Kaiser's Tengelmann

Edeka und Verdi setzen Auflagen für Supermarkt-Fusion um

Vorerst ist die Sondererlaubnis zum Verkauf von Kaiser's Tengelmann an Edeka, die Bundeswirtschaftsminister Gabriel erteilt hat, kassiert. Verdi und Edeka haben die Auflagen für die Supermarktfusion bereits erfüllt.
Leuchtreklame der Supermärkte Edeka und Kaiser's Tengelmann. Die Auflagen von Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel sollen abgearbeitet sein. Quelle: dpa
Supermarktfusion

Leuchtreklame der Supermärkte Edeka und Kaiser's Tengelmann. Die Auflagen von Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel sollen abgearbeitet sein.

(Foto: dpa)

DüsseldorfVerdi und Edeka haben die Auflagen der juristisch umstrittenen Ministererlaubnis für die Fusion der Supermarktkette mit Kaiser's Tengelmann abgearbeitet. Beide Seiten erzielten auch bei Tarifgesprächen für den Logistik-Standort Nieder-Olm in Rheinland-Pfalz eine Übereinkunft, die unter anderem betriebsbedingte Kündigungen über fünf Jahre ausschließt, wie Verdi am Dienstag mitteilte. Zuvor war dies bereits in Berlin und Brandenburg, Bayern sowie Nordrhein-Westfalen gelungen – damit seien Gabriels Auflagen tarifvertraglich erfüllt. Die Einigung steht indes unter dem Vorbehalt, dass die Ministererlaubnis zum Verkauf von Kaiser's Tengelmann an Edeka in Kraft tritt. Diese steht aber auf der Kippe. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte die Sondererlaubnis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel vorerst gestoppt. Bleibt es dabei, ist auch die Einigung zwischen Verdi und Edeka Makulatur.

Gabriel hatte mit seiner Ministererlaubnis die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch den Branchenführer Edeka gestattet und damit ein Verbot durch das Bundeskartellamt aufgehoben. Die Sondererlaubnis ist aber mit Auflagen verknüpft, die auf den Erhalt von Arbeitsplätzen abzielen. Auf diese verständigten sich Edeka und die Arbeitnehmer nun.

Das Ende eines deutschen Wirtschaftswunders
Wo alles begann
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1880 tritt Josef Kaiser in das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen ein. Gekauft und verkauft wird, was für den Lebensunterhalt notwendig ist: Salz, Zucker, Mehl und Grieß. Kaffee wird nur von gut betuchten Kunden gekauft, die ihn zu Hause selbst rösten.

Frisch gerösteter Kaffee
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1882 bietet Josef Kaiser seinen Kunden den ersten selbst gerösteten Kaffee an. Die Vorteile: Das Aroma ist besser und er ist in unterschiedlichen Mischungen und Qualitäten erhältlich. Geröstet wird der erste Kaffee in einer Röstpfanne auf einem gusseisernen Herd im eigenen Geschäft. Schon bald reicht das nicht mehr aus. Die Industrialisierung bringt Wohlstand. Der Kaffeekonsum in Deutschland steigt.

Geschwindigkeitspionier
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Josef Kaiser baut ein Filialnetz auf. 1889 besitzt Kaiser´s bereits 253 Niederlassungen. Schwerpunkt: das aufstrebende Ruhrgebiet, das Rheinland sowie Südwestdeutschland. Um die Belieferung aller Filialen zu gewährleisten, setzt Kaiser´s als eines der ersten deutschen Unternehmen „schnelle“ Lastautos ein. Deren Spitzengeschwindigkeit beträgt zwölf Stundenkilometer. Eine Kutsche braucht doppelt so lange.

Der Patron
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1899 wird Josef Kaiser Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Kaiser´s Kaffee-Geschäft GmbH. Ab sofort bestimmt er die zukünftige Entwicklung seines eigenen Unternehmens. Die Marschrichtung ist klar: weiteres Wachstum. 1910 ist Kaiser´s das größte Kaffeegeschäft Deutschlands und besitzt 1.250 Filialen – mehr als seine beiden größten Konkurrenten Buchthals Kaffeemagazin, Dortmund (500 Filialen) und Emil Tengelmann, Mühlheim/R. (400 Filialen) zusammen.

Die lachende Kaffeekanne
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Josef Kaiser hat die Idee eine Kaffeekanne als Firmenlogo einzusetzen. Paul Böhm modifiziert sie 1904 zur lachenden Kaffeekanne. Sie wird zum Markenzeichen aller Kaiser´s Filialen. 1914 entwickelt Prof. Peter Behrens (Mitglied des deutschen Werkbundes) die heutige Form der lachenden Kaffeekanne.

Belegschaft der Schokoladenfabrik und Bäckerei in Viersen
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1912 stehen 3.810 Mitarbeiter bei Kaiser´s in Lohn und Brot. Für die macht Josef Kaiser viel: Es existieren eine Betriebs- und Unterstützungskrankenkasse, sowie eine Altersvorsorge- und Geschäftssparkasse. 1910 gründet Kaiser´s die Julie-Kaiser-Stiftung für Wöchnerinnen.

Erster Weltkrieg
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Im Krieg verliert das Unternehmen rund 200 Filialen. Andere werden stark zerstört.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte die Sondererlaubnis in einer Eilentscheidung am 12. Juli für rechtswidrig erklärt und sie zunächst außer Kraft gesetzt. Sollte es statt der Fusion zur Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann kommen, seien bis zu 8000 der 16.000 Arbeitsplätze in Gefahr, verteidigte Gabriel seine Entscheidung. Das Bundeswirtschaftsministerium und Edeka gehen vor dem Bundesgerichtshof gegen die Entscheidung des OLG Düsseldorf vor.

  • rtr
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