Kaiser's Tengelmann

Schröder soll als Schlichter eine Lösung finden

Überraschende Wende im Ringen um die Zukunft von Kaiser's Tengelmann: Ein Schlichtungsverfahren unter Führung von Altkanzler Gerhard Schröder soll eine Lösung bringen. Der Vorschlag kam von Wirtschaftsminister Gabriel.
Update: 24.10.2016 - 19:35 Uhr

Kann Schröder endlich schlichten?

Kann Schröder endlich schlichten?

Berlin/MülheimDas schwierige Ringen um die Zukunft der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann nimmt eine unerwartete Wende. Ein Schlichtungsverfahren soll eine Lösung im festgefahrenen Konflikt um die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann bringen. Auf Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und dem Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske hätten sich Edeka, Tengelmann und Rewe heute auf ein solches Verfahren unter Leitung des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder verständigt, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Verdi und dem Bundeswirtschaftsministerium am Montagabend.

Ebenfalls an Bord geholt werde der langjährige Vorsitzende des Sachverständigenrates und Präsident des Handelsblatt Research Instituts, Bert Rürup. „Für die Unternehmen werden die Vorstandsvorsitzenden an der Mediation teilnehmen“, hieß es weiter. Ziel der Mediation es, auf der Grundlage der von Gabriel erteilten Ministererlaubnis für die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka zeitnah einen Interessenausgleich zwischen den Beteiligten zu ermöglichen. „Für die Dauer des Verfahrens wird keine Übergabe von Tengelmann-Filialen an Dritte erfolgen und ist zwischen den Parteien Stillschweigen vereinbart“, heißt es in der Mitteilung. Damit ist die Zerschlagung der kriselnden Kette zunächst gestoppt.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte dem Handelsblatt am Montagabend: „Wir begrüßen die Einigung, ein Schlichtungsfahren durchzuführen. Wir hoffen, dass es zu einer einvernehmlichen Lösung kommt, die im Sinne der Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann ist.“

Verdi-Chef Frank Bsirske hat die Verständigung auf ein gemeinsames Schlichtungsverfahren „als ein wichtiges Signal“ begrüßt. Bsirske wertete die aktuelle Verständigung als Indiz dafür, dass alle bereit seien, aufeinander zuzugehen und einen fairen Interessenausgleich anzustreben. „Dafür spricht auch, dass die Vorstandsvorsitzenden aller beteiligten Unternehmen Gerhard Schröder als Mediator sofort akzeptiert haben“, so der Verdi-Vorsitzende.

Zuvor war das Ringen um die Kette am Montag weitergegangen. Gabriel nahm nach wie vor an Gesprächen mit den Parteien teil, sagte eine Sprecherin seines Ressorts am Montag in Berlin. Ihm sei es sehr wichtig, dass eine Lösung gefunden werde.

Am Wochenende war erneut ein wenig Bewegung in die zuletzt verhärteten Fronten gekommen. Nach der Discount-Kette Norma hatte sich auch der Konkurrent Markant zur Rücknahme der Klage gegen die umstrittene Ministererlaubnis für einen Verkauf der Supermarktkette an Edeka bereiterklärt, wie Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub am Sonntagabend mitteilte. „Damit haben zwei der drei Beschwerdeführer innerhalb der letzten vier Tage den Weg frei gemacht zur Rettung der 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann“, sagte der Unternehmer.

Vollzogen werden kann die Übernahme aber auch weiterhin nicht, solange der Edeka-Rivale Rewe als dritter Kläger an seiner Beschwerde gegen die Ministererlaubnis festhält. Die Hürden für eine Einigung mit Rewe scheinen sehr hoch. Die soll nun in den Schlichtungsgesprächen gefunden werden. Ein Vollzug der Ministererlaubnis würde allen Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann eine fünfjährige Arbeitsplatzgarantie sichern. Kaiser's Tengelmann betreibt im Großraum Berlin, in München und Oberbayern sowie in Nordrhein-Westfalen noch gut 400 Filialen. Die Kette schreibt seit Jahren rote Zahlen.

