Kaiser's Tengelmann
Die Stunde der Skeptiker

Wirtschaftsminister Gabriel hat für die Mitarbeiter bei Kaiser's Tengelmann schon ein Weihnachtsfest ohne Angst um ihren Arbeitsplatz ausgelobt. Doch längst nicht alle Skeptiker sind von der jüngsten Einigung überzeugt.

Berlin/MülheimDer Deutsche Gewerkschaftsbund sieht die jüngste Einigung im Schlichtungsverfahren um die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann mit Skepsis. DGB-Chef Reiner Hoffmann verwies auf Rückschläge nach früheren Signalen der Hoffnung.

„Wir hatten ja schon mal einen Kompromiss gehabt, der hatte gerade mal 24 Stunden gedauert“, sagte Hoffmann am Montagabend in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“. Die Voraussetzungen zur Sicherung der Arbeitsplätze der rund 15.000 Beschäftigten seien nun aber „auf jeden Fall deutlich besser“.

Auch für den Berliner Betriebsratsvorsitzenden von Kaisers's Tengelmann, Volker Bohne, ist die Rettung der Supermarktkette noch keineswegs sicher. Zunächst müsse die Ministererlaubnis tatsächlich greifen, sagte Bohne am Dienstag im RBB-Inforadio. Dazu müsste das Unternehmen Rewe seine Klage gegen die Übernahme von Kaiser's durch Edeka zurückziehen.

„Da sie das aber noch nicht getan haben, verstehe ich den Bundesminister nicht, der glaubt, es gibt keine Stolpersteine mehr“, kritisierte Bohne mit Blick auf Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). „Es gibt ja einen riesigen.“ Gabriel hatte am Montag erklärt, er gehe nicht davon aus, dass es „noch irgendeinen Stolperstein für den Vollzug der Schlichtungsvereinbarung geben kann“.

Im Ringen um die Zukunft der Supermarktkette hatten sich die Unternehmen Tengelmann, Edeka und Rewe in einem Schlichtungsverfahren auf einen Interessensausgleich geeinigt, der den Weg für eine Übernahme der Kette durch Edeka frei macht. Über den konkreten Inhalt des Interessenausgleichs wurde Stillschweigen vereinbart.

Nach Handelsblatt-Informationen vereinbarten die Kontrahenten, dass Filialen von Kaiser’s Tengelmann in Berlin mit einem insgesamt dreistelligen Millionen-Bruttoumsatz an Rewe verkauft werden sollen. Das Schlichter-Duo Gerhard Schröder und Bert Rürup hatte zudem erreicht, dass eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft versucht, schon bis Ende dieser Woche die Werte und damit Kaufpreise für das Berliner Filialnetz zu errechnen.

Im Gegenzug hat Rewe-Chef Alain Caparros zugesichert, alle mit Edeka bereits verhandelten tariflich-vertraglichen Details zu übernehmen und seine Klage gegen die Ministererlaubnis vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf zurückzuziehen. Die beiden anderen Kläger, Norma und Markant, hatten bereits auf ihre Klagen verzichtet.

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