Kartellamt
Millionenstrafe gegen Nivea und Co.

Das Bundeskartellamt verhängt gegen sechs deutsche Hersteller von Kosmetikartikeln ein Millionenbußgeld. Grund: Jahrelange Absprachen über Rabatte oder geplante Preiserhöhungen.
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BonnDas Bundeskartellamt hat Bußgelder gegen weitere führende Hersteller von Drogerieartikeln verhängt, weil sie unerlaubt Informationen ausgetauscht und damit den Wettbewerb beeinträchtigt haben. Sechs Unternehmen der Branche und der Markenverband müssen rund 39 Millionen Euro zahlen. In einer ersten Runde waren bereits Strafen in Höhe von etwa 24 Millionen Euro verhängt worden

Führende Markenartikelhersteller hätten sich jahrelang bei offiziellen Verbandssitzungen über Preiserhöhungen, Rabattforderungen und die Verhandlungen mit den Einzelhändlern ausgetauscht, erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt. Gemauschelt wurde demnach im Arbeitskreis "Körperpflege, Wasch- und Reinigungsmittel" (KWR). Colgate Palmolive hatte die Behörden schließlich informiert, das Unternehmen muss deshalb keine Strafe zahlen.

Anders erging es einer ganzen Reihe bekannter Hersteller: Unter anderem Henkel, Johnson & Johnson, Unilever und Reckitt Benckiser wurden bereits zwischen 2008 und 2011 zur Kasse gebeten, nun traf es unter anderem Beiersdorf und den US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble. Im Fall des Nivea-Herstellers Beiersdorf wurde das Verfahren bereits einvernehmlich beendet, der Bußgeldbescheid ist hier rechtskräftig. Die übrigen Firmen können noch Einspruch einlegen.

L'Oreal Deutschland will sich wehren. Die Firma habe sich in keiner Weise an einem wettbewerbsbeschränkenden Informationsaustausch beteiligt, erklärte L'Oreal am Abend. "Es ist jedem Mitarbeiter von L'Oreal Deutschland untersagt, direkt oder indirekt mit Mitbewerbern sensible Informationen auszutauschen, die den Wettbewerb verfälschen könnten." L'Oreal Deutschland weise die Beschuldigungen des Bundeskartellamtes zurück und werde gegen den Bußgeldbescheid Einspruch einlegen.

Auch Procter & Gamble will das Bußgeld nicht akzeptieren. "Wir werden gegen diese Entscheidung Rechtsmittel einlegen", sagte eine Sprecherin dem "Tagesspiegel" (Dienstagausgabe). Es sei ein wesentlicher Grundsatz des Unternehmens, "sich an Wortlaut und Zweck der Gesetze zu halten, wo immer wir operieren". .

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @ DagmarK,

    die von Ihnen genannte Preis-Recherche hat Jemandem Arbeit gemacht, Zeit gekostet, d. h. Arbeitsplätze erhalten / geschaffen. Heute haben "wir" (die Profiteure) nicht einmal das mehr nötig.

    Die letzten mindestens 10, 20 Jahre gab's Preise auf Basis einer angeblich ach so freien Marktwirtschaft für uns ehemalige Kunden. Inzwischen sind wir doch nur noch zum maximal auszunehmendem Konsumenten degradiert. Egal, wohin man blickt. Wir Endverbraucher haben diese Globalisierungs- und Gewinnmaximierungs-Wut plus Teuro bereits zig fach durch überhöhte Preise bezahlt! Und bekommen dafür immer weniger und weniger Qualität. Seit Neuestem auch noch weniger, dafür hübsch Kunden-irritierenden, Verpackungsinhalt. Der EU sei Dank mit all ihren so überaus "Kunden-freundlichen" Regeln.

    Nun aber braucht Papa Staat Geld. Da kann das Kartellamt dann plötzlich tätig werden? Ist ja erstaunlicherweise nun sehr rege geworden, der Laden in letzter Zeit.

    Was hat eigentlich der betrogene Endkunde von diesen Strafen? Die von ihm abgezockte Kohle ist unwiderbringlich weg. Und munter weiter geht's auf der Basis der so nach oben gehievten Preise ...

    Mit echtem Verbraucherschutz hat dieses scheinheilige Getue nun wirklich nichts zu tun. Fair wäre, wenn diese Konzerne ihre Waren dafür eine Zeit lang günstiger an die betrogenen Endverbraucher abgeben müssten. So lange bis, - zugunsten der Geschädigten, - die verhängte Strafe nachweisbar abgearbeitet ist.

    So als kleinen Lerneffekt. Nicht zur Strafe, nur zur Übung, wie man mit Geschäftspartnern / zahlenden KUNDEN eigentlich umgehen sollte.

  • Mein Gott, Preisabsprachen gibt es seit Jahrzehnten. Ich habe im Lebensmitteleinzelhandel gelernt und mußte einmal die Woche mit einer Liste durch die Konkurrenzgeschäfte "Preise einholen". Zu Anfang ging ich in Zivil, aber nicht sehr lange. Dann ging ich in meinem Kittel in den Konkurrenzladen gegenüber und fragte an der Kasse: Was kostet denn jetzt bei euch 1 l Milch, 1 kg Mehl usw. Im Gegenzug sagte ich der Kassiererin unsere Preise.

    Ich finde es unglaublich, dass das Kartellamt sich auf Kosmetik und Schokolade einschießt, aber bei den Spritpreisen angeblich gar nichts machen kann.

  • Gibt es noch weiße Schafe in der Wirtschaft? Wohl kaum zu erwarten.

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