Karstadt-Quelle will den Kaufhäusern ein neues Profil verpassen
Metamorphose eines Handelsriesen

Tausendfach unter einem Dach, das wird es künftig im Karstadt-Quelle-Konzern nicht mehr geben. „Wir können nicht länger auf derart vielen Hochzeiten tanzen“, erläuterte Vorstandschef Christoph Achenbach am Dienstag in Essen die Neuausrichtung des Konzerns, der künftig mit dem Kernportfolio große Warenhäuser und Versandhandel wieder solides Wachstum erreichen will.

ESSEN. In den verbleibenden 89 großen Warenhäusern mit über 8 000 qm Fläche soll die Breite des Sortiments deutlich reduziert werden und die so genannten hochmargigen Lifestyle-Segmente von Mode über Sport bis hin zu Parfümerie, Schmuck, Lederwaren und Bücher von derzeit unter 60 auf über 70 Prozent ausgebaut werden. Für die Warenhäuser, die mit 4,5 Mrd. Euro Umsatz auch nach wie vor den größten Geschäftsbereich von Karstadt-Quelle darstellen, erwartet der Konzern in den nächsten Jahren ein Umsatzwachstum von jeweils rund einem Prozent. Durch Kosteneinsparungen und Verkäufe will der Konzern im stationären Einzelhandel den Verlust von 180 Mill. Euro in diesem Jahr bis 2006 in einen positiven Ergebnisbeitrag von 120 Mill. Euro verwandeln.

Im Versandhandel, der in diesem Jahr rund 1,5 Mrd. Euro zum Umsatz beiträgt, sollen die Marken Quelle und Neckermann neu ausgerichtet und das Auslands- und E-Commercegeschäft angekurbelt werden. Quelle konzentriert sich nun auf die Bereiche Mode und Wohnen für etablierte und eher ältere Zielgruppen sowie den Bereich Technik. Neckermann soll die jünger orientierten Verbraucher bedienen. Den Spezialversendern (Hess Natur, Peter Hahne u.a.) traut Achenbach ein jährliches Umsatzplus von 6,3 Prozent zu.

Insgesamt soll das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Abschreibung in diesem Bereich von 10 Mill. Euro in 2004 auf 185 Mill. Euro in 2006 steigen. Christian Schindler, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, bewertet die starke Fokussierung auf das Kerngeschäft positiv.

Auch für Michael Keppel, Handelsexperte bei der Restrukturierungsberatung Alvarez & Marsal in Frankfurt, geht die Neuausrichtung von Karstadt-Quelle in die richtige Richtung. Allerdings bleibt seiner Ansicht nach das Grundproblem bestehen, dass auch künftig nicht mit größeren Synergien in den völlig verschiedenen Geschäftsfeldern stationärer Handel und Versandhandel zu rechnen sei, höchstens bei Spezialangeboten. Auch dass der Konzern an seiner Beteiligung an Thomas Cook festhält, macht aus Sicht des Beraters wenig Sinn. „Wenn die Devise Konzentration auf das Kerngeschäft lautet, sollte man keine Managementressourcen auf Randbereiche verwenden“, meint Keppel.

Bei den Immobilien, die laut Karstadt-Geschäftsbericht 2003 einen Buchwert von insgesamt 2,8 Mrd. Euro hatten, prüft Karstadt-Quelle derzeit eine Ausgliederung aus dem Handelsgeschäft in eine börsennotierte Gesellschaft, um stille Reserven zu heben. „Der Marktwert unserer Immobilien übertrifft signifikant den Buchwert“, meinte Vorstandschef Achenbach gestern, allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen. Analyst Schindler zeigt sich skeptisch: „Es bleibt abzuwarten, ob es der Konzern schafft, die stillen Reserven des Immobilienportfolios aufzudecken.“

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