Käufer gefunden
Neckermann geht an Sun Capital Partners

Der Essener Touristik- und Warenhauskonzern Arcandor hat offenbar einen Käufer für seine verlustreiche Versandhandelstochter Neckermann gefunden. Arcandor ist nach Unternehmensangaben in „fortgeschrittenen exklusiven Verhandlungen“ mit dem US-Investor Sun Capital Partners aus Boca Raton in Florida.

DÜSSELDORF. Grundsätzlich sei man sich mit Sun Capital Partners einig. Bis Ende November soll ein Vertrag geschlossen werden. Statt eines Komplettverkaufs will Arcandor zunächst eine Mehrheit an seiner Versandtochter an die Amerikaner abgeben. Die Anmeldung zur kartellrechtlichen Freigabe sei noch am Freitag durch Sun Capital erfolgt.

Zum Kaufpreis wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Ein Konzernsprecher teilte nur mit, dass Arcandor vorläufig eine Minderheitsbeteiligung an Neckermann halten werde. Wie hoch die sein wird, will das Unternehmen nicht sagen. Nach einem möglichen Börsengang durch den neuen Mehrheitseigner werde sich Arcandor auch vom verbliebenen Anteil trennen. Marktbeobachter bewerten den Verkauf positiv. Für Neckermann sei es die Chance, als Marke stärker zu wachsen, meint Christian Hamann, Handelsexperte der Hamburger Sparkasse.

Zunächst hatte das Unternehmen geplant, die Versandhandelstochter noch im ersten Quartal 2008 selbst an die Börse zu bringen. Dann aber war dem Management um Arcandor-Chef Thomas Middelhoff der Verkauf wichtiger. Dieser sollte bereits Ende Oktober vollzogen sein. Der geplanter Verkaufserlös lag im dreistelligen Millionenbereich. Doch den gesetzten Termin ließ das Unternehmen verstreichen.

Neckermann ist mit Quelle der zweite Universalversender unter dem Dach der Arcandor-Tochter Primondo, die für den Versandhandel zuständig ist. Vor zehn Tagen hatte der für das Versandhandelsgeschäft zuständige Arcandor-Vorstand Marc Sommer erklärt, dass ein neuer Mehrheitsgesellschafter Neckermann in drei bis vier Jahren an die Börse bringen könnte. Dann werde Arcandor seine Minderheitsbeteiligung verkaufen. Diese könnte bei 49 Prozent liegen.

Die Zusammenarbeit zwischen Neckermann und Quelle hat nie richtig funktioniert. Arcandor versuchte zwar, operativ einen Versender mit zwei großen Marken zu führen und Organisation, Standort, Einkauf und Logistik unter einem Dach zu konsolidieren. „Das hätte aber einen immensen Aufwand in den nächsten zwei bis drei Jahren bedeutet", erklärte vor kurzem Versandvorstand Sommer dem Handelsblatt.

Laut Sommer soll Neckermann seinen Umsatz 2007 um knapp zehn Prozent steigern und damit deutlich besser abschneiden als viele Mitbewerber. Dennoch werde wieder ein Verlust in Höhe eines kleinen zweistelligen Millionenbetrages anfallen. Aber in zwölf bis 18 Monaten verdiene Neckermann Geld, prognostiziert Sommer.

An der Börse sorgte am Freitag die Verkaufsmeldung erst für einen Kurssprung der Arcandor-Aktie. Mittags aber rutschte sie leicht ins Minus. Arcandor wird nach Worten seines Chefs Thomas Middelhoff in diesem Monat auch noch seine restlichen Immobilien verkaufen und damit Einnahmen von weiteren 800 Mill. Euro erzielen. Dies sagte er der „Welt am Sonntag“.

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