Kartellbeschwerde eingereicht
Media-Markt soll Intel bevorzugt haben

Wettbewerber von Intel haben gegen den weltgrößten PC-Chiphersteller beim Bundeskartellamt ein Ermittlungsverfahren beantragt.

cs DÜSSELDORF. Die Beschwerde sei am Donnerstagabend eingegangen, sagte eine Sprecherin dem Handelsblatt. Angeblich soll Intel die Elektronikkette Media-Markt und Saturn mit Rabattzahlungen dazu veranlasst haben, ausschließlich Computergeräte mit den eigenen Chips in die Regale zu stellen. Verwender von AMD- oder Cyrix-Chips seien dadurch ausgegrenzt worden.

Den Namen des Beschwerdeführers wollte die Bonner Wettbewerbsbehörde auf Anfrage nicht nennen. Ein AMD-Sprecher erklärte, seine Firma sei zwar in Gesprächen mit dem Kartellamt, habe aber offiziell keine Beschwerde eingereicht. Womöglich habe ein Computerhersteller das Kartellamt eingeschaltet, hieß es bei AMD.

Die Erfolgsaussichten der Beschwerde sind ungewiss. Derzeit prüfen die Wettbewerbshüter die Weiterleitung an die Brüsseler EU-Kommission, die bereits in anderen Verfahren gegen Intel ermittelt. Fraglich sei aber, so eine Sprecherin in Bonn, ob die angeblichen Exklusivverträge zwischen Intel und Media-Markt/Saturn tatsächlich geeignet sind, den Markt missbräuchlich abzuschotten. Zwar gilt Intel mit 80 Prozent Marktanteil zweifelsfrei als marktbeherrschend, die Metro-Tochter Media-Markt/Saturn besitzt in Deutschland aber gerade einmal einen Marktanteil von 17 Prozent im Elektronikhandel.

Der Sprecher der Ingolstädter Fachmarktkette stand zunächst für einen Kommentar nicht zur Verfügung. Zuvor hatte er jedoch bereits gegenüber Pressevertretern beteuert, es sei reiner Zufall, dass lediglich Rechner mit Intel-Chips im Regal zu finden seien. Konkurrenten von Intel liegt dagegen angeblich ein Schreiben vor, in dem ein Media-Markt/Saturn-Mitarbeiter auf die exklusive Absprache mit Intel verweist.

"Sollte dieses Dokument rechtlich belastbar sein, haben die Intel-Wettbewerber gute Karten", glaubt der außenstehende Kartellrechtsexperte Philipp von Dietze von der Hamburger Kanzlei Brödermann & Jahn. Ein Bußgeld könnte dann seiner Einschätzung nach in dreistelliger Millionenhöhe fällig werden, wie ähnliche Kartellverfahren etwa gegen Vertriebspraktiken von VW gezeigt hätten. Die Bußgeldbemessung richte sich aber in jedem Fall nach dem Grad des Verschuldens und der wirtschaftlichen Leistungskraft.

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