Kämpfe in der Ukraine
Metro-Markt wird zu Rebellen-Hauptquartier

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft fürchtet einen massiven Rückgang des Handelsumsatzes wegen der Ukraine-Krise. Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro muss mit Millionenabschreibungen rechnen.
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WienDie anhaltenden Kämpfe im Osten der Ukraine treiben vielen deutschen Unternehmen die Sorgenfalten ins Gesicht. „Die Exporte in die Ukraine sind bis Juli um 32 Prozent gesunken. Vor allem im Ostteil der Ukraine kämpfen viele deutsche Unternehmen mit erheblichen Problemen“, sagte Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, dem Handelsblatt. Der Export betrug von Januar bis Juli knapp 2,2 Milliarden Euro. Der Handelsumsatz sank im gleichen Zeitraum um 25 Prozent.

Eines der betroffenen Unternehmen in der Ukraine ist der Düsseldorfer Handelskonzern Metro. Er muss mit Millionenabschreibungen rechnen. „In der ostukrainischen Stadt Luhansk haben Rebellen einen Metro-Markt zu ihrem Hauptquartier gemacht“, berichtet Lindner, der auch Vorsitzender des Deutsch-Ukrainischen Forums ist, am Mittwoch in Wien. Zwei weitere Metro-Märkte seien geplündert worden.

Insgesamt sind 500 deutsche Unternehmen in dem Krisenland präsent. Bis Juli 2014 hatten deutsche Investitionen in der Ukraine mit 6,6 Milliarden Dollar einen Anteil von 16,5 Prozent an den gesamten ausländischen Investitionen und lagen damit hinter Zypern auf dem zweiten Platz, berichtet der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft.

Auf Einladung des Deutsch-Ukrainischen-Forums trafen sich am Mittwoch ukrainische und deutsche Politiker zu einem Runden Tisch in der österreichischen Hauptstadt. Unter den Teilnehmern waren neben dem Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko auch die beiden früheren ukrainischen Staatspräsidenten Viktor Juschtschenko und Leonid Kuchma vertreten. Auf deutscher und österreichischer Seite nahmen der frühere Finanzminister Peer Steinbrück und der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel daran teil.

Mit dieser Idee stieß die bilaterale Organisation in dem Kriegsland offenbar auf offene Ohren. „Es gibt eine große Bereitschaft, sich an einen Tisch zu setzen.“ Unter den eingeladenen Gäste befand sich auch der Verfassungsrechtler und frühere deutsche Verteidigungsminister Rupert Scholz, der den ukrainischen Gesprächspartnern Empfehlungen für eine Föderalisierung des osteuropäischen Krisenlandes geben sollte. „Wir bieten an, unsere föderalen Erfahrungen an die Ukraine weiter zu geben“, sagte Lindner.

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  • Klitschko und Kuchma sitzen zusammen, das passt doch - besser wäre hinter schwedischen Gardinen.

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