Kaiser's Tengelmann

Entscheidung über Zerschlagung vermutlich erst in Wochen

Tengelmanns Miteigentümer Haub schließt eine Rettung der Supermarktkette erst mit Verkauf von der erster Filiale aus. Bis eine endgültige Entscheidung fällt, könnten noch einige Wochen vergehen.
Die finale Entscheidung über die Zukunft der Supermarktkette könnte erst in einigen Wochen getroffen werden. Quelle: dpa
Kaiser's Tengelmann

Die finale Entscheidung über die Zukunft der Supermarktkette könnte erst in einigen Wochen getroffen werden.

(Foto: dpa)

EssenBis zur endgültigen Entscheidung über die Zerschlagung der verlustreichen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann können vermutlich noch einige Wochen vergehen. Das "Zeitfenster" für eine doch noch mögliche Rettung schließe sich erst, wenn die erste Filiale verkauft sei, sagte Tengelmann-Miteigentümer Karl-Erivan Haub der "Westdeutschen Allgemeinen" vom Samstag. Das werde einige Wochen in Anspruch nehmen.

Haub hatte nach dem Scheitern von Rettungsgesprächen mit Supermarktchefs angekündigt, ab kommender Woche nach Käufern für Filialen in der Region Nordrhein zu suchen. Er zeigte sich in der "WAZ" dennoch offen für Alternativen. "Ich bin bis zur letzten Minute offen für eine einvernehmliche Lösung, die Kaiser's Tengelmann als Ganzes und damit alle Arbeitsplätze erhält", betonte er. Dies sei von Anfang an sein "oberstes Ziel" gewesen.

Das Ende eines deutschen Wirtschaftswunders
Wo alles begann
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1880 tritt Josef Kaiser in das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen ein. Gekauft und verkauft wird, was für den Lebensunterhalt notwendig ist: Salz, Zucker, Mehl und Grieß. Kaffee wird nur von gut betuchten Kunden gekauft, die ihn zu Hause selbst rösten.

Frisch gerösteter Kaffee
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1882 bietet Josef Kaiser seinen Kunden den ersten selbst gerösteten Kaffee an. Die Vorteile: Das Aroma ist besser und er ist in unterschiedlichen Mischungen und Qualitäten erhältlich. Geröstet wird der erste Kaffee in einer Röstpfanne auf einem gusseisernen Herd im eigenen Geschäft. Schon bald reicht das nicht mehr aus. Die Industrialisierung bringt Wohlstand. Der Kaffeekonsum in Deutschland steigt.

Geschwindigkeitspionier
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Josef Kaiser baut ein Filialnetz auf. 1889 besitzt Kaiser´s bereits 253 Niederlassungen. Schwerpunkt: das aufstrebende Ruhrgebiet, das Rheinland sowie Südwestdeutschland. Um die Belieferung aller Filialen zu gewährleisten, setzt Kaiser´s als eines der ersten deutschen Unternehmen „schnelle“ Lastautos ein. Deren Spitzengeschwindigkeit beträgt zwölf Stundenkilometer. Eine Kutsche braucht doppelt so lange.

Der Patron
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1899 wird Josef Kaiser Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Kaiser´s Kaffee-Geschäft GmbH. Ab sofort bestimmt er die zukünftige Entwicklung seines eigenen Unternehmens. Die Marschrichtung ist klar: weiteres Wachstum. 1910 ist Kaiser´s das größte Kaffeegeschäft Deutschlands und besitzt 1.250 Filialen – mehr als seine beiden größten Konkurrenten Buchthals Kaffeemagazin, Dortmund (500 Filialen) und Emil Tengelmann, Mühlheim/R. (400 Filialen) zusammen.

Die lachende Kaffeekanne
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Josef Kaiser hat die Idee eine Kaffeekanne als Firmenlogo einzusetzen. Paul Böhm modifiziert sie 1904 zur lachenden Kaffeekanne. Sie wird zum Markenzeichen aller Kaiser´s Filialen. 1914 entwickelt Prof. Peter Behrens (Mitglied des deutschen Werkbundes) die heutige Form der lachenden Kaffeekanne.

Belegschaft der Schokoladenfabrik und Bäckerei in Viersen
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1912 stehen 3.810 Mitarbeiter bei Kaiser´s in Lohn und Brot. Für die macht Josef Kaiser viel: Es existieren eine Betriebs- und Unterstützungskrankenkasse, sowie eine Altersvorsorge- und Geschäftssparkasse. 1910 gründet Kaiser´s die Julie-Kaiser-Stiftung für Wöchnerinnen.

Erster Weltkrieg
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Im Krieg verliert das Unternehmen rund 200 Filialen. Andere werden stark zerstört.

Für die Komplettübernahme kommt für Haub nur der Marktführer Edeka in Betracht. Das Geschäft wurde vor mehr als zwei Jahren angebahnt und trotz eines Verbots des Bundeskartellamts durch eine Sondergenehmigung von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ermöglicht. Gegen die Entscheidung klagen die Konkurrenten Rewe, Norma und Markant. Die Rücknahme der Beschwerden war Ziel der letztlich gescheiterten Rettungsgespräche auf Initiative von Verdi.

Kaiser's Tengelmann ist laut Haub monatlich mit fast zehn Millionen Euro in den roten Zahlen. Bei einer Zerschlagung sieht er bundesweit bis zu 8.000 der inzwischen nicht mehr ganz 16.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Von den 105 Supermärkten in Nordrhein-Westfalen räumt er nur einem Bruchteil Zukunftschancen ein. "Ich wäre froh, wenn wir für 30 bis 40 Filialen Betreiber finden", sagte er der "WAZ".

  • afp
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