Kampf unter Brauereien
Mit Durstlöschern gegen Bier-Müdigkeit

Bier mit Limo verkauft sich gut. Diese Erfahrung haben viele große Brauereien in den vergangenen Jahren gemacht. Pils und Alt mit Cola, Limo, Fruchtsaft oder Energie-Drinks boten und bieten den Unternehmen berauschende Zuwachsraten. Dieser Trend schwappt jetzt sogar auf den reinen Limonadenmarkt über.

HB KREUZTAL. Während der Gesamtabsatz der deutschen Brauereien 2005 nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 0,5 Prozent auf 105,3 Millionen Hektoliter Bier schrumpfte, schoss der Absatz von Mischungen aus Bier mit Limonade oder Cola um 15 Prozent kräftig nach oben.

Um noch wachsen zu können, sucht so manche Brauerei neue Wege außerhalb des schrumpfenden deutschen Biermarktes. Deutschlands zweitgrößte Privatbrauerei Krombacher gab am Freitag die Übernahme der Schweppes-Markenrechte für Deutschland und Österreich sowie der Deutschland-Vertriebsrechte für Orangina bekannt. So verdienen die Siegerländer künftig Geld mit Bitter Lemon und anderen alkoholfreien Durstlöschern. Erzrivale Warsteiner aus dem benachbarten Sauerland kaufte 2005 eines der größten Weingüter in Argentinien. Mit Guinness und Red Bull wurden außerdem Vertriebspartnerschaften geschlossen.

Auch die Mineralwasser-Marke Apollinaris hätte so mancher Brauer gern geschluckt. Doch gegen den US-amerikanischen Getränkegiganten Coca-Cola zogen die interessierten deutschen Brauereien den Kürzeren.

Knapp ein Jahr nach Zerschlagung des Dortmunder Getränkekonzerns Brau und Brunnen scheint das Geschäftsmodell Bier und Sprudel aus einer Hand wieder an Attraktivität zu gewinnen. Das Mineralwasser ist beliebter denn je und hat das Bier mengenmäßig vor Jahren überflügelt. Die Bitburger Gruppe ist mit Gerolsteiner bereits seit Jahren auf dem Wassermarkt aktiv. Ebenso die Radeberger Gruppe mit Selters.

Im Kampf um Marktanteile auf dem Biermarkt setzt auch die Bitburger Brauerei auf Varianten mit weniger Alkohol. Das Unternehmen hofft, mit „Mildbieren“ und Bier-Mischgetränken die Abwanderung traditioneller Biertrinker zu Billigbieren auszugleichen. Bei Krombacher sind Biermischgetränke längst keine Nische mehr. Inklusive des alkoholfreien Bieres und „Extra Mild“ machen sie 12,2 Prozent am Gesamtausstoß des Familienunternehmens aus. Das Wachstum wird von diesem Segment getragen. Nur mit einem satten Plus bei Biermischgetränken war auch der Nachbar Veltins 2005 gewachsen.

Bei Krombacher kommen durch den „Schweppes-Deal“ mit einer halben Million Hektoliter rund zehn Prozent Ausstoß hinzu. Die Brauerei sieht den Marken-Deal als „strategisch entscheidende Öffnung in Richtung der alkoholfreien Getränke“. Bisher hatten die Siegerländer in diesem Bereich lediglich eine Vertriebskooperation mit Sinalco abgeschlossen, um ihren Kunden auch Cola, Limonade und Wasser anbieten zu können. Veltins hält an der erst vor wenigen Monaten geschlossenen Vertriebskooperation im Bereich der Gastronomie mit Apollinaris fest, auch wenn diese Marke nun Coca-Cola gehört.

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