Kakaoverarbeiter
Barry Callebaut setzt auf Schokoladeappetit in Asien

Mit einem Milliardenzukauf in Asien steigt Barry Callebaut zum größten Kakaoverarbeiter der Welt auf. Dafür mussten die Zürcher tief in die Tasche greifen – sehr zum Missfallen ihrer Anleger.
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ZürichBarry Callebaut steigt mit einem Milliardenzukauf in Asien zum weltgrößten Kakaoverarbeiter auf. Mit der größten Akquisition in der Firmengeschichte baut der Marktführer bei Schokoladeprodukten seine Stellung in den Schwellenländern deutlich aus und verbreitert seine Rohstoffbasis. „Neben Westafrika wird Asien zu einer wichtigen Bezugsquelle für Kakao“, erklärte Konzernchef Jürgen Steinmann am Mittwoch. Vor allem in Asien und Lateinamerika verspricht er sich einen Absatzschub. Künftig werde der Schweizer Konzern nahezu ein Drittel seiner Produktion in Wachstumsregionen absetzen.

Die Zürcher kaufen der in Singapur ansässigen Firma Petra Foods für 950 Millionen Dollar deren Kakaogeschäft ab. Die Sparte Cocoa Ingredients erwirtschaftet mit 1700 Beschäftigen 1,3 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Die weltweit sieben Produktionsstätten haben eine Verarbeitungskapazität von 405.000 Tonnen Kakao. Petra Foods ist der größte Kakao-Lieferant in Asien und vertreibt mehr als 400 Produkte, darunter in Indonesien und auf den Philippinen bekannte Marken wie SilverQueen und Ceres. Zu den Kunden gehören Brancheriesen wie der Schweizer Nestle-Konzern, die britische Cadbury oder der Schokoriegel-Hersteller Mars.

Mit der Akquisition wird Barry Callebaut nach Steinmanns Worten zum größten Käufer von Kakaobohnen. Und künftig wird das Unternehmen dabei weniger von Lieferungen aus Westafrika abhängig sein. Aus dieser Region kommen 70 Prozent der Welt-Kakaoproduktion, doch vor allem das größte Herstellerland Elfenbeinküste wird immer wieder von Unruhen erschüttert.

Bei den Anlegern kam die Übernahme nicht gut an. Callebaut-Aktien fielen um 2,5 Prozent auf 917,50 Franken und waren damit der größte Verlierer unter den europäischen Nahrungsmittelwerten. Analysten sprachen von einem teuren Zukauf. „Strategisch scheint die Akquisition Sinn zu machen. Aber sie ist kein Schnäppchen“, erklärte Sarasin-Analyst Patrick Hasenböhler. Die Aktien von Petra Foods schossen in Singapur 20 Prozent hoch.

Callebaut-Chef Steinmann erklärte, die Wachstumsperspektiven rechtfertigten einen Aufpreis. „Wir kaufen eindeutig das Versprechen der aufstrebenden Märkte. Es ist ein hoher Preis, aber das ist es wert.“ Ab dem Geschäftsjahr 2014/15 soll der Zukauf den Gewinn je Aktie erhöhen. Nach der Konsolidierung des Zukaufs peilt Barry Callebaut jährlich ein Wachstum der Verkaufsmenge um sechs bis acht Prozent an. Der pro Tonne erzielte Betriebsgewinn soll im Geschäftsjahr 2015/16 wieder das Niveau erreichen, das er vor der Akquisition hatte. Im Ende August abgeschlossenen Geschäftsjahr waren es 256 Franken. Barry Callebaut setzt jährlich 1,4 Millionen Tonnen Schokolade- und Kakaoprodukte ab und erwirtschaftet damit 4,8 Milliarden Franken (vier Milliarden Euro) Umsatz.

Finanzieren will Barry Callebaut den Zukauf, der im Sommer kommenden Jahres abgeschlossen sein soll, durch eine Mischung aus Eigenkapital und Schulden. Finanzchef Victor Balli sieht dabei einen Kapitalbedarf von 300 Millionen Dollar.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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