Karstadt-Quelle spaltet Warenhausgeschäft weiter auf: Flucht in die Nische

Karstadt-Quelle spaltet Warenhausgeschäft weiter auf
Flucht in die Nische

Mit der Aufspaltung des Warenhausgeschäfts in mittlerweile drei Formate folgt Karstadt-Quelle einer offenbar weltweit geltenden Faustregel:

DÜSSELDORF. Sobald die durchschnittliche Zahl der Verbraucher pro Filiale in einem nationalen Markt auf unter eine Million fällt, wird es für die Warenhäuser eng. „Die traditionsreichen Konsumtempel haben dann mit ihrem typischen Warenhausformat kaum noch eine Überlebenschance“, hat der Amsterdamer Unternehmensberater Hans Eysink Smeets ermittelt.

Auch Karstadt musste dies in den vergangenen Jahren leidvoll erfahren. Die 190 Warenhäuser des Essener Konzerns kamen deutschlandweit im Schnitt gerade einmal auf 430 000 Kunden – zu wenig für ein profitables Geschäft. Auch für den Wettbewerber Kaufhof ist das Potenzial von 617 000 Kunden pro Filiale eher bescheiden.

Beispiele in den USA und Europa zeigen: Kommen landesweit weniger als durchschnittlich eine Million Einwohner auf ein Warenhaus, muss der Betreiber sein Sortiment an einem zu breiten Publikum ausrichten. Den Häusern gelingt es dann in der Regel nicht mehr, an ihren Standorten wie ein einheitlicher „Themenpark“ aufzutreten, der konsumfreudigen Kunden ein Einkaufserlebnis bietet. Das Konzept verwässert.

Um jedoch im breiten Massengeschäft mitzumischen, sind die Betriebskosten der Warenhäuser viel zu hoch. Vor allem die teuren Mieten für die Innenstadtstandorte zehren an der Rendite, aber auch die arbeitsintensiven Verkaufsdienstleistungen und die immer kürzeren Lebenszyklen der kostspieligen Inneneinrichtungen.

Auf die Misere reagierte Karstadt-Quelle bereits vor einem Jahr mit der Ausgliederung von 74 kleinen Warenhäusern, die man in Essen unter dem dem Titel „Karstadt Kompakt“ auf ein Nahversorger-Konzept umgestellte. Die Häuser, die im Sommer den Besitzer wechselten, schrieben nach Auskunft der neuen Eigentümer Hilco und Dawnay Day bereits im vergangenen Jahr wieder schwarze Zahlen. Die weitere Abspaltung der Premium-Filialen von den restlichen 90 Karstadt-Warenhäuser halten Branchenexperten daher für konsequent.

Zahlreiche internationale Karstadt-Wettbewerber, die ebenfalls unterhalb der kritischen Eine-Million-Grenze lagen, haben schon vor einigen Jahren die Flucht in die Nische ergriffen – zum Teil mit großem Erfolg. Schwedens Ahlens-Warenhäuser etwa stutzten ihr Sortiment auf den Umfang eines Varietäten-Kaufhauses zurück, gaben ihre Innenstadt-Immobilien auf und zogen als Mieter in Einkaufszentren auf der grünen Wiese. Heute ist das einstmals notleidende Handelsunternehmen wieder erfolgreich.

Auch andere Warenhäuser haben diesen Weg beschritten. Der finnische Handelskonzern S-Group ersetzt zunehmend seine Sokos-Warenhäuser durch das profitable SB-Warenhausformat Prisma. JC Penny in den USA, aber auch die britischen Traditionshäuser BHS und Debenhams haben sich inzwischen in Modekaufhäuser verwandelt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%