Karstadts neuer Name Arcandor
„Ein typischer 90er-Jahre-Name“

„Arcandor“ – unter diesem eigenartigen Kunstnamen wird die Holding des Karstadt-Quelle-Konzerns künftig firmieren. Nach Ansicht von Karstadt-Quelle steht Arcandor für „Verlässlichkeit, Treue und Mut“. Doch der Phantasiename löst in der Fachwelt nicht gerade Begeisterung aus.

DÜSSELDORF. Wer am Donnerstag den Namen „Arcandor“ bei der Suchmaschine Google eingab, stieß als Erstes auf die Figur eines wagemutigen Kriegers des Computerspiels „World of Warcraft“. Doch das wird sich bald ändern: Die Holding des Karstadt-Quelle-Konzerns wird künftig unter diesem eigenartigen Kunstnamen firmieren.

Die Übernahme des britischen Reiseveranstalters My Travel hatte die Gewichte zwischen den Kerngeschäften Handel und Touristik deutlich verschoben, so dass der Essener Konzern bereits vor Monaten einen Namenswechsel angekündigt hatte. Am Donnerstag nun wurde der neue Holdingname präsentiert – der Markenname Karstadt für die Warenhäuser, Thomas Cook für die Reisebüros und Quelle für den Versandhandel bleiben indes erhalten.

Den neuen Holdingnamen Arcandor kreierte die in Düsseldorf ansässige Agentur Nomen International. Nach Ansicht von Karstadt-Quelle steht Arcandor für „Verlässlichkeit, Treue und Mut“. Doch der Phantasiename löst in der Fachwelt nicht gerade Begeisterung aus. „Der Name versprüht wenig Originalität und Authentizität“, sagt etwa Bernd Samland, Geschäftsführer der auf Namensfindung spezialisierten Agentur Endmark in Köln. „Das Signifikante fehlt ein wenig.“

Die Namenssuche teilen sich hier zu Lande eine Hand voll Spezialisten. Neben Nomen und Endmark zählt vor allem der als Grandsigneur der Szene geltende Manfred Gotta dazu. Namensexperten erfinden nicht nur neue Wortschöpfungen, sondern führen auch Sprachprüfungen in verschiedenen Ländern durch. Denn der neue Name darf keine negative Assoziationen in anderen Sprachen haben. Die Kosten, die eine Agentur für einen Namen berechnet, liegen nicht selten bei 80 000 Euro.

Dabei durchwandern auch Kunstnamen gewisse Trends. So war es vor vielen Jahren schick, sich einen lateinisch klingenden Namen zu geben: Unternehmensnamen wie Aventis und Novartis entstanden, aber auch Produktnamen wie das Toyota-Modell Avensis. Genau diesen inzwischen schon veralteten „Neolatinismus“ erkennt Namensexperte Samland in dem neuen Karstadt-Quelle-Namen wieder. „Das ist ein typischer 90er-Jahre-Name“, sagt er. Der quasi-lateinische Name klinge austauschbar. Außerdem sei nicht erkennbar, welche spezifische Kultur sich dahinter verberge.

Auch Namensguru Manfred Gotta ist von dem neuen Karstadt-Quelle-Namen wenig angetan: „Auf den ersten Blick klingt er austauschbar und abenteuerlich“, sagt er. „Arcandor? Condor? Eine neue Reisegesellschaft?“, rätselt der Namensexperte. Allerdings weist er einschränkend darauf hin, dass ein neuer Holdingname auch nicht ganz so wichtig sei wie ein neuer Produktname.

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