Das Ende eines deutschen Wirtschaftswunders
Wo alles begann
1 von 14

1880 tritt Josef Kaiser in das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen ein. Gekauft und verkauft wird, was für den Lebensunterhalt notwendig ist: Salz, Zucker, Mehl und Grieß. Kaffee wird nur von gut betuchten Kunden gekauft, die ihn zu Hause selbst rösten.

Frisch gerösteter Kaffee
2 von 14

1882 bietet Josef Kaiser seinen Kunden den ersten selbst gerösteten Kaffee an. Die Vorteile: Das Aroma ist besser und er ist in unterschiedlichen Mischungen und Qualitäten erhältlich. Geröstet wird der erste Kaffee in einer Röstpfanne auf einem gusseisernen Herd im eigenen Geschäft. Schon bald reicht das nicht mehr aus. Die Industrialisierung bringt Wohlstand. Der Kaffeekonsum in Deutschland steigt.

Geschwindigkeitspionier
3 von 14

Josef Kaiser baut ein Filialnetz auf. 1889 besitzt Kaiser´s bereits 253 Niederlassungen. Schwerpunkt: das aufstrebende Ruhrgebiet, das Rheinland sowie Südwestdeutschland. Um die Belieferung aller Filialen zu gewährleisten, setzt Kaiser´s als eines der ersten deutschen Unternehmen „schnelle“ Lastautos ein. Deren Spitzengeschwindigkeit beträgt zwölf Stundenkilometer. Eine Kutsche braucht doppelt so lange.

Der Patron
4 von 14

1899 wird Josef Kaiser Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Kaiser´s Kaffee-Geschäft GmbH. Ab sofort bestimmt er die zukünftige Entwicklung seines eigenen Unternehmens. Die Marschrichtung ist klar: weiteres Wachstum. 1910 ist Kaiser´s das größte Kaffeegeschäft Deutschlands und besitzt 1.250 Filialen – mehr als seine beiden größten Konkurrenten Buchthals Kaffeemagazin, Dortmund (500 Filialen) und Emil Tengelmann, Mühlheim/R. (400 Filialen) zusammen.

Die lachende Kaffeekanne
5 von 14

Josef Kaiser hat die Idee eine Kaffeekanne als Firmenlogo einzusetzen. Paul Böhm modifiziert sie 1904 zur lachenden Kaffeekanne. Sie wird zum Markenzeichen aller Kaiser´s Filialen. 1914 entwickelt Prof. Peter Behrens (Mitglied des deutschen Werkbundes) die heutige Form der lachenden Kaffeekanne.

Belegschaft der Schokoladenfabrik und Bäckerei in Viersen
6 von 14

1912 stehen 3.810 Mitarbeiter bei Kaiser´s in Lohn und Brot. Für die macht Josef Kaiser viel: Es existieren eine Betriebs- und Unterstützungskrankenkasse, sowie eine Altersvorsorge- und Geschäftssparkasse. 1910 gründet Kaiser´s die Julie-Kaiser-Stiftung für Wöchnerinnen.

Erster Weltkrieg
7 von 14

Im Krieg verliert das Unternehmen rund 200 Filialen. Andere werden stark zerstört.

Die Situation im Kampf um die Supermarktkette war festgefahren. Zwar hatte Bundeswirtschaftsminister Gabriel die Übernahme der Märkte durch den Konkurrenten Edeka unter Auflage einer Arbeitsplatzgarantie erlaubt. Doch das Oberlandesgericht hatte die Erlaubnis außer Kraft gesetzt. Zuletzt hatte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub damit gedroht, die Kette zu zerschlagen.

Mit Material von dpa

Startseite

Mehr zu: Kaiser's Tengelmann - Schröder soll als Schlichter eine Lösung finden

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%