Karstadt
Tarifverhandlungen stocken

Karstadt will Urlaubs- und Weihnachtsgeld streichen, Verdi ist aber nicht zu einem Verzicht bereit. Die Verhandlungen sind ins Stocken geraten. Eine Einigung gab es nur für die sechs Filialen , die 2015 schließen.
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DüsseldorfBei den Tarifgesprächen für den angeschlagenen Warenhauskonzern Karstadt haben Management und Arbeitnehmer erneut keinen Durchbruch erzielt. Forderungen nach einer Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie einer Verlängerung der Arbeitszeiten lägen weiter auf dem Tisch, sagte eine Verdi-Sprecherin am Mittwoch: „Da hat sich nichts bewegt.“ Verdi sei hier weiter nicht zu einem Verzicht bereit. „Die harten Verhandlungen zu allen Punkten stehen erst am Anfang“, betonte Verdi-Verhandlungsleiter Arno Peukes.

Für die rund 330 Mitarbeiter der sechs Karstadt-Filialen, die im kommenden Jahr die Pforten schließen werden, soll es indes mehr Geld geben. Für sie sollen rückwirkend wieder Flächentarifverträge gelten – sie bekommen damit ein höheres Entgelt und damit auch ein höheres Arbeitslosengeld. „Wir hätten uns gewünscht, dass es auch für die Beschäftigten dieser sechs Filialen eine Perspektive gegeben hätte“, erklärte Peukes. Ein Karstadt-Sprecher wollte sich nicht äußern.

Das Karstadt-Management hatte nach der Übernahme des Traditionskonzerns durch den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko das Aus für Karstadt-Warenhäuser in Stuttgart und Hamburg verkündet. Zudem sollen die zwei K-Town-Filialen, mit denen Karstadt eigentlich junge Kunden gewinnen wollte, in Göttingen und Köln die Pforten schließen. Auch für zwei Schnäppchen-Märkte in Paderborn und Frankfurt/Oder ist das Aus beschlossen.

Verdi will nun mit dem Karstadt-Management über einen „Zukunftstarifvertrag“ verhandeln. Dieser solle für alle drei Bereiche des Konzerns mit rund 20.000 Mitarbeitern – die traditionellen Warenhäuser, die Luxus-Kaufhäuser um das Berliner KaDeWe und die Sporthäuser – gelten. „Für uns gehört dazu die Beschäftigungs- und Standortsicherung“, unterstrich Peukes. „Auch ist die Rückkehr in die Tarifbindung zentral“, betonte er. Karstadt hatte im Mai 2013 eine „Tarifpause“ ausgerufen – der Konzern spart sich so anders als Konkurrent Kaufhof Lohnerhöhungen. Verdi will dem ein Ende setzen.

Der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl hat tiefe Einschnitte gefordert. Ein entsprechendes Paket mit umfangreichen Kürzungsplänen hat das Management bereits bei den bisherigen Tarifverhandlungen für den Konzern präsentiert. Unter anderem soll das Urlaubsgeld gestrichen und die Arbeitszeit von 37,5 auf 40 Stunden in der Woche verlängert werden. Die Tarifgespräche sollen nun Anfang kommenden Jahres fortgesetzt werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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