Karstadt
Wettbewerber hoffen auf Arcandor-Teile

Seit sieben Uhr sitzt der Vorstand von Arcandor in Essen zusammen, um über ein neues Hilfegesuch zu beraten. Die Nacht war kurz, die Verhandlungen mit den Eigentümern hart. Doch die Hoffnung schwindet. Wenn nicht ein mittelgroßes Wunder passiert, muss Arcandor schon sehr bald Insolvenz anmelden. Derweil bringen sich Konkurrenten in Stellung, um Filetstücke abzugreifen.

DÜSSELDORF. Dem in finanzielle Schieflage geratenen Arcandor-Konzern droht im Falle einer endgültigen Absage von Staatshilfen die Zerschlagung. Sollte es dem Konzern morgen nicht noch in letzter Minute gelingen, der Bundesregierung in Nachverhandlungen einen Nothilfekredit abzuringen, wird der Gang zum Essener Insolvenzrichter unvermeidlich.

Auf der Gewinnerseite wären dann allerdings die zahlreichen Wettbewerber, die bereits im Vorfeld ihr Interesse an einzelnen Teilen des Konzerns bekundet haben.

Allen voran der Düsseldorfer Metro-Konzern könnte sich im Falle einer Arcandor-Insolvenz die Karstadt-Häuser womöglich deutlich günstiger einverleiben, um sie dann mit der eigenen Warenhauskette Kaufhof zu verschmelzen.

"Ein Insolvenzverwalter würde überhöhte Mietverträge sofort kurzfristig kündigen", glaubt ein Düsseldorfer Einzelhandels-Analyst. Auch von anderen Verpflichtungen - etwa teuren Arbeitsverträgen mit Teilen der Belegschaft - könnte sich das Unternehmen über eine Insolvenz befreien. "Metro-Chef Eckhard Cordes geriete zudem in die Situation, sich die Sahneschnittchen aus der Warenhauskette herauszupicken", heißt es bei Analysten.

Entsprechend überraschte es wenig, dass Metro gestern Abend erklärte, das Angebot bleibe "auch im Falle der Ablehnung eines staatlichen Notkredits und der möglicherweise daraus entstehenden Folgen für das operative Geschäft bestehen".

Mindestens 300 Mio. Euro Einsparpotenzial bringe es Metro, wenn der Konzern seine Warenhauskette mit Karstadt verschmelze, haben die Handelsexperten der Commerzbank ausgerechnet. Der Börsenkurs des Dax-Konzerns legte gestern um 0,8 Prozent zu.

Und nicht nur der Düsseldorfer Einzelhandelskonzern ist an Teilen von Arcandor interessiert. Auch der Hamburger Versandriese Otto hat sich längst entsprechend in Position gebracht. Um die eigene Fachhandelskette Sportscheck zu ergänzen, liebäugelt das Familienunternehmen mit den 29 Standorten von Karstadt-Sports.

Selbst an Arcandors Versandsparte, der Ex-Chef Thomas Middelhoff den wohlklingenden Namen Primondo verpasste, lockt die Hamburger einiges. Am verlustreichen Deutschlandgeschäft des Arcandor-Versenders, Quelle, sei man zwar nicht interessiert. Spezialversender wie Baby-Walz oder Hess-Natur könne man sich aber gut im eigenen Konzern-Portfolio vorstellen, berichten Firmenkreisen.

Im Falle einer Insolvenz stünde aber wohl als erstes die 53-Prozent-Beteiligung am britischen Ferienflieger Thomas Cook auf der Verkaufsliste. Dass die Aktien auf den Markt kommen, um die Interessen der Konzerngläubiger befriedigen zu können, glauben Analysten wie Volker Bosse von Unicredit schon lange.

Interessenten bieten sich nun Schnäppchenpreise. In normalen Zeiten, sagte Arcandor-Finanzvorstand Rüdiger Günther dem Handelsblatt, seien 1,4 Mrd. Euro für das Aktienpaket durchaus realistisch. Tatsächlich bewertet die Börse Arcandors Thomas-Cook-Aktien aktuell mit 1,05 Mrd. Euro. Hinzu käme - gäbe es keinen Zwang zum Verkauf - bei der Übernahme zudem eine Prämie, die Erwerber üblicherweise für den Kauf einer Mehrheitsbeteiligung auf den Tisch legen.

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