Karstadt & Kaufhof
Der Traum von der Warenhaus AG geht weiter

Nach dem Verkauf von Karstadt an den Investor Nicolas Berggruen ist die Idee einer Deutschen Warenhaus AG längst nicht gestorben. Denn viele Experten bezweifeln, dass die Karstadt-Häuser unter dem neuen Investor plötzlich florieren werden. Stattdessen sehen sie in einer Fusion mit Kaufhof die einzige Überlebenschance für das gerettete Warenhaus.
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DÜSSELDORF. Wettbewerber Metro war einer der ersten Gratulanten. Die Wettbewerbssituation in der deutschen Warenhauslandschaft sei durch den Verkauf von Karstadt an Nicolas Berggruen vorerst geklärt, schrieb der Kaufhof-Mutterkonzern, kaum dass das Essener Amtsgericht Karstadts Insolvenzplan genehmigt hatte.

Die Betonung dürfte auf dem Wörtchen "vorerst" liegen. Denn viele Experten bezweifeln, dass die Karstadt-Häuser unter dem neuen Investor plötzlich florieren werden. Und dann könnte wieder Metro mit seinen Kaufhof-Warenhäusern ins Spiel kommen. Die "Deutsche Warenhaus AG" - das seit Jahren immer wieder ins Spiel gebrachte Zusammengehen von Karstadt und Kaufhof - ist durch die Rettung der Essener Warenhausfirma auf Eis gelegt. Tot ist sie nicht.

Denn: Warum für Karstadt nun alles besser werden sollte, ist schwer ersichtlich. Noch immer sei der deutsche Markt für zwei Warenhausketten dieser Größe zu klein, heißt es in Metro-Kreisen. Hinzu kommt, dass Berggruen nur relativ wenig Geld in die Hand nehmen will. Zu wenig, lästern etliche in der Branche und bezweifeln, dass Berggruen die Sanierung im Alleingang gelingt.

So schätzt der ehemalige Karstadt-Geschäftsführer Peter Wolf im Gespräch mit dem Handelsblatt, dass 400 Mio. Euro in das Geschäft gesteckt werden müssten - und das nur als Anschubfinanzierung. Handelsexperten wie der Kölner Berater Ulrich Eggert sprechen sogar von der doppelten Summe. Schließlich hätten die vergangenen Jahre zu einem gewaltigen Investitionsstau geführt, den es nun zu beseitigen gelte. "Für die 65 Mio. Euro, die Berggruen ins Karstadt-Geschäft investieren will, bekommt er gerade einmal die Wände gestrichen", lästern Wettbewerber.

Und da kommt wieder die alte Idee von der Deutschen Warenhaus AG aufs Tapet. Verhandlungen gibt es laut Branchenkreisen derzeit zwischen den Konkurrenten noch keine. Berggruen betont denn auch, dass er Karstadt aus eigener Kraft auf Erfolgskurs bringen will. Doch ist im Umfeld von Metro zumindest zu hören, dass sich der Konzern möglichen Gesprächen wohl nicht verweigern würde.

Das Zusammengehen mit Kaufhof, glaubt Berater Eggert, würde für Karstadt nicht nur die Finanzierung erleichtern. Mittelfristig könnte auch die dringend notwendige Standortbereinigung vorgenommen werden: "Ein Warenhaus braucht einen Einzugsbereich von 400 000 bis 500 000 Kunden", sagt er. In Deutschland gebe es eine solche Situation aber bei weitem nicht für jedes der derzeitigen Karstadt - und Kaufhof-Häuser. Maximal 150 Häuser könnten langfristig in Deutschland überleben, womöglich sogar nur 120.

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  • Mit diesem Artikel zeigt sich mal wieder mehr als deutlich,dass das Handelsblatt grundsätzlich Pro Metro/Kaufhof und Contra Karstadt berichtet.
    Was man auch nicht vergessen sollte : Seit Jahren versucht die Metro erfolglos den Kaufhof zu verkaufen. Und dieses ewige Gerede,dass man die Warenhäuser mit ihren Vollsortimenten nicht mehr braucht.... Schon mal überlegt,wo man ansonsten in der innenstadt so alltägliche Dinge wie Strümpfe,Spielwaren, Geschirr,bettwäsche, Schreibwaren usw.kaufen soll !? Klar,das eine oder andere gibt es mal als Angebot beim Discounter oder beim Kaffeeröster - aber will man immer dieses billigzeug???? ich für meinen Teil möchte nicht auf die Warenhäuser verzichten. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung.

  • So etwas niveauloses liest man selten. Die Redaktuere zeigen, dass ihnen völlig die Ahnung vom Einzelhandel fehlt und sie schon garnicht die Situation um die Warenhäuser kennen. Dann auch noch u.a. einen Herrn Wolf als Experten heranzuziehen, der mit seinen "qualifizierten" Arbeit wesentlich mit für den Zustand von Karstadt verantwortlich ist, zeigt spricht nicht für journalistische Qualität.
    Auch über die bedingungen des sog. Forführungstarifvertrag sollten sich die Artikelschreiber erst einmal genauer informieren, ehe ein solcher Unsinn in die Welt gesetzt wird. Oder hat das Herr Cordes oder Herr Mandac den Metro-Hofberichterstattern verboten, die Wahrheit zu schreiben?

  • Das Handelsblatt rückt mit seiner schlechten berichterstattung langsam aber sicher auf dan Level der bildzeitung. Vielleicht sollte man nicht nur bei der Auswahl der Quellen sondern auch der Redakteure sorgfältiger sein.

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