Karstadt-Quelle
Reise ins Ungewisse

Karstadt-Quelle setzt sich mit der Komplettübernahme von Thomas Cook und der Fusion mit My Travel an die Spitze einer neuen Konsolidierungswelle in Europas Touristikbranche. Doch die Neuausrichtung des einst reinen Handelskonzerns ist risikoreich: Der Reisemarkt ist umkämpft und wenig lukrativ. Das haben schon einige Unternehmen zu spüren bekommen.

DÜSSELDORF. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Thomas-Cook-Chef strotzte Manny Fontenla-Novoa nur so vor Selbstbewusstsein. Und das lag nicht nur an den Zahlen, die der seit Dezember 2006 amtierende Vorstandsvorsitzende auf der Bilanzpressekonferenz Anfang des Monats am Oberurseler Konzernsitz als „Rekordergebnis“ verkaufen konnte.

Nein, der freundlich-selbstbewusste, perfekt Englisch sprechende Spanier, der in langen Jahren Tourismusgeschäft längst britische Attitüden angenommen hat, war auf Höheres aus: „Die europäische Tourismusindustrie steht vor ihrer nächsten Konsolidierungsrunde, und wir wollen dabei sein“, sagte er. Und ergänzte: „Nicht als Gejagte, sondern als Jäger.“ Sicherlich wusste Fontenla-Novoa seinen Chef Thomas Middelhoff, den Vorstandschef von Karstadt-Quelle, hinter sich. Gejagt wurde da nicht mehr nur der britische Reiseveranstalter First Choice, wie der Cook-Chef auf Journalistenfragen geschickt durchblicken ließ. Seit gestern rätselt die Branche: War das nur ein Ablenkungsmanöver? War da schon längst der Wettbewerber um First Choice, der Veranstalter My Travel, im Visier?

So oder so. Seinen Deutsch-Intensivkurs kann sich Fontenla-Novoa vermutlich sparen, wird er doch als Chef der künftigen Thomas Cook plc in London residieren. Für den deutschen Reiseveranstalter, der ohnehin schon die Nummer zwei in Europa hinter der Tui ist, beginnt aber schlagartig eine neue Zeitrechnung. Erst Ende vergangener Woche hatte Karstadt-Quelle das ehemalige Lufthansa- und Karstadt-Joint Venture um die Ferienfluggesellschaft Condor und die Reisemarke Neckermann mit der Übernahme des 50-Prozent-Anteils von Lufthansa vollständig unter seine Fittiche genommen. Und schon am Montag machte Middelhoff mit dem My-Travel-Deal seine seit längerem verkündeten Ambitionen im Tourismus-Geschäft mit einem Paukenschlag wahr.

Großfusionen hat es in der Reisebranche in den vergangenen Jahren nicht mehr gegeben. Zu sehr waren die Touristikanbieter nach den Terroranschlägen des 11. Septembers und den darauf folgenden Kriegen und Krisen sowie der lange Zeit anhaltenden Konsumflaute mit sich selbst und ihren Überlebensstrategien beschäftigt.

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