Kaiser's Tengelmann
Hartes Ringen um einen Kompromiss

Die Beschäftigten der angeschlagenen Supermarktkette müssen weiter um ihre Jobs zittern. Eine Lösung ist entgegen eines anders lautenden Medienberichts noch nicht in Sicht – und wohl auch für Montag nicht zu erwarten.

DüsseldorfDie Zukunft der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann mit ihren 15.000 Beschäftigten bleibt offen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa sind vor einer Einigung zwischen Rewe, Edeka und Tengelmann weiter hohe Hürden zu überwinden. Es gebe noch keine Einigung zu den Kaiser's-Tengelmann-Filialen in Berlin und Bayern, sagte ein Insider am Sonntag der dpa. Auch zu den Filialen in Nordrhein-Westfalen ist nach diesen Informationen noch keine Lösung in Sicht.

Zuvor hatte die Zeitung „Bild am Sonntag“ von einer Einigung in Bayern und Berlin berichtet. Rewe soll demnach den Großteil der Tengelmann-Märkte in der Hauptstadt und Edeka im Gegenzug fast alle Filialen in Bayern erhalten. Die beiden Supermarktkonzerne erhielten die Filialen allerdings nur, wenn sie sich auf eine Aufteilung des maroden NRW-Geschäfts von Kaiser's Tengelmann einigen könnten. Diese gebe es aber bislang nicht. Die beteiligten Unternehmen waren zunächst nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Die Nachrichtenagentur afp berichtet, in den Gesprächen unter Führung von Altbundeskanzler Gerhard Schröder gebe es bisher nur einen Lösungsvorschlag, wie die Filialen in Nordrhein-Westfalen zwischen Edeka und Rewe aufgeteilt werden könnten. Hier betreibt die Tengelmann-Gruppe derzeit noch 105 Kaiser's-Tengelmann-Filialen. Viele dieser Supermärkte befinden sich im ländlichen Raum und sind klein und alt. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub hatte erst kürzlich eingeräumt, dass die Märkte in der Region Nordrhein "in allergrößter Not" seien. Sie sind in den Gesprächen über eine Aufteilung der Kette zwischen Edeka und Rewe am wenigsten lukrativ. Nur zu diesen Filialen leige ein Angebot zur Aufteilung zwischen Edeka und Rewe vor, berichtet afp. Dabei sei allerdings unklar, ob die Unternehmen dieses auch tatsächlich annehmen. Von einer Einigung zu NRW könne deshalb noch nicht gesprochen werden.

Die rund 15 000 Beschäftigten der Supermarktkette müssen damit weiter um ihre Arbeitsplätze bangen. Am Donnerstag hatte auch ein zweites Treffen der Chefs von Tengelmann, Edeka und Rewe unter Vermittlung von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) nicht zu einer Einigung geführt. Nach früheren Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums, das bei der Verständigung auf das Schlichtungsverfahren eine wichtige Rolle gespielt hatte, sollen die Gespräche am Montag fortgesetzt werden.

Am ersten Tag der Verhandlungen war es Schröder in den an einem geheimen Ort stattfindenden Gesprächen gelungen, zumindest etwas Bewegung in die verhärteten Fronten zu bringen. Nach dpa-Informationen wurde das Bundeskartellamt gebeten zu prüfen, welche Kaiser's Tengelmann-Filialen im Großraum Berlin und in Nordrhein-Westfalen Rewe ohne kartellrechtliche Probleme übernehmen könne.

Eine Aufteilung der Kaiser's Tengelmann-Filialen auf Edeka und Rewe war auch bei früheren Verhandlungen schon einmal als Ausweg aus dem Dauerstreit um die Supermarktkette diskutiert worden. Doch konnten sich die verfeindeten Handelskonzerne damals nicht einigen.

Vor Beginn der Gespräche waren die Positionen der beiden Parteien denkbar weit voneinander entfernt. Während Rewe-Chef Caparros öffentlich „einen großen Teil des Filialnetzes“ von Kaiser's Tengelmann für sein Unternehmen forderte, favorisierten Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub und Edeka-Chef Mosa eine Komplettübernahme durch Edeka.

Kaiser's Tengelmann beschäftigt heute in gut 400 Filialen in München und Oberbayern, im Großraum Berlin und im Rheinland noch rund 15.000 Mitarbeiter. Doch schreibt die Supermarktkette schon seit der Jahrtausendwende rote Zahlen. Miteigentümer Karl-Erivan Haub hatte deshalb vor zwei Jahren beschlossen, das Unternehmen Edeka zu verkaufen.

Für die Dauer des Schlichtungsverfahrens soll keine Kaiser's-Tengelmann-Filiale an Dritte verkauft werden. Damit ist die bereits eingeleitete Zerschlagung der Supermarktkette vorerst gestoppt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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