Kaiser's-Tengelmann-Zerschlagung
„Das ist ein Horrorszenario“

Entsetzen bei Kaiser's Tengelmann: Nach dem abrupten Scheitern der Verhandlungen um einen Verkauf der Supermarktkette blicken deren Beschäftigte in eine ungewisse Zukunft. Der Betriebsrat übt harsche Kritik.

DüsseldorfDie Mitarbeiter von Kaiser's Tengelmann haben mit Entsetzen auf das Scheitern der Gespräche über eine Rettung der angeschlagenen Supermarktkette reagiert. „Wir waren guter Dinge, jetzt sind wir am Boden zerstört“, sagte der Betriebsratsvorsitzende der Kette in Nordrhein-Westfalen, Rainer Schroers, den „Ruhr Nachrichten“ vom Freitag. „Ich bin wie vor den Kopf gestoßen. Das ist ein Horrorszenario.“

Für die mehr als 15.000 Arbeitnehmer sei es noch völlig unklar, wie es nun weitergehen solle. Die Belegschaft rätsele auch, wie viele Arbeitsplätze bei einer Zerschlagung wegfallen würden.

Auch der Chef des Kaiser's-Tengelmann-Betriebsrats in Bayern, Manfred Schick, reagierte enttäuscht. „Man hat nicht alles versucht in den Verhandlungen an diesem sogenannten runden Tisch, um eine für die Beschäftigten und ihre Arbeitsplätze gute Lösung zu finden“, sagte er im Bayerischen Rundfunk. „Hier stellt man eindeutig finanzielle Interessen in den Mittelpunkt und nicht die Beschäftigten.“

Die Gewerkschaft Verdi hofft trotz des Abbruchs der Spitzengespräche um Kaiser's Tengelmann weiter auf eine Rettung der Supermarktkette. „Verdi wird auch jetzt noch alles daran setzen, eine Zerschlagung des Unternehmens zu verhindern“, erklärte Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Freitag.

„Wir erwarten, dass alle Beteiligten dazu ihren Beitrag leisten, auf der Basis der Ministererlaubnis und damit der Tarifverträge zu einer Lösung zu finden“, appellierte sie an Edeka, Tengelmann und Rewe. „Es laufen noch Gespräche zwischen uns und den beteiligten Unternehmen“, sagte eine Verdi-Sprecherin.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub hatte die Mitarbeiter am Donnerstag in einem Schreiben über das Scheitern der Gespräche mit Edeka und Rewe sowie anderen Handelsunternehmen über die Zukunft von Kaiser's Tengelmann informiert.

„Für uns heißt das, dass wir jetzt mit der Vorbereitung der Einzelverwertung des Unternehmens beginnen müssen“, hatte Haub erklärt. Tengelmann werde in der kommenden Woche beginnen, für das Filialnetz in Nordrhein-Westfalen sowie die Fleischwerke in Viersen, Donauwörth und Perwenitz Interessensbekundungen einzuholen, kündigte Haub an. Bundeswirtschaftminister Sigmar Gabriel hatte bei allen Beteiligten nochmals ernsthafte Bemühungen angemahnt, eine tragfähige Lösung für die Mitarbeiter zu finden. In Branchenkreisen hieß es indes, es sei nicht zu erwarten, dass doch noch eine Lösung gefunden werde. Die Atmosphäre zwischen den Supermarktketten sei völlig vergiftet.

Edeka, Rewe und Tengelmann hatten am Donnerstagabend das Scheitern der Gespräche erklärt. Edeka und Tengelmann wiesen dabei Rewe die Schuld zu, die Kölner Handelsgruppe machte indes die Konkurrenten für das Scheitern verantwortlich.

Haub wollte Kaiser's Tengelmann an Edeka verkaufen, die Transaktion scheiterte letztlich aber trotz einer Sondererlaubnis Gabriels am Veto des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Unter anderem Rewe hatte dort geklagt.

Haub hatte erreichen wollen, dass Rewe, Norma und Markant ihre Klagen vor dem OLG zurückziehen. Berichten zufolge sollten sie im Gegenzug einen Teil der Kaiser's-Tengelmann-Filialen übernehmen. Auch von hohen Geldzahlungen war die Rede – die Gespräche darüber blieben aber ohne Erfolg. Nun sollen die Supermärkte verkauft werden. Das Filialnetz von Kaiser's Tengelmann umfasste Ende 2015 noch über 446 Märkte - 133 davon in Berlin, 188 in Bayern und 125 in Nordrhein-Westfalen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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