Kaffee-Spezialist
Tchibo schafft die Wende

Tchibo hat laut eigener Aussage die Trendwende geschafft. Beim Handels- und Kaffeekonzern geht es nach einer Flaute wieder voran. Seit dem zweiten Halbjahr 2008 zeigten alle wesentlichen Leistungszahlen nach oben.

HAMBURG. Der Kaffeefilialist Tchibo verzeichnete im vergangenen Geschäftsjahr wieder steigende Gewinne. Bei einem rückläufigen Umsatz von 3,2 Mrd. (Vorjahr 3,5 Mrd.) Euro erhöhte sich der Vorsteuergewinn (Ebit) gegenüber dem Vorjahr um das Dreifache auf 71 Mio. Euro: "Wir haben unser Etappenziel erreicht", sagte Arno Mahlert, Chef der Tchibo-Holding Maxingvest, die von der Hamburger Unternehmerfamilie Herz kontrolliert wird, gestern auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns.

Für das Jahr 2010 prognostizierte der scheidende Holdingchef wieder eine Umsatzrendite von fünf Prozent. Ein Niveau, dass Deutschlands größter Kaffeehersteller vor dem Krisenjahr 2007 bereits behauptet hatte. Auch der Umsatz, der 2008 unter der Schließung unprofitabler Standorte litt, soll dann wieder moderat steigen.

Vor zwei Jahren war der Filialist unter den Konkurrenzdruck der Discounter geraten, die das einst erfolgreiche Tchibo-Konzept "Jede Woche eine neue Welt" mit Konsumgütern wie Herrensocken oder Sport-BHs hemmungslos kopierten. In der Folge wuchs die Anzahl der Restanten, das sind die Artikel, die nach vier Wochen verramscht werden, ins Uferlose. Zusätzlich beklagten Kunden und Handelspartner den verwahrlosten Eindruck, den viele Tchibo-Depots in anderen Handelshäusern machten.

Im letzten Jahr schafften die Hamburger offenbar die Wende, die sie zu Jahresbeginn angekündigt hatten: Die Allerweltsmarke "TCM" flog aus den Regalen in den rund 900 Tchibo-Filialen und inzwischen kümmern sich rund 6000 Service-Mitarbeiter um die Pflege der etwa 10000 Tchibo-Depots bei Händlern wie Edeka oder Rewe. Tchibo-Spartenchef Yves Müller schärfte 2008 mit neuen Angeboten unter dem Motto "Das gibt es nur bei Tchibo" wie Smart-Pkw oder Städtereisen das Unternehmensprofil.

Als Ergebnis sank die Anzahl der Restanten um 30 Prozent. "Wir konnten inzwischen insgesamt drei Läger schließen", berichtet Müller, der außerdem die unprofitablen Auslandsengagements in den Niederlanden und Großbritannien beendete. Große Hoffnungen setzt Müller hingegen auf die Auslandsaktivitäten in Polen, Russland und der Türkei, die noch ausgebaut werden sollen.

Weiterhin ist Tchibo auch im attraktiven Markt mit Kaffee in Einzelportionen präsent. Von dem Tchibo-System "Cafissimo" verkaufen die Hamburger 300000 Geräte im Jahr, Der Absatz der Kaffeekapseln wächst, wie bei den Konkurrenten von Nestlé oder Kraft Foods, jährlich um 40 Prozent.

Die Tchibo-Holding Maxingvest, zu der außerdem noch der Mehrheitsanteil an dem Hamburger Nivea-Hersteller Beiersdorf inklusive Tesa gehört, hofft mit seinem starken Markenportfolio gut durch die Krise zu kommen. Liquide Mittel von 2,2 Mrd. Euro lassen sogar noch Spielraum für manchen Zukauf. Der neue Holding-Chef Thomas Holzgreve, der das Amt in Kürze nahtlos von seinem Vorgänger Mahlert übernehmen wird, kündigte gestern vor allem "Kontinuität" in der Führung an. "Kurzfristige Änderungen machen keinen Sinn", sagte Holzgreve.

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