Kapitalspritze von Etihad
Air Berlin bleibt auf Schlingerkurs

Übernahme durch Etihad, Fusion mit Alitalia – alles vom Tisch. Air Berlin erhält lediglich frisches Geld vom arabischen Partner. Jetzt soll ein neues Geschäftsmodell die Wende bringen. Doch die Pläne bleiben vage.
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Düsseldorf/BerlinDas lange Warten hat ein Ende. Doch wohin geht die Reise? Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer hat am Montag die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr erläutert, deren Vorlage die Fluggesellschaft zuvor zweimal verschoben hatte. Zugleich stellte Air Berlin neue Finanzierungsmaßnahmen vor, die das Überleben sichern und einen Neustart ermöglichen sollen. Dennoch blieben viele Fragen offen.

Denn Deutschlands zweitgrößte Airline will sich vollkommen neu aufstellen – und ein neues Geschäftsmodell entwickeln. Beim Umbau werde „es keine Tabus geben, alles kommt auf den Prüfstand“, sagte Prock-Schauer auf einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz. Die Aktionäre bleiben skeptisch, die im SDax notierten Papiere von Air Berlin verloren mehr als fünf Prozent.

„Ich will gar nicht drum herum reden: Das ist eine Bilanzsituation, die umso mehr zum Handeln zwingt“, sagte Prock-Schauer. Die Fluggesellschaft ist im vergangenen Jahr wieder tief in die roten Zahlen gerutscht: Unterm Strich stand ein Verlust von rund 316 Millionen Euro. Dadurch vergrößerte sich zum Stichtag 31. Dezember 2013 der Schuldenberg. Die Nettoverschuldung lag bei knapp 800 Millionen Euro, das Eigenkapital bei minus 186 Millionen Euro nach plus 130 Millionen Euro im Vorjahr.

Helfen soll der Airline zumindest kurzfristig eine weitere Finanzspritze des Großaktionärs vom Golf: Die arabische Fluggesellschaft Etihad schießt über eine Wandelanleihe 300 Millionen Euro zu. Weitere 150 Millionen Euro sollen über eine eigene Anleihe in die Kassen kommen. Für eine 2015 fällige Anleihe gibt es ein Umtauschangebot über weitere 100 Millionen Euro. Die Verantwortlichen werteten die gefundene Lösung nach dem wochenlangen Hin und Her als großen Wurf: „Eine Rekapitalisierung von bis zu 550 Millionen Euro würde ich nicht als 'kleine Maus' bezeichnen“, sagte Airline-Chef Prock-Schauer.

Zur Aufstockung des 30-Prozent-Anteils von Etihad bei Air Berlin, wie in den vergangenen Wochen im Gespräch, wird es dagegen vorerst nicht kommen. Die ist aber noch durch die Hintertür möglich: Die Wandelanleihe mit endloser Laufzeit könnte Etihad später in Aktien der deutsche Fluggesellschaft umtauschen, falls diese das Geld nicht zurückzahlen kann.

In diesem Fall könnten die Araber zusammen mit anderen ausländischen Eigentümern schnell die magische Marke von 49,9 Prozent der Anteile überschreiten. Air Berlin würde dann außereuropäische Flugrechte verlieren. Air Berlin habe aber vor, in bar zu zahlen, sagte Finanzchef Ulf Hüttmeyer in der Telefonkonferenz. Man sei zuversichtlich, dass die gefundene Lösung vor dem Luftfahrt-Bundesamt durchgehen werde.

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