Karl-Erivan Haub
„Man kann auch in Nischen erfolgreich sein“

Die Insolvenz der amerikanischen Beteiligung The Great Atlantic & Pacific Tea Company, kurz A&P, stellt die Mülheimer Tengelmann-Gruppe vor große Probleme. Im Interview verrät Unternehmenschef Karl-Erivan Haub, wie es mit der Sanierung weitergeht und wie die Zukunft des Unternehmens aussehen soll.
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Handelsblatt: Herr Haub, ausgerechnet im lukrativen Weihnachtsgeschäft meldet A&P Insolvenz an. War die Lage so aussichtslos?

Karl-Erivan Haub: Es zeichnete sich ab, dass A&P Darlehen, die in sechs Monaten fällig werden, nicht mehr würde zurückzahlen können. Hätte das Unternehmen bis zuletzt mit dem Insolvenzantrag gewartet oder wäre es dazu gezwungen worden, wären noch mehr Werte vernichtet worden.

Handelsblatt: War das der letzte ausschlaggebende Grund für die Insolvenz-Entscheidung?

Haub: A&P hat bis zuletzt um eine Finanzierung gekämpft, wobei Banken und Gewerkschaften sogar zu einem Sanierungsbeitrag bereit waren. Am Ende war es der Großhändler C&S, an den bereits vor Jahren auch die Logistik ausgelagert wurde, der nicht mehr mitspielen wollte. Damit aber war das Sanierungskonzept gescheitert.

Handelsblatt: Wie sah denn Ihr eigener Sanierungsbeitrag aus?

Haub: Wir haben A&P immer unterstützt, im vergangenen Jahr sogar mit einer Kapitalerhöhung. Mindestens zweimal sind wir A&P in jüngster Vergangenheit finanziell zur Seite gesprungen.

Handelsblatt: Ihre Beteiligung wird damit zunächst wertlos. Wie hoch ist Ihr Buchverlust?

Haub: Wir bleiben unterhalb eines dreistelligen Millionenbetrags, den wir in unserer Bilanz abschreiben werden. Damit kommen wir zwar nicht in die Verlustzone, aber für uns ist das natürlich trotzdem schmerzhaft.

Handelsblatt: Gibt es Hoffnung, dass Ihnen am Ende bei A&P doch noch etwas bleibt?

Haub: Das müssen wir abwarten. Zunächst wird das US-Unternehmen, das seinen Geschäftsbetrieb aufrechterhält, bei den Behörden einen Restrukturierungsplan einreichen. Sobald der Plan umgesetzt ist, geht es an die Berechnung der Insolvenzmasse. Daraus müssen dann erst einmal die Anleihegläubiger befriedigt werden. Bleibt etwas übrig, können auch die Aktionäre hoffen. Das aber werden wir frühestens in zwölf Monaten wissen.

Handelsblatt: Werden Sie sich komplett aus den USA zurückziehen?

Haub: Das haben wir noch nicht entschieden. Eine Option könnte auch sein, dass wir uns nach dem Ende des Insolvenzverfahrens wieder finanziell engagieren.

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