Kaffeekrieg in Seattle: Serienstar sticht Starbucks aus

Kaffeekrieg in Seattle
Serienstar sticht Starbucks aus

Die insolvente Kaffee-Kette Tully`s stand zum Verkauf, und alle boten mit – darunter der Gigant Starbucks und Konkurrent Baristas mit den leicht bekleideten Kellnerinnen. Doch den Zuschlag erhielt ein bekannter TV-Star.
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New York Der Schauspieler Patrick Dempsey ist nicht nur als Dr. Derek Shepherd aus der US-Serie „Grey`s Anatomy“ bekannt, als ehemaliger Sexiest Man Alive und als Hobby-Rennfahrer. Bald hängt der 46-Jährige auch noch eine Karriere als Kaffeeunternehmer dran. Dempsey hat am Donnerstag nach eigenen Angaben das Bieterrennen um die kleine, insolvente Kaffeehauskette Tully`s Coffee in Seattle gewonnen – und dabei den mächtigen Konkurrenten Starbucks aus dem Feld gedrängt.

„Wir haben das grüne Monster getroffen, ihm in die Augen gesehen, und es hat geblinzelt“, twitterte Dempsey am Donnerstagabend kurz nach Abschluss der 13-stündigen Auktion über den globalen Kaffee-Giganten. „Wir haben es geschafft! Danke, Seattle!“

Es ist das vorläufige Ende eines kleinen Kaffee-Krieges, der in der größten Stadt des US-Bundesstaats Washington getobt hatte. Im Zentrum drei Unternehmen, die allesamt in Seattle angesiedelt sind: Als Bieter neben Starbucks war unter anderem die Kette Baristas Coffee angetreten, deren Markenzeichen Drive-In-Spuren und knapp bekleidete Kellnerinnen sind. Auf der anderen Seite stand die zum Verkauf stehende Pleite-Kette Tully`s – und eben Schauspieler Dempsey, dessen fiktives Serien-Krankenhaus ebenfalls ins Seattle steht.

Dempseys Investorengruppe Global Baristas will nun nach eigenen Angaben 9,15 Millionen Dollar für Tully`s zahlen, nachdem der Insolvenzrichter am 11. Januar endgültig entschieden haben wird. Der Schauspieler will die Kette vollständig übernehmen, mit ihren 500 Mitarbeitern und 47 eigenen Läden in Washington und Kalifornien. Er erhält außerdem die Franchise-Rechte. Was allerdings mit den knapp 60 Franchise-Läden geschieht, ist noch unklar.

„Ich bin begeistert, dass wir gewonnen haben“, sagte Dempsey dem lokalen Sender KOMO-TV. „Und ich bin noch begeisterter, dass wir Tully`s Coffee und Hunderte Jobs retten können”. Er sei zuversichtlich, dass er die Marke weiterentwickeln und die Wirtschaft stärken werde, sagte er, „hier in einer der besten Städte der Welt“. Seattle sei in seiner ganzen Karriere immer gut zu ihm gewesen.

Tully`s war vor 20 Jahren als Konkurrent zu Starbucks gestartet. Nach einem raschen Wachstum in den ersten Jahren verlor die Kaffeekette jedoch schnell den Anschluss an den weltweit bekannten grünen Riesen. Nach mehreren Verkäufen und zwei an den schlechten Marktkonditionen gescheiterten Börsengängen beantragte Tully`s im Oktober Gläubigerschutz nach Kapitel 11. Jetzt, nach der Auktion, versprach Neu-Eigentümer Depmsey den besorgten Mitarbeitern: „Tully`s bleibt Tully`s“.

Starbucks will sich derweil offenbar noch nicht geschlagen geben. Ein Sprecher bestätigte der Nachrichtenagentur AP, bei der Auktion am Donnerstag mitgeboten zu haben. Der Kaffeekonzern sei an insgesamt 25 Standorten interessiert gewesen, darunter 12 auf dem Werksgelände des Flugzeugbauers Boeing. Noch immer sei man aber in einer „Backup-Position“ zumindest für Teile von Tully`s. Der endgültige Zuschlag werde ohnehin erst vor Gericht am 11. Januar erteilt.

 

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik

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  • Starbucks hat eine sehr hohe geographische Abdeckung. Steht ja auch im Artikel, dass Starbucks eigentlich nur an ein paar Filialen interessiert ist, um diese dann zu Starbucks-Cafes umzugestalten. Folglich hätten sie wohl die Hälfte aller erworbenen Filialen dicht gemacht und abgeschrieben (Macht ja keinen Sinn 2 Starbucks Filialen in derselben Straße zu betreiben). Aus dieser Sicht wird Starbucks wohl doch mehr geboten haben, wegen den abzuschreibenen Filialen.

    Barista hatte wohl den Plan Tully's als eigene Firma und Marke zu erhalten. Nunja Baristas ist ja so eine Hooters der Kaffeeketten (d.h. andere Zielgruppen) und ist im Gegensatz zu Starbucks eher winzig. Ich denke dass es dem Insolvenzgericht im Zweifel so oder so besser gefällt, wenn ein Bieter die Unternehmensfortführung anstrebt.

    Ich habe mal kurz nachgeguckt (Einfach "Chapter 11 Case No. 12-20253" und/oder "TC Global Inc" googlen). Irgendwo werden die Assets mit 10 Mio angesetzt. Ich weiß zwar nicht wie hoch die ausstehenden Kredite sind. Aber wenn 10 Mio Restwert angesetzt sind, dann sehen 9.15 Mio. sehen nach einem guten Deal für die Recovery aus.
    Also wenn ich Insolvenrichter wäre, würde ich mir selbst auf die Schulter klopfen und nach Hause gehen. Ich weiß nicht wo sich Starbucks da noch Hoffnungen macht.

  • Die Abfallprodukte von Starbucks sind einen Cent wert, hoffentlich auch bald keinen PFENNIG wert!



  • Wie benennen wir jetzt noch schnellstmöglich die 'Zigeunersauce' in den Supermarktregalen um?

    "Bunter Puszta Topf"** oder "Gaumenfreude der Mobilen ethnischen Minderheit"?


    ** Achtung! Puszta liegt in Ungarn! Es könnten sich die Ungarn diskriminiert fühlen, mit dem fahrenden Volk in Verbindung gebracht zu werden.

    Zum Teufel, es ist aber auch wirklich schwierig! (Verzeihung, "Herr der Unterwelt", wollte ich schreiben. Es soll doch bitte alles politisch korrekt sein)!!

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