Karstadt nach Kaufhof-Schlappe
„Neuausrichtung dürfte Benkos Möglichkeiten übersteigen“

Karstadt-Eigner René Benko ist mit seinem Gebot für Konkurrent Kaufhof gescheitert. Die Gewerkschaft Verdi fordert nun eine Offensive der Traditions-Warenhauskette. Doch Experten sind skeptisch, ob das gelingen kann.
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DüsseldorfDie Arbeitnehmer bei Karstadt fordern nach der Niederlage ihres Eigners Rene Benko im Übernahme-Rennen um den Konkurrenten Kaufhof ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Essener Traditionskonzerns. Benkos Holding Signa müsse umgehend in die Warenhauskette und in die Beschäftigten investieren, sagte Verdi-Vertreter Arno Peukes am Mittwoch. Gesamtbetriebsrat und Verdi stünden bereit, „um gemeinsam mit der Eigentümerseite die jetzt notwendigen Veränderungen zu gestalten“.

Immobilieninvestor Benko hatte für Kaufhof geboten, die Konzernmutter Metro entschied sich aber für den nordamerikanischen Handelsriesen Hudson's Bay. Dieser kündigte Investitionen in den Karstadt-Konkurrenten an und plant, den Marktanteil von Kaufhof auszubauen. Benko will sich nun darauf konzentrieren, Karstadt voranzubringen. „Wir freuen uns auf einen fairen Konkurrenzkampf unserer Warenhäuser“, sagte Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt.

Experten unterstützen die Forderungen der Arbeitnehmer. „Es sind jetzt massive Investitionen nötig, damit Karstadt auf Augenhöhe mit Hudson's Bay mithalten kann“, sagt Jörg Funder, Handelsfachmann der Hochschule Worms. Nach seiner Einschätzung kann Hudson's Bay insbesondere mit seinem Textilsortiment und seiner Kompetenz in der Verknüpfung von Online und stationärem Handel punkten.

„Es wäre eine mögliche Nische für Karstadt, sich auf ein sehr lokales Sortiment zu fokussieren“, rät Funder. Eine gute Alternative sei eine engere Zusammenarbeit mit Verbundgruppen wie Electronic Partner oder Vedes. „Dann könnte aus Karstadt ein Kaufhaus der Verbundgruppen werden“, so Funder. Das könnte helfen, bei der Beschaffung zu sparen und trotzdem ein attraktives Angebot zu präsentieren.

Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein ist jedoch skeptisch, ob eine Neupositionierung von Karstadt überhaupt noch gelingen kann. „Es müsste jetzt eine echte Online-Offensive kommen“, sagt er. Eine wirkliche Transformation in ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell erfordere aber unheimlich viel Kraft und Geld. Dafür sei es für Karstadt wahrscheinlich schon zu spät. „Die Neuausrichtung von Karstadt würde so viel Kapital erfordern, das dürfte selbst die Möglichkeiten von Benko übersteigen“, so Heinemann.

„Jetzt noch einmal zu sagen, wir erfinden Karstadt neu, das dürfte nicht funktionieren“, warnt der Handelsexperte. Es würde wahrscheinlich weniger kosten, ein zweites Zalando aufzubauen, als Karstadt zukunftsfähig zu machen.

Dabei ist bei Karstadt zurzeit eher von Sparen als von Investieren die Rede. Der österreichische Investor Benko hatte Karstadt im vergangenen Jahr übernommen und danach den Rotstift angesetzt. Das Aus für einige Warenhäuser, etwa in Stuttgart, Recklinghausen und Bottrop, ist bereits verkündet. Verdi hatte erst im April die Befürchtung geäußert, die Kürzungspläne bedrohten in den Waren- und Sporthäusern insgesamt etwa 40 Prozent der verbliebenen rund 15.800 Mitarbeiter, Signa hatte dies damals nicht kommentiert.

Verdi verhandelt mit dem Karstadt-Management zudem über eine Rückkehr in die Tarifbindung. Bei der Warenhauskette herrscht eine „Tarifpause“, Karstadt spart sich damit anders als Kaufhof für die Branche ausgehandelte Lohnerhöhungen. Karstadt-Chef Stephan Fanderl hatte den Beschäftigten zuletzt aber Hoffnung auf eine Rückkehr in den Tarifvertrag gemacht. Er schließe das nicht aus, sagte er in einem Interview.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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