Kaffeehauskette
Starbucks: Der Stern ist angeknackst

Die Zeiten hoher Gewinne gehören bei Starbucks der Vergangenheit an: Beim Kaffeehaus-Multi ist der Gewinn um satte 97 Prozent im vergangenen Quartal eingebrochen. Konserquenz: Starbucks muss den Gürtel noch enger schnallen.

HB LOS ANGELES. Starbucks, das war einmal ein Synoym für Erfolg in der Gastronomiebranche, für eine Lizenz zum Geld drucken. Starbucks, das war eine einzigartige Erfolgsgeschichte - die in einer kleinen Kaffeebude begann und in einem Weltkonzern mit fast 16 700 Filialen (davon 11 000 in den USA) mündete. Aber das ist vorbei. Heute ist der Gewinn der Kaffeehauskette im abgelaufenen vierten Quartal um 97 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Übrig bleibt nur noch ein mickriger Überschuss von gerade einmal 5,4 Millionen Dollar. Der Umsatz konnte nur noch leicht um gut drei Prozent auf 2,52 Milliarden Dollar zulegen. Im dritten Quartal war Starbucks sogar in die roten Zahlen gerutscht. Keine Frage: Ein glänzender Stern ist Starbucks derzeit nicht mehr.

Offiziell sollen vor allem die Wirtschaftsflaute und Restrukturierungskosten den Kaffeehauskonzern belastet haben: Tatsächlich musste Starbucks auch allein für die Schließung von 600 Filialen im vergangenen Quartal 105,1 Millionen Dollar berappen - die am Ende 12 000 Jobs kosten wird. Doch um diesen Schritt kam Starbucks nach Meinung von Experten nicht herum. Denn durch eine rein auf Marktmacht setzende Expansion stehen viele Starbucks-Filialen dicht an dicht - und machen sich damit gegenseitig die Kunden abspenstig. Bittere Folge: Sie sind nicht profitabel und werden es wohl aller Voraussicht auch nicht mehr, wie Starbucks-Finanzvorstand Pete Bocian im Sommer durchblicken lleß. Also müssen 19 Prozent der US-Geschäfte, die erst in den vergangenen zwei Jahren eröffnet worden waren, bis zum Jahr 2009 geschlossen werden.

Aber nicht nur auf dem Heimatmarkt hat sich Starbucks verschätzt: in Australien wurden fast drei Viertel der 84 Standorte dicht gemacht, fast 700 Beschäftigte verloren ihren Job. Und auch in Deutschland, wo einst noch jede Starbucks-Eröffnung von hippen Großstädtern begeistert angenommen wurde, hat sich der Wind offenbar gedreht. Im Sommer kündigte Starbucks an, in der Essener Zentrale des Unternehmens 22 von insgesamt 70 Stellen zu streichen - wobei man von den Expansionsplänen für Deutschland nicht abrücken wollte.

Dabei weht Starbucks vor allem durch den Fast-Food-Giganten Mc Donalds inzwischen ein eisiger Wind ins Gesicht. Denn der Burger-Multi stattet immer mehr seiner Filialen mit McCafés genannten Kaffeestuben aus - deren Latte Macchiato billiger ist als der von Star Bucks. Allein in den USA sollen 14 000 Filialen mit Kaffetheken ausgestattet werden. In Deutschland gab es bereits zu Beginn dieses Jahres in 400 von 1200 Filialen McCafés.

Neu ist die Krise die Starbucks-Krise dieses Jahres nicht - bereits im vierten Quartal 2007 sah das Bild ähnlich aus. Das Wachstum verlief nur noch schleppend, der Umsatz stieg nur noch geringfügig. Und innerhalb eines Jahres war der Aktienkurs um fast die Hälfte eingebrochen. Starbucks brauchte Hilfe - und suchte diese bei Mitgründer Howard Schultz, der von 1987 bis 2000 das Sagen bei Starbucks hatte. Dieser kündigte einen Strategiewechsel an: nämlich die Rückkehr zum Kerngeschäft, zum Kaffee also.

Aber Schultz ist für Analysten auch mitschuldig an der gegenwärtigen Starbucks-Krise: Sei es doch gewesen, der Starbucks mit niedrigen Preisen fit fürs Massengeschäft habe machen wollen. Dadurch aber sei Starbucks erst richtig anfällig für eine Rezession in den USA geworden. Denn in schlechten Zeiten würden Luxus- oder Billigprodukte gut laufen - nicht aber die des mittleren Preissegments.

Erste Konsequenz aus den schlechten Zahlen: Starbucks muss den Gürtel noch enger schnallen. International sollen nun 200 Filialen weniger als geplant eröffnet werden. Und eine Gewinnprognose traut sich das Unternehmen, trotz eines hoffnungsvollen Blicks in Richtung des traditionell starken Weihnachtsgeschäfts, erst einmal nicht mehr zu.

Firmenchef Howard Schultz erwartet aber, dass sich all die Umstrukturierungsschritte bereits im laufenden Finanzjahr auszahlen werden. Durch die gesenkten Fixkosten soll der Gewinn ungeachtet des schwierigen Umfelds steigen. „Wir scheinen belastbarer zu sein als andere Premium-Marken“, sagte Schultz. Zugleich wies er auf erste Anzeichen eines steigenden Umsatzes hin. Es sei aber noch zu früh, daraus einen Trend abzulesen, besonders da die wichtige Feiertagsperiode noch vor uns liege, sagte Schultz.

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