Karstadt-Quelle
Middelhoff und die große Lust am Umbau

Mangelnden Ehrgeiz werfen ihm selbst seine schärfsten Kritiker nicht vor. Thomas Middelhoff, Vorstandsvorsitzender von Karstadt-Quelle, arbeitet seit seinem Amtsantritt im Mai 2005 unter Hochdruck an der Umgestaltung des damals schwer angeschlagenen Handelskonzerns. Erste Erfolge stellen sich ein. Nicht zuletzt dank ungewöhnlicher Entscheidungen.

DÜSSELDORF. Es ist Middelhoffs große Lust am Umbau, die den gebürtigen Düsseldorfer Unternehmersohn immer wieder antreibt. So schmiedet er jetzt mit der geplanten Fusion von Thomas Cook und dem britischen Reiseveranstalter My Travel einen der größten Touristikkonzerne weltweit – und läutet gleichzeitig eine neue Ära in der Geschichte von Karstadt-Quelle ein.

Die Lust auf Experimente und die Begeisterung für das Risiko prägen das Leben des Managers. Schon bevor er ab Juni 2004 zunächst als Aufsichtsratsvorsitzender die Geschicke von Karstadt-Quelle bestimmte, waren es seine Visionen, mit denen er die Gesellschafter immer wieder für sich einnehmen konnte. So schätzten Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn und seine Frau Liz lange den unternehmerischen Mut des promovierten Betriebswirts. Bis zur Trennung im Juli 2002 baute Middelhoff den früher im Druck- und Buchklubgeschäft starken Medienkonzern um. TV und Internet hießen damals die Prioritäten des heute 53-Jährigen.

Der hoch gewachsene Manager mit der randlosen Brille begeisterte sich damals für die neuen Möglichkeiten im digitalen Zeitalter. Für die Mohns hat sich Middelhoffs Weitblick ausgezahlt. Der Umsatz und Gewinn des westfälischen Konzerns wuchs. Der Verkauf der Anteile am Internetkonzern AOL bescherte dem Familienunternehmen zudem einen Milliardengewinn. Doch am Ende war es gerade die radikale Lust am Umbau, die zu einem Ende seiner Karriere bei Bertelsmann führte. Denn Middelhoffs Pläne, Europas größten Medienkonzern an die Börse zu bringen, wollten die Mohns am Ende nicht mitmachen. Damit war auch die Neuausrichtung von Bertelsmann von einem gut geführten Familienunternehmen zu einem globalen, börsennotierten Weltkonzern beendet.

Auch bei Karstadt-Quelle ließ Middelhoff keinen Stein auf dem anderen. Die Konzentration auf das einstige Kerngeschäft, Warenhaus und Versandhandel, betrieb er mit aller Radikalität. Erst trennte er sich von den defizitären Modehäusern Wehmeyer und Sinn Leffers. Dann kamen die „kleinen“ Warenhäuser an die Reihe, die jetzt unter fremder Herrschaft und dem Traditionsnamen „Hertie“ zum Existenzkampf angetreten sind. Es folgte der Verkauf fast sämtlicher Handelsimmobilien, nicht ohne den Aufschrei einer Schar von Kritikern, die den Konzern seiner Substanz beraubt sahen. Mit dem Umbau zum Touristikkonzern will Middelhoff sein Werk nun offenbar krönen.

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