Kartellamt meldet Bedenken an
Fusion von Condor und Air Berlin verzögert sich

Für Air Berlin wäre es die dritte Übernahme binnen eines Jahres. Doch die Fusion mit der Ferienfluggesellschaft Condor scheint sich schwieriger zu gestalten, als von den Beteiligten zunächst angenommen. Das Bundeskartellamt meldet Bedenken gegen die Pläne von Air Berlin an.

DÜSSELDORF. Anders als von Air-Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold am vergangenen Donnerstag in Düsseldorf angekündigt, sprach er am gestrigen Dienstag nicht beim Bundeskartellamt vor, um die Fusion anzumelden. „Uns liegt keine Anmeldung vor“, sagte eine Sprecherin des Bundeskartellamts dem Handelsblatt. Zu der Verzögerung und möglichen Gründen wollte ein Air-Berlin-Sprecher nicht Stellung nehmen.

Die geplante Übernahme des einst von der Deutschen Lufthansa gegründeten Ferienfliegers durch Air Berlin war am Donnerstag verkündet worden und hatte für Aufregung gesorgt. Für Air Berlin wäre es die dritte Übernahme binnen eines Jahres. Nach der Billigfluggesellschaft DBA im vergangenen Spätsommer hatte Air Berlin im März die Charterfluggesellschaft LTU geschluckt. Die Fluggesellschaft Condor, die zu 75,1 Prozent über die Tochter Thomas Cook dem Kaufhaus- und Reisekonzern Arcandor gehört und zu 24,9 der Lufthansa, würde die Marktmacht von Air Berlin auf touristischen Mittel- und Langstrecken erhöhen sowie zusätzliche Start- und Landerechte an den Flughäfen Frankfurt und München einbringen.

Als Grund für die Verzögerung sehen Brachenbeobachter die schon am Donnerstag spontan geäußerten Vorbehalte des Bundeskartellamts. „Dieses Vorhaben wird mit Bedenken gesehen“, hatte eine Sprecherin erklärt. Die Behörde habe die Fusion von Air Berlin und LTU einige Wochen zuvor nur freigegeben, weil Condor als wichtiger Wettbewerber verblieben sei. Wenn dieser Wettbewerber jetzt ausfalle, entstehe eine neue Situation. Auf touristischen Langstrecken aus Deutschland hätte Air Berlin mit der erst jüngst erworbenen LTU und Condor eine marktbeherrschende Stellung.

Unklar ist zudem, wie sich die Deutsche Lufthansa verhalten wird. Die gesetzliche Frist von acht Tagen, in denen sich der Konzern erklären muss, endet erst am Freitag. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hat drei Optionen. Erstens: Er übt das Vorkaufsrecht aus und übernimmt Condor wieder mehrheitlich. Zweitens: Er akzeptiert die Fusion und gibt das Viertel an Condor schon jetzt frei. Oder drittens: Er behält den Anteil bis zum vereinbarten Zeitpunkt und kassiert dann den vereinbarten Preis. Die dritte Variante gilt unter Branchenbeobachtern als die wahrscheinlichste, da Mayrhuber die Mehrheit an Condor einst selbst aufgegeben hatte. Die Fusion von Air Berlin und Condor könnte dann erst 2010 vollzogen werden.

Die geplante Übernahme hängt für Air Berlin noch aus einem anderen Grund an der Nummer eins. Der Konzerntarifvertrag der Lufthansa, unter dem auch alle Piloten der Condor fliegen, erlaubt den Piloten die Rückkehr, wenn Condor mehrheitlich in den Besitz eines Konkurrenten gerät. Diesen „Konkurrenzfall“ können die Interessensvertretung der Piloten, die Vereinigung Cockpit, sowie die Lufthansa bestimmen. Pro Jahr dürften dann 100 Piloten zurück zur Mutter wechseln.

Air Berlin würde dann Branchenbeobachtern zufolge bis zum Vollzug der Fusion im Jahr 2010 die Mehrzahl der 440 Condor-Piloten verlieren. „Air Berlin hat die Arbeitsbedingungen zwar dramatisch verbessert. Wenn aber ein Pilot die Wahl hat, bei Air Berlin oder Lufthansa zu arbeiten, dann zieht er letztere Fluglinie nach wie vor klar vor“, sagt Markus Kirschneck von der Vereinigung Cockpit. Das Abwandern der Piloten würde Air Berlin bei der derzeit hohen Nachfrage nach Piloten hart treffen.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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