezession“, schreibt das WGC. Zudem hätten Käufer darauf gewartet, dass der Goldpreis fallen werde.

Damit werden sie sich aber wohl noch gedulden müssen. Thorsten Proettel etwa, Edelmetallspezialist der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sieht den Preis 2010 auf 1 100 Dollar je Feinunze (rund 31,1 Gramm). Auch die Commerzbank geht für das erste Quartal 2010 von diesem Niveau aus.

Seit Anfang Oktober kennt der Goldpreis kein Halten mehr. Da hatte er die Marke von 1 000 Dollar überwunden und ist seither fast ununterbrochen gestiegen. In der Spitze kostete eine Unze Gold gestern über 1 140 Dollar, so viel wie nie zuvor.

Neuen Schwung erhielt der Anstieg durch die Goldkäufe der indischen Notenbank. Das Land hatte dem Internationalen Währungsfonds (IWF) für rund 6,7 Mrd. Dollar 200 Tonnen Gold abgekauft. „Das war eine Überraschung“, sagt Proettel. Die Inder hätten ihre Goldreserven seit 1998 unverändert gelassen, der Kauf habe daher Signalwirkung: „Die Notenbank hat gekauft, das zieht die Nachfrage der privaten Käufer mit.“ Die Folge: Der Preis sollte zumindest sein hohes Niveau behaupten.

Trotzdem glauben die Experten der Commerzbank, dass die Schmucknachfrage stabil bleiben wird: „Die dämpfende Wirkung des hohen Preisniveaus dürfte durch den positiven Effekt einer Konjunkturerholung und die dadurch besseren Einkommensperspektiven kompensiert werden.“ Auch der BJV lässt sich durch die hohen Notierungen an den Edelmetallmärkten nicht schrecken. „Die Entwicklung des Goldpreises wirkt sich positiv auf das Wertempfinden aus“, sagt Verbandsgeschäftsführer Dünkelmann. Daher profitiere die Schmuckbranche sogar von dem hohen Goldpreis und sehe dem wichtigen Weihnachtsgeschäft „sehr optimistisch“ entgegen.

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