Kampf um Angleichung an Lufthansa-Löhne
Der Swiss droht ein Streik ihrer Piloten

Zwei Wochen nach der Ankündigung der Übernahme der Swiss durch die Deutsche Lufthansa müssen sich die Fluggesellschaften wohl mit einem ersten Streik auseinander setzen: 450 Swiss Piloten wollten gestern bis zum späten Abend darüber abstimmen, ob sie für ihre Forderungen in den Ausstand treten werden.

DÜSSELDORF/ZÜRICH. Nach Einschätzung von Christoph Frick, Präsident der Gewerkschaft Swiss Pilots, stehen die Chancen gut, dass die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit für einen Streik erreicht wird.

Damit sehen sich Lufthansa und Swiss vor eine Situation gestellt, die sie ursprünglich vermeiden wollten: Einzelne Unternehmensbereiche kämpfen mit Verweis auf jeweils andere vergleichbare Unternehmensteile um bessere Arbeitsbedingungen. So vergleicht Frick die Arbeitsbedingungen der Swiss-Piloten mit denen der deutschen Kollegen von Lufthansa City Line. „Wir sind schon jetzt 30 Prozent günstiger als die“, stellt er fest und weist damit weitere Einsparwünsche von Swiss-Chef Christoph Franz zurück. City Line gilt allerdings im Verbund Lufthansa Regional, zu dem auch Air Dolomiti, Eurowings, Contact Air und Augsburg Airways gehören, als die Fluglinie mit der ungünstigsten Kostenstruktur.

Bei deutschen Gewerkschaften stoßen solche Vergleiche auf Argwohn, weil sie tendenziell dazu führten, dass die eigenen Arbeitsbedingungen grundsätzlich infrage gestellt würden. Allen voran die von Lufthansa-Kapitänen dominierte Pilotenvereinigung Cockpit äußert sich kritisch: „Auf einen Wettbewerb, wer der billigste Anbieter ist, haben wir uns noch nie eingelassen. Und wir werden das auch in Zukunft nicht tun“, sagte deren Sprecher Markus Kirschneck. Ein Produktivitätsvergleich zwischen der Regionalsparte der Swiss und Lufthansa City Line sei nicht seriös: „Die Zahlen, nach denen City Line teurer fliegen soll, entbehren jeder Grundlage.“

Branchenexperten halten einen weiteren Kapazitätsabbau der Swiss-Flotte dennoch für zwingend – mit all ihren Verwerfungen, die so ein Vorgehen auch bei der Lufthansa zur Folge haben könnte. Ein weiteres Sparen bei den Schweizern sei Voraussetzung „für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Kranich und Schweizerkreuz“, heißt es in einer aktuellen Studie der Landesbank Baden-Württemberg. Swiss-Chef Franz weiß das. Er will deswegen die Zahl der zu den Swiss Pilots zählenden Flugkapitäne annähernd halbieren, die Produktivität der verbleibenden erhöhen und deren Löhne kürzen. Die Möglichkeit dazu besteht, wenn der derzeitig gültige Branchenvertrag mit den Piloten am 31. Oktober ausläuft. „Das Gesamtpaket ist völlig inakzeptabel“, sagt Frick. Er rechnet aber mit einer hohen Streikbereitschaft. Erhält die Gewerkschaft die erwartete Unterstützung, kann sie nach Fricks Auskunft „theoretisch schon heute“ mit einem Streik beginnen.

Die Swiss Pilots sind nicht die einzigen, die von den Sparplänen betroffen sind. Die Vertreter des SwissBodenpersonals haben sich bereits auf einen neuen Vertrag geeinigt, der Einsparungen zulässt, wenn auch andere Unternehmensbereiche mitziehen. Verhandlungen mit dem Kabinenpersonal laufen. Ein anderer Teil der Swiss-Piloten, der von der Vereinigung Aeropers vertreten wird, muss sich ebenfalls auf Sparbemühungen einstellen, wenn der entsprechende Vertrag Ende des Jahres ausläuft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%