Kartellamt zerlegt BAA
Britische Flughäfen im Schlussverkauf

Der weltgrößte Flughafenbetreiber BAA muss inmitten der Rezession Käufer für drei Airports finden. Die britische Wettbewerbskommission ordnete am Donnerstag an, dass das britische Unternehmen nach Gatwick auch den nördlich von London gelegenen Flughafen Stansted und danach einen der schottischen Flughäfen Edinburgh oder Glasgow verkaufen muss. Für Gatwick sind bereits drei Bieter im Rennen.



MADRID/LONDON/FRANKFURT. Für den Verkauf der Flugfhäfen hat BAA insgesamt zwei Jahre Zeit, entschied die Kommission. Der Verkauf soll mehr Wettbewerb unter den Londoner und den schottischen Flughäfen bringen. Dies sei Voraussetzung für einen besseren Service für Kunden und Fluggesellschaften, sagte Christopher Clarke, der die kartellrechtliche Untersuchung leitete.

Der Zwangsverkauf bietet dem spanischen Infrastrukturkonzern Ferrovial die Chance, die für den Kauf von BAA 2006 aufgenommene Schuldenlast deutlich abzubauen. Allerdings warnen Experten, dass es für BAA schwer werde, gute Preise zu erzielen.

BAA hatte in der Hoffnung auf eine mildere Entscheidung vor längerem die Trennung von Gatwick eingeleitet. Dieser Verkauf scheint trotz der Absage mehrerer Interessenten, darunter des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, des Baukonzerns Hochtief, einer Infrastrukturtochter der Deutsche Bank und des Finanzinvestors 3i Group voranzugehen. Drei Interessenten seien noch im Rennen, heißt es in Verhandlungskreisen: Manchester Airport zusammen mit dem kanadischen Investor Borealis Infrastructure, ein Konsortium aus einem Citigroup-Infrastrukturfonds und einem kanadischen Investor und eine Gruppe unter Führung von Global Infrastructure Partners, Besitzer des London City Airport.

Die Preisvorstellung von an die zwei Mrd. Pfund, die zu Beginn der Auktion kursierten, sind jedoch längst passé. „Der Preis wird nicht so hoch sein, wie sie gedacht hatten“, heißt es in den Verhandlungskreisen. Einige Bieter seien wegen Finanzierungsproblemen abgesprungen. Außerdem seien die Passagierzahlen in Gatwick zuletzt gesunken und das müsse sich in der Bewertung niederschlagen.

Im Umfeld von Fraport heißt es, dass auch die Entscheidung zum Bau einer dritten Start- und Landebahn in Heathrow dazu beigetragen habe, dass die Frankfurter auf ein Angebot verzichteten. Sie schmälere die langfristigen Aussichten für Gatwick und auch für Stansted. Trotzdem wollen die Frankfurter noch einen Blick auf die BAA-Angebote werfen. „Wir schauen uns, wann immer Flughäfen auf den Markt kommen, das grundsätzlich an. Wir haben aber genau festgelegte Kriterien. Sind die nicht erfüllt, geben wir kein Angebot ab“, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

„Es ist die Frage, wie praktikabel es ist, in diesem wirtschaftlichen Umfeld drei Flughäfen verkaufen zu müssen“, sagte BAA-Chef Colin Matthews in einem Radio-Interview mit der BBC. Er erwäge, rechtlich gegen die Entscheidung vorzugehen, wolle sie aber erst im Detail prüfen. Die BAA-Kunden Easyjet und Ryanair begrüßten hingegen die Entscheidung der Wettbewerbskommission. Sie haben seit langem eine Zerschlagung gefordert. Analysten begrüßten, dass BAA zwei Jahre Zeit für die Verkäufe hat. „Die Aufseher geben normalerweise zwölf Monate für erzwungene Verkäufe“, sagte Emilio Rotondo von Fortis in Madrid. Der Konzern könne außerdem versuchen, die Frist noch verlängert zu bekommen.

Auch wenn es für Ferrovial schmerzlich sei, sich von drei Flughäfen trennen zu müssen, komme es für die Ferrovial doch hauptsächlich auf Heathrow an, sagte ein Brancheninsider. Wenn der Verkauf helfe, die dritte Landebahn in Heathrow zu sichern, sei es den Aufwand wert. Außerdem helfen die Einnahmen aus dem Verkauf, die Schuldenlast des Bau- und Infrastrukturkonzerns zu reduzieren. Ferrovial-Chef Joaquin Ayuso hat angekündigt, alle Einnahmen aus Flughafenverkäufen zum Schuldenabbau zu nutzen. Ferrovial hat Schulden in Höhe von 24 Mrd. Euro, von denen mehr als 13 Mrd. Euro aus dem Kauf von BAA im Jahr 2006 stammen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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