Kampf gegen Absturz
Indiens Airline-Boom endet im Desaster

Auf Indiens Flugmarkt endet ein jahrelanger Boom im Crash. Hohe Spritpreise, Kreditklemme und Managementfehler zwingen Airlines zur Notlandung. Viele können kaum noch für Flugbenzin zahlen. Routenstreichungen, Allianzen und stornierte Flugzeugorder sollen das Schlimmste verhindern.

DELHI. "Nur wer Kosten senkt, überlebt", warnt Vijay Mallya, Brauerei-Tycoon und Chef von Kingfisher Airlines. Er steuerte Indiens zweitgrößte Fluglinie vorige Woche in eine Not-Allianz mit Marktführer Jet Airways. Zusammen kontrollieren beide 58 Prozent des Markts. Nun wollen die früheren Erzrivalen ihre Routennetze rationalisieren, Meilenprogramme zusammenlegen, Kerosin gemeinsam kaufen und Crews teilen. Das soll 300 Mio. Dollar sparen.

Jet schockte Indien vorige Woche sogar mit Massenentlassungen, die unter politischem Gegendruck aber sofort rückgängig gemacht wurden. 1 900 Mitarbeiter - 15 Prozent - sollten gehen. Ansonsten, drohte das Management, seien alle Jobs gefährdet. Am Tag darauf entschuldigte sich Gründer und Chairman Naresh Goyal bei den Entlassenen "für die erlittenen Schmerzen", beichtete Gewissensbisse und stellt sie wieder ein.

Viele halten das Drama für inszeniert: Die wirtschaftsfreundliche Zeitung "Indian Express" spricht von "zynischer Manipulation". Goyal kehre Jets Not nur heraus, um den Staat zu einer Rettungsaktion zu bewegen. Am Freitag versprach Luftfahrtminister Praful Patel tatsächlich Hilfe: Er will Steuern senken und Spritzahlungen stunden. Letzteres ist dringend nötig. Denn Jet, Kingfisher, Air India und Indian Airways kommen Zahlungsverpflichtungen bei staatlichen Ölfirmen nicht nach.

Die ganze Branche trudelt: Durch hohe Spritkosten, Überkapazitäten und einen schrumpfenden Markt drohen ihr in diesem Jahr bei sechs Mrd. Dollar Umsatz Verluste von zwei Mrd. Dollar, schätzen Experten vom Center for Asia Pacific Aviation (CAPA). Außer den USA stehe weltweit kein Flugmarkt vor ähnlichen Problemen. Zwar verteuern hohe Steuern und schlechte Infrastruktur das Fliegen in Indien unnötig. Aber Managementfehler erklären das Ausmaß der Krise. "Indien kennt nur Schönwetterflieger", kritisiert ein Analyst. Im Höhenrausch exponentiellen Wachstums habe niemand Turbulenzen eingeplant.

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