Kaiser’s Tengelmann vor der Zerschlagung
„Die Mitarbeiter fühlen sich verraten“

Das Drama um Kaiser’s Tengelmann geht weiter: Rewe-Chef Caparros bringt einen Vermittler ins Spiel. Unterdessen gibt Tengelmann-Eigentümer Haub Details zur Aufspaltung preis. Was Betriebsratschef Schick erwartet.
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Mülheim/DüsseldorfRewe-Chef Alain Caparros hat einen neuen Anlauf gestartet, um den Streit um die Übernahme der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann beizulegen. „Wir sind zu einem letzten Versuch einer Einigung bereit“, sagte Caparros am Freitag.

An einer solchen Verhandlungsrunde könnten Verhandlungsteams der beteiligten Parteien teilnehmen, diese gebe es bereits. Zudem solle es einen neutralen Vermittler geben: „Es muss ein Mediator dabei sein, der Kompetenz sowie Autorität hat und neutral ist“, forderte Caparros. „Das könnte zum Beispiel Bundeswirtschaftsminister Gabriel sein.“ Es könne aber auch eine andere Person die Rolle des Vermittlers übernehmen. „Dann könnten wir einen letzten Einigungsversuch unternehmen“, sagte Caparros.

Unterdessen teilt eine Tengelmann-Sprecherin Details über eine mögliche Zerschlagung der Supermarktkette mit. Nach den gescheiterten Vermittlungsgesprächen soll diese rasch anlaufen. Die Liste der zunächst zur „Verwertung“ anstehenden Filialen werde voraussichtlich in der kommenden Woche an die Interessenten verschickt, damit diese ihre Gebote vorlegen könnten, erklärte die Sprecherin.

Noch bleibe jedoch Zeit für Rewe, Norma und Markant, ihre Beschwerde gegen die geplante Übernahme von Tengelmann durch Edeka beim Oberlandesgericht Düsseldorf zurückzunehmen, sagte sie. Ein von Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub angesprochenes Zeitfenster dazu bleibe bis zur Auflösung des Vertrags über eine Übernahme durch Edeka bestehen. Zur Frage, wie lange ein solcher Schritt in Anspruch nehmen könnte, wollte die Sprecherin keine Stellung nehmen.

Zuvor hatte Tengelmann-Eigentümer Haub einer erneuerten und erweiterten Übernahmeofferte von Rewe-Chef Caparros eine Absage erteilt. Letztgenannter wollte die angeschlagene Supermarktkette Kaiser's Tengelmann als Ganzes übernehmen – samt der Verwaltung, der Logistik, der Läger und den Fleischwerke. Dabei wolle er alle Arbeitsplätze erhalten und die Konditionen, die Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgegeben hatte, erfüllen.

Rewe hätte ab sofort alle Verluste der Kette auf sich nehmen wollen – obwohl das Bundeskartellamt erst langwierig prüfen würde. Schließlich war es die Bonner Behörde, die den Verkauf zunächst gestoppt hatte.

Rewe ist zwar kleiner als Edeka, aber als Marktzweiter immer noch eine Macht. Laut aktuellen Studien gäbe es auch bei dem Kölner Händler Kartellprobleme – vor allem in NRW.

Und auf diesen Punkt wies auch eine Tengelmann-Sprecherin am Freitag hin: „Das Angebot ist unseriös wie alle bisherigen Angebote von Rewe.“ Die Offerte lasse sich nicht umsetzen: „Auch Rewe kommt nicht am Kartellamt vorbei“, betonte sie. Für Tengelmann brächte eine Transaktion keine rechtliche Sicherheit.

Die Tengelmann-Sprecherin warf Rewe indes vor, bei den Verhandlungen zur Rettung von Kaiser's Tengelmann versucht zu haben, an Datenmaterial der Kette zu gelangen, um Informationen für eine Übernahme einzelner Teile zu sammeln. Rewe hatte die Kritik zurückgewiesen. Tengelmann appelliere zudem an Rewe, Markant und Norma, ihrer sozialen Verantwortung nachzukommen und die Klagen gegen die Ministererlaubnis für eine Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka zurückzuziehen. Nur so ließen sich die Arbeitsplätze bei der defizitären Kette erhalten.

Während die Zerschlagung einer der traditionsreichsten deutschen Supermarktketten nun doch besiegelt scheint, gibt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) den Kampf um ein Fortbestehen von Kaiser's Tengelmann noch nicht verloren. Nach „Tagesspiegel“-Informationen aus Verdi-Kreisen will Gabriel am Freitag alle Beteiligten eindringlich bitten, einen erneuten Einigungsversuch zu unternehmen. Das sei mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abgesprochen.

Auch die Betriebsräte hoffen noch auf eine Einigung. So wie der Betriebsratschef der Region Bayern, Manfred Schick im Interview.

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„Die Geschäftsführung trägt eine gehörige Mitschuld“

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  • Auf die Idee, dass eine Pleite und Verwertung einer Firma völlig normal ist, kommen sie offenbar nicht mehr. Das nennt sich Marktwirtschaft.

  • Der Dank für die Steuersenkungen im Jahr 2000 waren dann Agenda 2010, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Leiharbeitsboom bei befristeter Beschäftigung und Aushöhlung der Tarifverträge. Dazu jahrelange Reallohnstagnation und Reallohnverluste vor allem für die mittleren und unteren Einkommensbezieher.
    Hinzu kamen Rentenkürzungen, Kürzungen im Gesundheitssystem inkl. Zuzahlungen und die Hartz IV Gesetzgebung, die Menschen komplett dem sozialen Abstieg und der gesellschaftlichen Ausgrenzung preisgab. Ich sage es Ihnen offen und ehrlich, ich hasse miuttlerweile diesen Staat und ich hasse die Medien, die diesen Politikern und seiner Lobbyistenbagage seit jahren nach dem Mund schrieben und weiter schreiben. Diese ganzen Wirtschaftsexperten und Chefökonomen, die noch niemals in einer prekären Lebenssituation waren, aber immer genau wissen, was man den Menschen, die in solchen schwierigen Lebensumständen leben, noch so alles zumuten kann. Die jetzigen Probleme sind nur eine Entwicklung der jahrelangen politiischen Fehlentscheidungen, die sich jetzt Bann brechen. Zurecht, wenn man sich die Entwicklungen der Vergangenheit ansieht.

  • @Trautmann
    aus meiner Sicht sind es 2 Probleme die hier dazu beitragen:
    1. Kapitallose aktivisten sitzen am Steuer.
    Diese Schmarotzer haben selbst nie eine Leistung erbracht und denken sie sind die Kings. Ich bin davon überzeugt dass nur ein geringer Teil dieser Arbeitnehmer qualifiziert ist. Das Wohlwollen der Gesamtheit im Blick haben. hinzu kommt der unglaubliche Usus dass diese Leute nicht Haften müssen für den Dreck den sie verbrechen. Aus diesem Grund aggieren sie wie sie es tun. Verlierer die aufgrund ihrer Bildung denken sie seien jemand. Aber Unternehmer kann man nicht erlernen.
    2. Zinseszins. Das Kapital ist die zweite Ursache und dessen Verzinsung.

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