Kapitalmarktfähigkeit als Klassenziel
Die großen Lehren des Hartmut Mehdorn

Leere Kassen, Qualitätsprobleme und ein gestörtes Verhältnis zur Belegschaft – am Mittwoch muss der Bahnchef den täglichen Bahn-Wahn seinem Aufsichtsrat erklären.

BERLIN. Es ist, als sei sein Name Programm. Hans Besser soll dafür sorgen, dass die Bahn besser wird. Pünktlicher, zuverlässiger. Der smarte Mittvierziger, der – wie viele der neuen Bahn-Manager – von der Lufthansa zur Deutschen Bahn gewechselt ist, gehört zu den Weichenstellern im Qualitätsmanagement der Bahn. Er ist verantwortlich für das „Steuerungssystem Qualität Fahrbetrieb“.

Im ockerfarbenen Verdi-Haus an der Südseite des Potsdamer Platzes, und damit fast noch im Blickwinkel von Bahnvorstand Hartmut Mehdorns Berliner Chefbüro im „Bahntower“, haben die Qualitätsmanager ein umfangreiches Computerprogramm entwickelt. Es ermöglicht ihnen, 1 000 Fernzüge, 28 000 Nahverkehrs- und 800 wichtige Güterzüge auf ihren täglichen Reisen im über 30 000 Kilometer langen Netz zu verfolgen. Minutengenau wird jede Verspätung dokumentiert und der Grund dafür festgehalten. In farbigen Linien erscheinen auf dem PC-Bildschirm die Fahrtstrecken, die Zeit, die Soll-Linien und der tatsächliche Verlauf. „Damit unterliegen wesentliche Teile des Zugbetriebes nun der systematischen Qualitätskontrolle“, sagt Hans Besser nicht ohne Stolz.

Das System ermöglicht neben der Einzelfallbetrachtung auch kumulierte Darstellungen, um die Ursachen notorischer Verspätungen zu erkennen. Möglich sind auch Simulationen – etwa um Baustellen einzurichten: Wie viel Zeit lässt sich für einen Zug einbauen, ohne dass er auf seiner weiteren Reise völlig einbricht?

Mag die Schwachstellen-Analyse deutlich verbessert sein – die Konsequenzen, die daraus gezogen werden, sind bisher allenfalls punktuell. Die großen Lehren werden noch nicht einmal im am kommenden Sonntag beginnenden Jahresfahrplan 2004 zu spüren sein. Ein Mitarbeiter Bessers beschreibt das typische Problem des Kolosses Deutsche Bahn: „Wenn viele mitsprechen müssen, dann geht das bei uns nicht von heute auf morgen.“ Erst für 2005 kann Besser Besserungen im großen Stil versprechen.



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