Kaiser's Tengelmann

Edeka hält sich die Hintertür offen

Im Streit um die geplante Übernahme von Kaiser's Tengelmann gibt es eine erneute juristische Eskalation: Edeka klagt nun auch gegen das Kartellamt. So sichert sich der Handelskonzern ab – gegen die Klage der Konkurrenz.
Edeka möchte die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann übernehmen. Doch der Fall dürfte die Justiz noch einige Zeit beschäftigen. Quelle: Reuters
Kaiser's und Edeka

Edeka möchte die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann übernehmen. Doch der Fall dürfte die Justiz noch einige Zeit beschäftigen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfIm juristischen Kampf gegen die Übernahme der angeschlagenen Supermarktkette Tengelmann geht Edeka auf Nummer sicher: Obwohl sie bereits eine Ministererlaubnis erhalten haben, klagen die beiden Unternehmen nun auch gegen das Verbot durch das Bundeskartellamt. "Wir können bestätigen, dass wir heute Beschwerde gegen die vom Bundeskartellamt verfügte Untersagung des Zusammenschlusses von  Edeka und Kaiser's Tengelmann eingereicht haben", teilte ein Edeka-Sprecher auf Nachfrage mit.

Die Frist für eine Beschwerde gegen die Untersagungsverfügung wäre in diesen Tagen abgelaufen. "Wir halten die Entscheidung des Kartellamtes für falsch und möchten das vom Gericht überprüfen lassen", begründete eine Tengelmann-Sprecherin das Vorgehen der Unternehmen. Auch Edeka betonte, die Unternehmen seien „unabhängig von der erteilten Ministererlaubnis an einer inhaltlichen Überprüfung der Entscheidung interessiert“. Weitere Details nannte der Sprecher unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht. Zuvor hatte die „Lebensmittel Zeitung“ über den Schritt berichtet.

Das sind die größten Edeka-Märkte Deutschlands
Platz 8: Baur
1 von 8

Zur Edeka-Gruppe gehören rund 4.500 selbstständige Kaufleute und Unternehmen, wie die Experten von Nielsen Trade Dimensions, ein Unternehmensbereich des weltweit tätigen Marktforschungsunternehmens The Nielsen Company, ermittelt haben. Erstgenannte sind der Garant für Erfolg und Arbeitsplätze der Lebensmittelkette Edeka. Zu den umsatzstärksten selbstständigen Händlern zählen unter anderem die Frischemärkte Baur e.K. Das Netz dieses Händlers umfasst derzeit neun Märkte. Der Umsatz belief sich im vorigen Jahr auf rund 120 Millionen Euro.

Platz 7: Wucherpfennig
2 von 8

Seit mehr als 100 Jahren der „nette Nachbar“ in und um Hannover: Das Familienunternehmen Wucherpfennig gibt es seit 1914. Damals hat alles mit einem 30-Quadratmeter-Laden angefangen. Heute betreibt der Edeka-Händler insgesamt neun Märkte. Im Jahr 2015 erwirtschaftete er einen Umsatz von 120 Millionen Euro.

Platz 6: Cramer
3 von 8

Das Handelshaus Wilhelm Cramer GmbH betreibt acht Edeka-Supermärkte in Burgdorf bei Hannover und gehört ebenfalls zu den umsatzstärksten Kaufleuten: Im Jahr 2015 betrug der Umsatz 133 Millionen Euro.

Platz 5: Struve
4 von 8

Mit sieben „Schlemmer-Märkten“ und fünf E-Centern führt die Struve GmbH in Hamburg insgesamt zwölf Edeka-Märkte. Das Familienunternehmen, das von Robin und Wolfgang Struve gemeinsam geleitet wird, erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro.

Platz 4: Simmel
5 von 8

„Simmel. Schon der Einkauf ein Genuss.“ Kaufmann Peter Simmel führt die gleichnamige Edeka-Kette mit 20 Märkten in Bayern, Thüringen und Sachsen. 2009 stand er unter Verdacht, seine Beschäftigten zu bespitzeln. Das kostete Simmel den Posten als Edeka-Aufsichtsratschef. Offensichtlich hatte der Vorfall keine Auswirkungen auf seine Supermärkte. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von rund 180 Millionen Euro erzielt.

Platz 3: Scheck
6 von 8

Edeka-Aufsichtsratschef Adolf Scheck und seine Familie betreiben insgesamt zwölf Scheck-in-Center in Baden-Württemberg und in Frankfurt am Main. Der Standort Frankfurt hat sogar im Jahr 2012 den Edeka-Supercup der besten Märkte Deutschlands gewonnen. Auch das vergangene Jahr war für die Scheck-in Einkaufs-Center GmbH erfolgreich: insgesamt wurden 198 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

Platz 2: Hieber
7 von 8

Der Unterschied zu Edeka: Kaufmann Dieter Hieber legt sowohl auf der Firmenhomepage als auch in den zwölf Märkten „Hieber's Frische Center“ Wert auf einen eigenständigen Auftritt. Das Einzige, das an Edeka erinnert, ist das Motto „Wir lieben Lebensmittel“. Die Standorte im Süden der Republik erzielten 2015 einen Umsatz von 200 Millionen Euro.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte im März grünes Licht für den umstrittenen Zusammenschluss gegeben und damit nicht nur das Veto des Bundeskartellamtes aufgehoben, sondern sich auch über ein ablehnendes Votum der Monopolkommission hinweggesetzt. Dennoch dürfte der Fall noch einige Zeit die Justiz beschäftigen. Denn auch die Konkurrenten Rewe und Markant sind vor Gericht gezogen: Sie haben vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht Beschwerde gegen die Ministererlaubnis für die Fusion eingereicht.

