Kaffeemarkt Deutschland
Der Boom um den Bohnendrink

Von den USA bis nach Vietnam, kalt oder heiß: Kaffee ist weltweit beliebt. Deutsche Verbraucher achten jedoch vor allem auf den Preis. Von den globalen Kaffeetrends profitiert das niederrheinische Unternehmen Probat.
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EmmerichPreiskampf um das Lieblingsgetränk der Deutschen oder Renaissance der Kaffeehauskultur? Während viele Verbraucher in Deutschland beim Kauf der aromatischen Bohnen vor allem auf den Cent achten, boomen teure Spezialitäten. Insgesamt muss die Branche im laufenden Jahr bislang jedoch ein Minus verbuchen: In den ersten zehn Monaten ist der Kaffeeumsatz in Deutschland nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts Nielsen im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zurückgegangen.

Hintergrund ist vor allem der Preisverfall bei traditionellem Röstkaffee, der bisweilen zu Schnäppchenangeboten von wenig mehr als drei Euro für das 500 Gramm-Paket verkauft wird. Mehr als 60 Prozent des Röstkaffees werden über Sonderangebote verkauft. „Gerade der klassische Filterkaffee wird gerne genutzt, um Kunden in die Läden zu locken“, berichtet Michael Griess von Nielsen.

Noch im vergangenen Jahr hatte vor allem der Boom bei Kaffeekapseln und bei Espresso für ein deutliches Umsatzplus von 7,1 Prozent gesorgt. Auch künftig rechnet Nielsen mit guten Geschäften bei Spezialitäten. „Wir glauben, dass dieser Trend weiter anhalten wird“, sagt Griess. Mit großem Abstand beliebtestes Getränk der Verbraucher ist und bleibt jedoch weiterhin der traditionelle Filterkaffee.

Nach einem Jahrzehnte dauernden Wachstum beim Kaffeeverbrauch muss die Branche in Deutschland seit einigen Jahren mit einem stagnierenden, beziehungsweise leicht zurückgehenden Verbrauch rechnen. Nach Berechnungen des Deutschen Kaffeeverbands lag der Pro-Kopf-Konsum im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 162 Litern - das entspricht einem weitgehend unveränderten Verbrauch von rund 7,2 Kilogramm Rohkaffee. Noch im Jahr 1960 waren es mit 3,5 Kilogramm pro Kopf weniger als die Hälfte.

Beim niederrheinischen Familienunternehmen Probat ist der Boom beim Geschäft rund um das dunkle Heißgetränk dagegen ungebrochen. Auch wenn der Duft von frisch geröstetem Kaffee durch die Werkshallen zieht, geht es bei dem mittelständischen Familienunternehmen seit fast 150 Jahren um die Produktion von Röstmaschinen für die Kaffeeproduktion.

Dabei gehört am Firmensitz in der niederrheinischen Gemeinde Emmerich mit 30.000 Einwohnern professionelles Kaffeetrinken für viele Mitarbeiter zum Berufsalltag. Erst wenn die Wahrnehmung wie bei einem Parfümeur oder Sommelier durch ein spezielles Training selbst für feinste Nuancen geschult wurde, geht es in die Beratung mit dem Kunden.

Mit Säcken voll Rohkaffee im Gepäck reisen die Interessenten aus der ganzen Welt an, um sich beim Kauf und bei der Einstellung von Kaffeeröstmaschinen beraten zu lassen. Bis zu eine Woche lang können die Testreihen dauern, bis die richtige Wahl getroffen ist - genau abgestimmt auf die aktuellen Vorlieben des jeweiligen Landes.

Der Trend zur langsamen Extraktion von Kaffee über Stunden hinweg mit kaltem Wasser gilt derzeit noch als Geheimtipp aus den USA. Dort wird das stark koffeinhaltige Getränk aus Fässern angeboten, berichtet Probat-Chef Wim Abbing. Noch sei diese Methode allerdings eher nicht in Deutschland angekommen. Als eher gewöhnungsbedürftig gelte auch der dickflüssige Kaffee wie er von vietnamesischen Kaffeetrinkern bevorzugt werde. In Deutschland seien dagegen nach den eher bitteren Sorten derzeit wieder eher fruchtige Nuancen gefragt. Der Chef selbst bevorzugt ganz normalen Filterkaffee.

Renner im Sortiment des Maschinenbauers sind derzeit die kleinen Kaffeeröstmaschinen, die es ab etwa 10.000 Euro zu kaufen gibt. Bis zu vier Kilo Kaffee können in den meist kleinen Läden damit für die Kunden frisch geröstet werden. Größere Maschinen, die bis zu fünf Tonnen Röstkaffee pro Stunde verarbeiten, kosten dagegen bis zu zwei Millionen Euro.

Als Boommarkt in der Branche gilt derzeit Südostasien. Das deutsche Traditionsunternehmen mit weltweit rund 800 Mitarbeitern verkauft auch nach China. Mit einem Umsatz von rund 140 Millionen Euro im vergangenen Jahr sieht sich Probat als Weltmarktführer. Zwei Drittel des weltweit konsumierten Kaffees werde auf Maschinen des Unternehmens vom Niederrhein geröstet, berichtet Abbing.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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