Kann er von seiner Strategie überzeugen?
Die sieben Leben des Herrn F.

Tui-Chef Michael Frenzel kämpft um seine Strategie und um die Einheit des Reise- und Schifffahrtskonzerns. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass er Attacken abwehren und Kritiker ruhigstellen muss. Doch dieses Mal könnte es eng werden für Frenzel.

DÜSSELDORF. Es war im Jahr 1994. Ein ambitionierter Manager übernimmt den Vorstandsvorsitz bei einem großen Industrieunternehmen, das sein Geld mit Eisenbahnschwellen, U-Booten und Feuerlöschern verdient. Beim Amtsantritt warnt der Mann die Aktionäre und Mitarbeiter vor zu viel Aktionismus:„Es ist empirisch belegbar, dass der Eintritt in völlig neue Geschäftsfelder meistens schiefgegangen ist“, sagt er.

Es ist Michael Frenzel, von dem diese weisen Worte stammen. Von dem Mann, der das Industriekonglomerat Preussag komplett umkrempelte und so bei einem äußerst radikalen Konzernumbau Regie führte. Von demMann, der den Stahlbauer zum Tourismus- und Schifffahrtskonzern Tui formte und damit den Reisemarkt aufrollen wollte. Genau das, wovor Frenzel bei seinem Antritt als Preussag-Chef warnte, ist 14 Jahre später eingetreten: Der Sprung von Rohstoffen zur Touristik ist schiefgegangen.

Frenzel würde das natürlich so nicht sagen. Dafür wird aber die Zahl derer, die das so sehen und mit ihrer Kritik an Frenzel und seiner Strategie auch nicht hinterm Berg halten, immer größer. Inzwischen heißt es bereits in der Branche: Dieses Mal könnte es eng werden für den dienstältesten Vorstandsvorsitzenden eines Dax-Konzerns. Der Tui-Chef muss daher reagieren – möglicherweise schon auf der heutigen Aufsichtsratssitzung.

Es wäre nicht das erste Mal, dass der 61-jährige Manager Attacken gegen den Konzern und gegen sich abwehren muss. Bisher war ihm das gelungen. Der gewiefte Taktiker hatte immer einen Ausweg gefunden. Er sei der Mann mit den sieben Leben, heißt es in der Branche. Wird es auch ein achtes Leben für ihn geben?

Zunächst wird Michael Frenzel seine Kritiker mit einer ansehnlichen Bilanz zum Schweigen zu bringen versuchen, so viel steht jetzt schon fest. Heute wird er die Konzernzahlen seinen Kontrolleuren präsentieren, morgen der Öffentlichkeit:Nach einem dreistelligen Millionenverlust im Vorjahr hat Tui für 2007 wieder Gewinne vorzuweisen. Frenzels Botschaft wird eindeutig sein: So schlecht steht der Konzern doch gar nicht da.

Frenzel wird das Zahlenwerk in der ihm eigenen Art präsentieren: im top geschnittenen Maßanzug, korrekt vom Scheitel bis zur Sohle, sachlich-verbindlich, mit leiser, fester Stimme. Mit einer Kühle, die er auch dann nicht ablegt, wenn Emotionen angesagt wären: Selbst wenn er über hart erkämpfte Erfolge spricht, klingt er so, als ob er Urlaubsziele und Hotelnamen aus seinen Reisekatalogen vorlesen würde.

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