Edeka und Tengelmann dagegen haben ein anderes juristisches Ziel: Mit der Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf halten sie sich nun die Hintertür offen, falls die Klage der Konkurrenten gegen die Ministererlaubnis wider Erwarten doch Erfolg haben sollte.

Der kritische Punkt bei der Verhandlung über die Rechtmäßigkeit der Ministererlaubnis wird die laufende Verhaltenskontrolle sein. Denn nach Maßgabe des Ministers kann die Übernahme im Extremfall sogar rückabgewickelt werden, wenn Edeka in den ersten fünf Jahren nach dem Zusammenschluss gegen die Auflagen verstößt. "Bei einer Erlaubnis mit aufschiebenden Bedingungen ist es rechtsdogmatisch unsinnig, eine Verhaltenskontrolle durchzuführen, und auch im Fusionskontrollrecht nicht vorgesehen", kritisiert Maxim Kleine von der Kanzlei Norton Rose Fulbright.

Das Ende eines deutschen Wirtschaftswunders
Wo alles begann
1 von 14

1880 tritt Josef Kaiser in das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen ein. Gekauft und verkauft wird, was für den Lebensunterhalt notwendig ist: Salz, Zucker, Mehl und Grieß. Kaffee wird nur von gut betuchten Kunden gekauft, die ihn zu Hause selbst rösten.

Frisch gerösteter Kaffee
2 von 14

1882 bietet Josef Kaiser seinen Kunden den ersten selbst gerösteten Kaffee an. Die Vorteile: Das Aroma ist besser und er ist in unterschiedlichen Mischungen und Qualitäten erhältlich. Geröstet wird der erste Kaffee in einer Röstpfanne auf einem gusseisernen Herd im eigenen Geschäft. Schon bald reicht das nicht mehr aus. Die Industrialisierung bringt Wohlstand. Der Kaffeekonsum in Deutschland steigt.

Geschwindigkeitspionier
3 von 14

Josef Kaiser baut ein Filialnetz auf. 1889 besitzt Kaiser´s bereits 253 Niederlassungen. Schwerpunkt: das aufstrebende Ruhrgebiet, das Rheinland sowie Südwestdeutschland. Um die Belieferung aller Filialen zu gewährleisten, setzt Kaiser´s als eines der ersten deutschen Unternehmen „schnelle“ Lastautos ein. Deren Spitzengeschwindigkeit beträgt zwölf Stundenkilometer. Eine Kutsche braucht doppelt so lange.

Der Patron
4 von 14

1899 wird Josef Kaiser Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Kaiser´s Kaffee-Geschäft GmbH. Ab sofort bestimmt er die zukünftige Entwicklung seines eigenen Unternehmens. Die Marschrichtung ist klar: weiteres Wachstum. 1910 ist Kaiser´s das größte Kaffeegeschäft Deutschlands und besitzt 1.250 Filialen – mehr als seine beiden größten Konkurrenten Buchthals Kaffeemagazin, Dortmund (500 Filialen) und Emil Tengelmann, Mühlheim/R. (400 Filialen) zusammen.

Die lachende Kaffeekanne
5 von 14

Josef Kaiser hat die Idee eine Kaffeekanne als Firmenlogo einzusetzen. Paul Böhm modifiziert sie 1904 zur lachenden Kaffeekanne. Sie wird zum Markenzeichen aller Kaiser´s Filialen. 1914 entwickelt Prof. Peter Behrens (Mitglied des deutschen Werkbundes) die heutige Form der lachenden Kaffeekanne.

Belegschaft der Schokoladenfabrik und Bäckerei in Viersen
6 von 14

1912 stehen 3.810 Mitarbeiter bei Kaiser´s in Lohn und Brot. Für die macht Josef Kaiser viel: Es existieren eine Betriebs- und Unterstützungskrankenkasse, sowie eine Altersvorsorge- und Geschäftssparkasse. 1910 gründet Kaiser´s die Julie-Kaiser-Stiftung für Wöchnerinnen.

Erster Weltkrieg
7 von 14

Im Krieg verliert das Unternehmen rund 200 Filialen. Andere werden stark zerstört.

Bei den Auflagen, die der Minister für die Übernahme gemacht, handelt es sich weitgehend um Maßnahmen, die den Erhalt der bisher rund 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann garantieren sollen. So wird darin gefordert, dass Edeka für die übernommenen Mitarbeiter einen Tarifvertrag mit den Gewerkschaften abschließt, der sicherstellt, dass für alle Beschäftigten mindestens fünf weitere Jahre Tariflöhne gezahlt werden und dass die Betriebsratsstrukturen erhalten bleiben. Die Übernahme darf erst vollzogen werden, wenn die Bedingungen erfüllt sind.

Startseite

Mehr zu: Kaiser's Tengelmann - Edeka hält sich die Hintertür offen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%