Kanadische Behörden
Nestlé und Mars fliegen mit Schoko-Kartell auf

Schokoladenfreunde halten ein Auge auf den unbeständigen Kakaopreis. Doch die kanadische Wettbewerbsbehörde hat einen anderen Grund für die Preisstruktur auf dem Schokoladenmarkt festgestellt.
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Toronto/OttawaDie kanadischen Behörden haben ein mutmaßliches Schokoladen-Kartell aufgedeckt. Unter anderen sollen die kanadischen Töchter der Lebensmittelkonzerne Nestlé und Mars Preisabsprachen getroffen haben. Mit von der Partie soll auch die Vertriebsfirma ITWAL gewesen sein.

Die kanadische Kartellbehörde sprach am Donnerstag von "ungeheuerlichem wettbewerbsfeindlichem Benehmen", das den kanadischen Verbrauchern schaden und eine "ernste Straftat" darstelle. Bei Ermittlungen seien Beweisstücke für eine Verschwörung gefunden worden, bei der die Preise für Schokoladenprodukte festgelegt wurden. Von den Preisabsprachen betroffen waren nach Angaben der Kartellbehörde bekannte Marken wie Kit Kat, Twix, Snickers, Bounty und M&Ms.

Die kanadische Wettbewerbsbehörde kündigte ein strafrechtliches Verfahren an. Es handele sich um ein Verbrechen im Sinne des Strafrechts. Gegen jede Art von Kartell werde man durchgreifen. Nestle und Mars kündigten an, sich gegen die Anschuldigungen zur Wehr zu setzen.

Die Kartellbehörde bezieht sich auf Informationen des Schokoladenherstellers Hershey Canada, der eine Beteiligung an den Preisabsprachen in einem Fall eingeräumt hat. Tippgebern wird in solchen Verfahren Straflosigkeit in Aussicht gestellt. Die Kartellbehörde teilte am Donnerstag mit, die Hershey-Tochter könne wegen ihres zu erwartenden Geständnisses und ihrer Zusammenarbeit mit den Ermittlern mit einer vergleichsweise milden Behandlung rechnen. Hershey äußerte sein Bedauern, wies die Verantwortung aber früheren Managern zu.

Die Vorwürfe sind das Ergebnis von fünfjährigen Ermittlungen der kanadischen Behörden. Der Verdacht reiche bis ins Jahr 2007 und davor zurück. Deshalb könnten die Strafen milder ausfallen: Denkbar sind Geldbußen von bis zu zehn Millionen Dollar und bis zu fünf Jahre Haft für verantwortliche Manager. Inzwischen ist das Recht verschärft worden. Heute könnten bis zu 25 Millionen Dollar Geldstrafe und bis zu 14 Jahre Haft verhängt werden.

Erst im März hatte das Bundeskartellamt wegen Süßwaren-Preisabsprachen eine Millionenstrafe gegen Nestle verhängt. In dem Verfahren hatten auch Kraft Foods Deutschland, Unilever Deutschland und die Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG Bußgelder aufgebrummt bekommen. Der Hinweis auf die Preisabsprachen war in diesem Fall von Mars gekommen, das die Kronzeugenregelung in Anspruch nahm und ohne Geldbuße davonkam.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kanadische Behörden: Nestlé und Mars fliegen mit Schoko-Kartell auf"

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  • So weit so gut. Und nun werden sie mit Wattebäuschchen beworfen bis sie bluten, wie bei der Energiemafia in D?

  • Ach jottchen, dann zahlen die eben die paar Millionen und schon gehts weiter.
    Solche Konzerne gehören aufgespalten um tatsächlich eine funktionierende Marktwirtschaft zu erhalten.
    Nestle und Mars boykottiere ich schon lange. Das Zeug ist mir zu teuer und macht die Verbraucher auch noch zu Diabetikern mit dem Zuckerholismus.

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